Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

«Die machen Sex? Wääääh!»

Damit musste Sandra C. rechnen, als sie zwei Kaninchen ins Haus holte: Irgendwann würde das Thema Aufklärung aktuell werden, ­ dem Treiben der lieben Tierchen wegen. Dass das so bald geschieht, hätte die Familienbloggerin allerdings nicht gedacht. Und als sie merkte, dass ihre Erklärungs­versuche gar nicht nötig gewesen wären, wars schon zu spät.
Hasen haben Sex Tiere Sandra-Blog
© Getty Images

Nachdenklich beobachten meine Kinder ihre rammelnden Kaninchen. Ich auch. Erstens sind die beiden gerade mal sechs Monate alt. ­ Ich dachte, da seien auch Hasen noch Kinder und viel zu jung für sowas. Und zweitens besteigt Hermine regelmässig Mario, und nicht umgekehrt! «Ich glaube, sie sucht nach Zecken», meint meine Tochter schliesslich, und nimmt ihre Häsin vom Rücken des kleinen männlichen Kaninchens. «Du kannst aufhören, Hermine, er hat keine Zecken.» Oh je! Ich dachte eigentlich, meine Grosse hätte doch ein bisschen mehr Ahnung von Tuten und Blasen als ihr kleiner Bruder. Der wusste bis vor kurzem nicht mal, dass es Männlein und Weiblein braucht, um Nachwuchs zu zeugen: Als wir die Kaninchen kauften, fragte er, ob wir dann auch Baby-Häschen haben können. Ich: «Nein, weisst du, dein Supermario ist kastriert.» ­ «Was heisst das?» ­ «Das heisst, er kann keine Babys mehr machen.» ­ «Das ist ja egal, die Mädchen kriegen ja die Babys, nicht die Buben.» Ich erklärte ihm also das Nötigste: Dass es eben Mädchen und Bub braucht, vom Buben den Samen, welcher das Ei befruchtet, aus dem das Baby wächst, beim Hasen wie beim Menschen.

Wieviel er davon mitgekriegt hat, weiss ich nicht. Nicht allzuviel, fürchte ich. Also gut, offenbar wird es Zeit, meinen Kindern zu erklären, dass ihre geliebten Kaninchen nicht wirklich nach Zecken suchen, wenn sie rammeln. «Was tun sie dann?», fragt meine Tochter. «Ich glaube, sie versuchen, Babys zu machen.» ­ «Die machen Sex? Wäääääh!» ­ «Ääääh...ja...» ­«Und dafür sitzt das Mädchen dem Jungen auf den Rücken?» Holy Shit! Ich wollte sie locker, natürlich und ohne zu übertreiben so viel wie nötig aufklären ­ und mich nicht gleich von Anfang an mit meiner Zehnjährigen über verschiedene Stellungen beim Sex unterhalten! «Äh, nein, eigentlich nicht. In der Regel ist es umgekehrt.» ­ «Und warum macht Hermine das?» Gute Frage. «Vielleicht glaubt sie, dass sie ein Junge ist?» Sie nimmt das Schlappohr auf den Arm und schaut es eindringlich an: «Hermine, du bist kein Bub! Der Mario muss auf dich sitzen.» Verständnislos schaut sie mich an: «Warum eigentlich?» ­ «Äh, weil...also, bei den Hasen ist das wie bei uns: Jungs haben ein Schnäbi, Mädchen ein Schnäggli, und um Babys zu machen, muss das eine ins andere, und das geht nicht, wenn das Mädchen hinter dem Jungen ist. Verstehst du?» Sie denkt eine Weile nach, dann meint sie: «Stimmt», als hätte sie gerade eine mathematische Formel begriffen. «Aber Mario hat das glaubs nicht so gern, wenn sie das macht.» ­

«Vielleicht, und er kann ja nicht reden. Aber wir Menschen können reden ­und wir können immer Nein sagen, wenn wir etwas nicht wollen. Immer!» Ha, ­ hab ich das nicht grossartig hinbekommen? Aufklärung Teil 1, gar nicht so übel gemeistert. Sie hats gar nicht recht mitbekommen. Was Menschen so miteinander treiben, interessiert sie sehr viel weniger als Kaninchen. Wieder hebt sie ihre Häsin hoch: «Hermine, du bist ein böser Hase! Mario hat das nicht gern! Und überhaupt kann der gar keine Babys machen, also lass ihn in Ruhe.»

Übrigens hätte ich mir die ganze Diskussion sparen können, wenn ich vorher gegoogelt hätte. Dann hätte ich meinen Kids nämlich gleich erklären können, dass es hier gar nicht um Sex geht, sondern dass Kaninchen so ihre Rangordnung untereinander klären. Will heissen: Hermine ist der Boss, Supermario hat nix zu melden. Mal schauen, ob sich das ändert, wenn sie dann tatsächlich erwachsen sind.

Im Dossier: Alle Familienblogs von Sandra C.