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Der ganz normale Wahnsinn

Das liebe ich am Zusammenleben mit meinen Teenies - und das hasse ich

Wenn die Kinder grösser werden, wandelt sich das Zusammenwohnen immer mehr vom Familienleben zu einer Art WG. Das hat Vor- und Nachteile. Unsere Familienbloggerin plaudert aus dem Nähkästchen: Vier Dinge, die sie super findet an ihrer persönlichen WG mit zwei Pubertieren, und vier, auf die sie verzichten könnte.

Sandra Casalini Blog der ganz normale Wahnsinn

Jede und jeder mit sich selbst beschäftigt, aber trotzdem nie allein. So ist das Zusammenleben mit Teenies. 

Lucia Hunziker

Das finde ich toll:

1. Ich bin (fast) nie allein.

Da ich oft im Homeoffice arbeite, stimmt das so zwar nicht, aber da ich arbeite, nehme ich diese Zeit nicht anders wahr, als wenn ich in einem Büro wäre. Freizeit, die ich tatsächlich allein verbringe, ist rar. Und das ist toll. Auch wenn meine Witze Augenrollen ernten und meine Menüs hin und wieder auch - immerhin habe ich jemanden, der bereit ist, diese Witze anzuhören, und jemanden, für den ich kochen kann. Sehr viele Leute haben das nicht.

2. Ich entdecke immer wieder Neues.

Ich gebe zu, ich höre sehr viele Klänge aus den Zimmern meiner Kinder, die in meinen Hörgängen schmerzen. Aber manchmal kommt da auch was richtig Cooles. 24KGoldn. 5 Seconds Of Summer. Und sogar mit K-Pop hab ich mich inzwischen angefreundet. Ganz zu schweigen von Netflix-Serien wie «Haus des Geldes» oder «Sherlock». Und wenn ihr Englisch könnt: Googelt mal den Comedian Bo Burnham. Zum Brüllen.

«Sie hinterfragen Dinge, die ich einfach als gegeben betrachte und sie sehen unendliche Möglichkeiten, wo ich Grenzen sehe. Das ist sehr viel Wert.»

3. Ich sehe die Welt durch andere Augen.

Das ist ja ganz grundsätzlich das Allerschönste am Kinderhaben. Wenn sie klein sind, merkt man plötzlich wieder, dass man über bunte Fische in einem Aquarium staunen kann, oder dass es wichtiger ist, zu schauen, was unter einem Stein liegt, als schnell zu einem Ziel zu kommen. Natürlich ändert sich das mit dem Alter, aber die Art und Weise, wie Teenager die Welt sehen, ist trotzdem eine andere als die von uns Erwachsenen. Sie hinterfragen Dinge, die ich einfach als gegeben betrachte und sie sehen unendliche Möglichkeiten, wo ich Grenzen sehe. Das ist sehr viel Wert.

4. Ich bin noch gefragt im schönsten Job der Welt.

Natürlich werde ich immer ihre Mutter sein. Aber meine Rolle, die sich jetzt schon von der, in der man die volle Verantwortung trägt, immer mehr hin zu der einer Beraterin entwickelt, wird sich weiter wandeln. Das ist toll. Aber noch finde ich es auch ganz nett, in gewissen Situationen noch ein bisschen mehr Mami zu sein als mütterliche Freundin.

Und das finde ich weniger toll:

1. Ich bin (fast) nie allein.

Wie gerne würde ich mal nach Hause kommen und einfach in Ruhe die Schuhe ausziehen, ohne bestürmt zu werden - tatsächlich tun das Teenager noch genauso wie Kleinkinder: «Wann gibts was zu Essen?» , «Hast du eingekauft?», «Kannst du mal meinen Vortrag anhören?» Sie verschwinden dann zwar relativ schnell in ihre Zimmer, aber nur, um alle zehn Minuten wieder mit irgend einem Anliegen aufzutauchen - meistens mit der Frage, wanns denn nun endlich Essen gibt. Zwei Stunden ganz für mich allein, ohne Arbeit oder sonstige Pflichten stelle ich mir grad sehr schön vor. 

2. Ich gehe viel zu viele Kompromisse ein.

Zusammenleben fordert Kompromissbereitschaft von allen. Wenn man mit den eigenen Kindern zusammen wohnt, für die man immer noch die Verantwortung trägt, tendiert man allerdings dazu, mehr Kompromisse einzugehen, als nötig sind. Zumindest tu ich das, vielleicht aus Gewohnheit. So ärgere ich mich zum Beispiel öfter mal über mich selbst, dass ich beim Kochen und Essen immer noch auf gewisse Dinge verzichte, die ich eigentlich sehr mag, weil sie eines der Kinder nicht mag. Eigentlich wären sie ja alt genug, um für Alternativen zu sorgen, wenn ihnen das Essen nicht genehm ist.

«Was im Kühlschrank in der Küche ist, ist Allgemeingut. Wer etwas für sich beansprucht, schreibt es an. Irgendwie scheint das allerdings nicht für mich zu gelten.»

3. Ich habe nichts für mich allein.

Kind 1 hat einen eigenen Kühlschrank im Zimmer. Was da drin ist, gehört natürlich per Definition ihm. «Was im Kühlschrank in der Küche ist, ist Allgemeingut. Wer etwas für sich beansprucht, schreibt es an. Irgendwie scheint das allerdings nicht für mich zu gelten.» Ich kann meine Schachtel Toffifee gross und fett anschreiben und im Gemüsefach verstecken, wenn ich mir eines zum Espresso gönnen will, ist sie garantiert weg. «Oh, sorry, nöd gseh!» Und wie oft wollte ich schon Schuhe anziehen, als ich aus dem ging, und sie waren einfach nicht da - Kind 1, das die gleiche Schuhgrösse hat wie ich, hält nämlich mein Schuhgestell auch für Allgemeingut. Genau wie meinen Kleiderschrank. Aber wehe, ich würde mich mal einfach bei ihm bedienen …

4. Das Chaos ist gigantisch.

Ich gestehe, dass ich ein relativ chaotischer Mensch bin. Im Zusammenspiel mit zwei Teenagern wird das Chaos manchmal fast unerträglich. Ich habe mir zwar angewöhnt, jeden Tag mindestens eine Runde durchs Haus zu machen und herumliegende Tassen, Becher und Klamotten aufzusammeln - von uns allen -, aber immer, wenn ich bei anderen Leuten bin, frage ich mich, wie die das hinkriegen, so ordentlich zu wohnen mit mehreren Menschen im Haus. Bei uns herrscht einfach die Devise: «Wens zuerst stört, räumt es weg.» Das bin meistens ich. Aber Kind 2 hat kürzlich gerade einen Staubsauger versorgt - nachdem es siebenmal drübergefallen war.

Von Sandra C. am 20. November 2021 - 17:01 Uhr
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