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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Dünn, dünner, glücklich?

Eine neue Untersuchung der Gesundheitsförderung Schweiz zeigt, dass über 60 Prozent der Teenager-Mädchen sich zu dick fühlen. Ihre Vorbilder: durchtrainierte Fitness-Models auf Social-Media, die kaum ein Gramm Fett am Körper haben. Bereits Achtjährige zählen Kalorien. Furchtbar, findet Sandra C. Auch wenn sich die Familienbloggerin bewusst ist, dass sie ihrer Tochter nicht immer das beste Vorbild ist.

Ja, ich gebs zu. Ich stehe öfter mal vor dem Spiegel und seufze laut und verzweifelt «Ich bin sooooooo feeeeett!». Und dann geh ich und schaue, was es im Kühlschrank hat. Zum Glück kennt meine Tochter das. Und ignoriert es. Denn genauso wie mein «ich bin soooo feeeett» ein Ausdruck meiner Tagesform ist, und allermeistens eigentlich nichts anderes heisst als «Ich hatte einen Scheisstag!», sagt sie «Ich bin dick» in der pragmatischsten Art überhaupt: Sie stellt das für sich einfach fest. Nicht wertend.

Sie findet, im Vegleich mit den beispielsweise spindeldürren Miss-Schweiz-Kandidatinnen findet sie sich dick. Und klar, wenn sie sich das grad aussuchen könnte, wär sie gern dünner. Aber dafür auf Pizza oder Pommes verzichten? Kommt nicht in die Tüte! Zum Glück. Denn wenn ich lese, dass über die Hälfte der Teenie-Mädels unzufrieden sind mit ihrem Body – und die sind ganz sicher nicht alle übergewichtig! – und bereits Neunjährige Kalorien zählen, frage ich mich schon, warum diese Kinder offenbar das Gefühl haben, Dünnsein mache glücklich.

Klar, als ich ein Teenie war, wollte auch niemand dick sein. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass je über Kleidergrössen, Muskeln oder Diäten diskutiert wurde. Und wenn man bei einer Freundin zum Zmittag ging, gabs Pommes Frites. Immer. Salatblätter konnte man zu Hause kauen. Ich habe nichts gegen dünne Leute und durchtrainierte Instagram-Profis. Ich finde es einfach nicht ok, dass den Kids vorgegaukelt wird, das sei normal.

In Sachen Essen und Bewegung geht es nicht in erster Linie ums Aussehen, sondern um die Gesundheit

«Modelmasse» heissen so, weil sie eben Models vorbehalten sind. Das ist ihr Job. Und bedeutet in den allermeisten Fällen sehr viel Aufwand und noch mehr Verzicht. Und jede ultradünne Miss-Kandidatin, die auf Instagram demonstrativ in einen Burger beisst, lügt! Punkt. Ok, vielleicht nicht jede, mir ist schon bewusst, dass es Leute gibt, die einfach von Natur aus schlank sind. Aber es ist einfach nicht okay, den Kids weiszumachen, nur wer dünn ist, sei glücklich.

Was mich immer wieder erstaunt ist, dass wir uns alle von einem Spiel hinters Licht führen lassen, das wir selbst auch spielen: Wir alle posten auf unseren Social-Media-Kanälen nur die coolsten, aufregendsten, hübschesten Bilder von uns und unserem Alltag. Und schauen dann die Profile der anderen an und denken: «Oh nein, sie ist so hübsch und dünn und erfolgreich.» Das gilt für uns Erwachsene genauso wie für unsere Kids. Und wie soll ich meiner Tochter glaubhaft verklickern, dass irgendwelchen unrealistischen Idealen nachzurennen sie nicht glücklich machen wird, wenn ich mich selbst mit kaum zwanzigjährigen Models vergleiche?

Ich versuche meinen Kindern zu erklären, dass es in Sachen Essen und Bewegung nicht in erster Linie ums Aussehen geht, sondern um die Gesundheit. Ihr Körper braucht gewisse Stoffe, um zu funktionieren – und die sind in Pizza, Pommes und Cola nun mal einfach nicht enthalten. Aber ob Dünnsein tatsächlich glücklicher macht als eine grosse Portion Pommes Frites mit Ketchup wage ich zu bezweifeln.