Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Ganz normal

Alle Jahre wieder: die Elterngespräche in der Schule. Von Sandra C. immer ein bisschen gefürchtet, hat diese eine Woche im Jahr auch etwas Gutes. Sie gibt der Familienbloggerin Stoff für einen Blog. Dachte sie zumindest.
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© Getty Images

Ein ganz normales Kind, das einfach lieber Sport als Deutsch und lieber Pause als Schule mag - so ist der Sohn von Sandra C. (Symbolbild)

Worüber schreibe ich diese Woche? Das war diese Woche keine Frage. Ich warte bis Mittwochabend, dann habe ich das Elterngespräch mit meinem Sohn hinter mir, und haue in die Tasten. Stoff würde es, wie in den vergangenen Jahren, genug geben. Schliesslich hatten wir seit Beginn des Schuljahres bereits zwei ausserplanmässige Gespräche, um zu evaluieren, ob wir zwei Dinge, die naturgemäss nicht zusammenzupassen scheinen - meinen Sohn und die Schule - doch noch irgendwie zusammenkriegen.

Nun, es ist Mittwochabend und ich sitze ein bisschen ratlos hier. Dass das Elterngespräch meiner Tochter kein Riesenthema für einen Blog sein würde, war mir klar. Kriegt während des Unterrichts jeden zum Schwatzen, egal, neben wem sie sitzt. Minimalistin, weit entfernt vom Perfektionismus, schreibt trotzdem keine Note unter fünf. Sozial unschlagbar. Total problemlos (was die Schule angeht...). 

Bei meinem Sohn war ich auf alles vorbereitet - ich habe schliesslich schon ein bisschen Erfahrung mit solchen Gesprächen. Kann sich ganz schlecht konzentrieren. Lenkt andere ab. Macht Blödsinn. Nicht nur in der Pause, sondern auch während der Stunde. Wird furchtbar schnell wütend. Muss unbedingt an seiner Frustrationstoleranz arbeiten. Und an seiner Feinmotorik. Man kann kaum lesen, was er schreibt. Ist halt einfach ein bisschen schwierig.

Ich bin also zu diesem Elterngespräch gegangen, gewappnet wie immer. (Auch wenn mir die Tatsache, dass seit Monaten kein «Krisengespräch» mehr einberufen worden war, ein bisschen Hoffnung gab.) Und dann sagte sein Lehrer diesen Satz: «Ihr Sohn ist ein ganz normaler Viertklässler.» Ich glaubte, mich verhört zu haben. Bisher haben seine Lehrer zwar immer gesagt, dass er ein liebes Kind ist. Aber eben lieb und provokativ. Lieb und hibbelig. Lieb und laut. Seine aktuellen Lehrerinnen und Lehrer sehen aber offensichtlich in seinem Bewegungsdrang und seinen Schwierigkeiten, sich lange zu konzentrieren, keinen Störenfried und kein Sorgenkind. Er mag Sport lieber als Deutsch, Musik lieber als Englisch und Pause lieber als Schule. Er spielt mal einem Klassenkameraden einen Streich, kickt einem anderen den Ball in die Büsche - und bezahlt ihn dann von seinem Sackgeld. Völlig normal.

Was für eine Freude! Nicht, weil ich unbedingt ein «normales» Kind will. Aber weil mich das Wissen, dass mein Sohn Lehrerinnen und Lehrer hat, die seine Lebhaftigkeit und seine Marotten nicht als störend empfinden, doch sehr erleichtert. Auch wenn ich jetzt keine Ahnung habe, was ich in diesem Blog schreiben soll.

Im Dossier: Alle Beiträge von Familienbloggerin Sandra C.