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Der ganz normale Wahnsinn

Die fruchtbaren Jahre sind fast vorbei

Unsere Familienbloggerin kommt langsam aber sicher in die Wechseljahre. Obwohl sie keine Kinder mehr will, gefällt ihr der Gedanke, keine mehr bekommen zu können, irgendwie nicht.

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Sandra Casalini Blog der ganz normale Wahnsinn

Gelassenheit, die mit dem Alter kommt? Fehlanzeige. Dreckige Klamotten neben dem Wäschekorb machen unsere Familienbloggerin immer noch hässig.

Lucia Hunziker

Ich hatte vergangene Woche Geburtstag. Ich bin also schon wieder ein Jahr älter (was in der Natur von Geburtstagen liegt). Ich habe kein Problem mit meinem Alter. Ich habe ein erwachsenes und ein fast erwachsenes Kind, habe also in meinen 47 Jahren auf dieser Welt immerhin mal was mit Hand und Fuss zustande bekommen. (Und Kind 2 hat Schuhgrösse 45, seine Füsse zählen doppelt!)

Die doofen Hormone

Jedenfalls habe ich mir immer vorgenommen, in Würde zu altern. Mich mit dem abzufinden, was eben ist. Solange das, was ist, ein paar Falten sind, ein graues Haar oder einige Fettpölsterchen, kann man so was natürlich laut in die Welt hinausposaunen. Zumal ich immer eher zu den Leuten gehörte, die jünger geschätzt wurden, als sie sind. (Böse Zungen behaupten zwar, das liege mehr an meinem Verhalten als am Aussehen, was ich an dieser Stelle unkommentiert lassen möchte.)

Aber plötzlich verhält sich mein Körper total doof. Und ich rede hier nicht vom Aussehen, sondern von etwas viel Schlimmerem: von Hormonen. Ich habe immer wieder mal das Gefühl, als platzte ich aus meiner Haut und ich trage gerade zwei Kleidergrössen. Es gibt Tage, an denen mein ganzer Körper aufschwillt, und dann wieder solche, an denen alles normal ist. Das Schlimmste: Ich habe ständig Blutungen, aus dem Nichts. Manchmal nur kurz und leicht, manchmal tagelang wie ein Wasserfall. Ich habe aufgehört, jedesmal zur Frauenärztin zu rennen, die mich zwar einerseits beruhigt («das ist normal ...»), und andererseits erschreckt («... in Ihrem Alter»).

«Dass wir Babys austragen können, ist das Einzige, von dem bewiesen ist, dass es uns biologisch von den Männern unterscheidet. Was sind wir ohne sie?»

In meinem Alter. In dem Alter, in dem mein Körper nun sehr offensichtlich und unwiderrufbar die Wechseljahre eingeläutet hat. Die bekanntlich in der Menopause enden. Dem Ende der fruchtbaren Jahre. Puh! Ich will keine Kinder mehr, ich habe mein Soll erfüllt (ich liege sogar 0,5 Kinder über dem Schweizer Durchschnitt). Aber der Gedanke, keine Kinder mehr bekommen zu können, falls ich noch welche wollen würde, gefällt mir irgendwie nicht so. Ich weiss selbst nicht genau, warum.

Vielleicht deshalb, weil wir Frauen in unserer Gesellschaft immer noch in erster Linie über die Mutterrolle definiert werden, selbst dann, wenn wir keine Kinder haben oder wollen. Oder eben keine (mehr) bekommen können. Dass wir Babys austragen können, ist das Einzige, von dem bewiesen ist, dass es uns biologisch von den Männern unterscheidet. Was sind wir ohne sie?

Noch hadere ich

Die Antwort sollte lauten: Was immer wir sein wollen. Zumal dem Alter ja auch nachgesagt wird, dass mit ihm eine gewisse Gelassenheit einhergeht. Gemäss dem Fakt, dass ich mich immer noch grausig darüber aufregen kann, wenn meine Kinder ihre dreckigen Klamotten konsequent neben den Wäschekorb schmeissen, bin ich in demfall noch gar nicht so alt. Meine fruchtbaren Jahre sind fast vorbei. Noch hadere ich ein bisschen mit dieser Tatsache. Bis zu meinem nächsten Geburtstag werde ich mich dran gewöhnt haben.

Von Sandra C. am 22. Oktober 2022 - 18:09 Uhr