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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Gedanken über die Ehe

Die Mutter von Sandra C. hat kürzlich geheiratet. Für ihre Kinder ein aufregender Tag. Die Familienbloggerin musste im Voraus ihren Kindern erklären, warum sie selbst nie geheiratet hat und warum das Verheiratetsein für sie kein erstrebenswerter Zustand ist.

Natürlich haben meine Kinder schon öfter gefragt, warum ihre Eltern nie geheiratet haben. Ich habe immer geantwortet, weil wir es nicht nötig fanden. Das hat gereicht. Jetzt aber befand ihre Oma es für nötig, ihrem langjährigen Lebenspartner das Ja-Wort zu geben, und zwar nicht nur kurz und nüchtern auf dem Standesamt, sondern mit einer Feier danach und einer zusätzlichen kirchlichen Trauung und einer Party auf einem Schiff.

Als meine Mutter meinen Sohn fragte, ob er die ehrenvolle Aufgabe des Überbringers der Eheringe übernehmen wolle, reagierte dieser zu meiner grossen Überraschung nicht in seiner üblichen vorpubertären Manier («Mir egal – wenn du willst»), sondern mit grosser Begeisterung. Und meine Tochter – überzeugte Hosen- und Turnschuhträgerin – rannte gleich los, um sich ein Kleid und Ballerinas zu besorgen. Und die Fragen liessen nicht lange auf sich warten: «Warum heiratet Oma? Und warum hast du nie geheiratet?»

Meine Mutter ist 64. Dass sie jetzt heiratet, um sich und ihren Ehemann – unter anderem finanziell - abzusichern, ist verständlich. Dass sie das auch kirchlich, vor Freunden und Familie, und mit einer grossen Party tun möchte, hat mich anfangs ehrlich gesagt ein bisschen überrascht. Offenbar ist meine Mama romantischer, als ich dachte. Und romantischer als ich.

Ich hab nie von einer Märchenhochzeit geträumt. Lustigerweise scheine ich schon als kleines Mädchen nicht viel für die Ehe übrig gehabt zu haben - ich erinnere mich daran, dass ich immer davonlief, wenn meine Freundinnen mit ihren Barbies Hochzeit spielten. Ich fand das furchtbar. Warum, weiss ich nicht. Die spätere Scheidung meiner Eltern tat aber wohl ihr Übriges.

Auch die Kinder waren nie ein Grund zu heiraten. Im Gegenteil: Für mich war immer klar, dass ich auch als Mutter arbeiten würde, und wir hätten so als Doppelverdiener sehr viel mehr Steuern bezahlt, hätten wir geheiratet. Heute stört mich an der Institution Ehe so einiges. Vor allem, dass sie suggeriert, dass die rechtlich und kirchlich abgesegnete Verbindung von Frau und Mann die einzig akzeptable Voraussetzung ist, um eine Familie zu gründen. Und dass die einzig akzeptable Definition von Familie eben die ist: Mami, Papi, Kinder.

Steuerlich belohnt wird in diesem Modell nur, wer die von Staat und Kirche bevorzugte Rollenverteilung lebt: Einer verdient, die andere erzieht die Kinder. Wer heiraten und trotzdem weiter im Doppel verdienen will, wird finanziell bestraft. Und wer eine andere Version von Familie leben möchte – Patchwork, Regenbogen, was auch immer – wird von Staat und Kirche nicht die gleichen Rechte eingeräumt wie der tradtionellen Familie. Die gleichen Pflichten allerdings schon: Steuergelder werden von allen gern genommen, egal ob hetero, homo, Single, alleinerziehend. Das stört mich. Dazu kommt die Tatsache, dass fast die Hälfte aller Ehen irgendwann zerbricht. Einer Firma, bei der jedes zweite Projekt scheitert, würde niemand trauen. An der Ehe hingegen halten wir fest und vertrauen ihr immer und immer wieder.

«Ich wollte nie heiraten, weil ich nie geglaubt habe, dass eine Ehe mein Leben in irgend einer Art und Weise besser gemacht hätte. Und eures auch nicht», erkläre ich meinen Kindern. «Aber das heisst nicht, dass ihr auch nie heiraten sollt. Ihr sollt immer das tun, was sich im Moment für euch richtig anfühlt. Sollte das eine Ehe sein, ist das ok – selbst wenn sie irgendwann kaputt geht.» Ich bin gespannt, ob ich tatsächlich irgendwann als Braut- oder Bräutigam-Mutter an einer Hochzeit teilnehmen darf. Solange es nicht meine eigene ist, finde ich Hochzeiten nämlich etwas ganz Tolles!