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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

Rauchen, Trinken, Kiffen

«Macht euch mal locker», dachte Sandra C. jeweils, wenn sie Teenager-Eltern zuhörte, die sich Sorgen wegen Drogen und Alkohol machen. Aber je älter ihre Kinder werden, desto mehr merkt unsere Familienbloggerin: So unberechtigt sind diese Sorgen nicht.

Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass die Kids von heute ganz andere Sachen interessieren als rauchen, trinken und kiffen. Wer will schon versuchen, mit etwas cool zu sein, mit dem seine Eltern schon rebelliert haben? Ich machte mir viele Gedanken darüber, wie ich den Umgang mit Handy, Games oder Sozialen Medien meiner Kinder regeln soll, führte Gespräche über Mobbing, Sexting und Nacktbilder. Alkohol und Drogen waren nie ein Thema. Ich dachte, das sei nicht nötig.

Ich habe falsch gedacht. Denn plötzlich sind diese im Umfeld meiner Kinder aufgetaucht. Nicht bedrohlich nahe, aber nahe genug, um mir zu überlegen, wie ich damit umgehe. Ich bin grundsätzlich kein Fan von Verboten. Sie nützen nicht nur nichts, sondern machen das Verbotene nur noch interessanter. «Nein», antworte ich deshalb auf die Frage meiner Tochter, ob ich ihr rauchen, trinken und kiffen verbieten würde. «Ich nicht. Aber das Gesetz.» Hier gilt nämlich grundsätzlich: Sie darf mit ihren 14 Jahren weder Zigaretten kaufen noch in der Öffentlichkeit rauchen, noch darf sie Alkohol kaufen und trinken (ausser im Beisein und mit der ausdrücklichen Erlaubnis ihrer Eltern), noch darf sie Cannabis konsumieren.

Ich kann und will meinen Kindern nichts verbieten. Ich kann ihnen nur sagen, wie ich das sehe.

«Schau, es ist wie mit der Sache mit den Nacktbildern auf dem Handy, über die wir gesprochen haben. Selbst wenn du sie nicht geschossen hast, machst du dich strafbar, wenn sie sich auf deinem Handy befinden. Selbst wenn du eigentlich nicht kiffst und nur mal ein paar Züge nimmst, um dazuzugehören – es ist nicht legal. Und wenn du erwischt wirst, hast du ein Problem. Und das bin nicht ich, sondern die Polizei.» (Und auch wenn dein Vater und dein Onkel - notabene Söhne eines Kriminalpolizisten - gern mal Anekdoten zum Besten geben, wie die Polizei wegen frisierter Töffli oder was auch immer an der elterlichen Haustüre klingelte, kannst du mir glauben: Soooo witzig ist das nicht.)

Lieber uncool statt rauchen

Ich kann und will meinen Kindern nichts verbieten. Ich kann ihnen nur sagen, wie ich das sehe. Rauchen finde ich grusig, unnötig und teuer. Ich habe in meinem Leben höchstens drei Zigaretten geraucht. Als ich etwa 16 war, war das an meiner Schule so cool, dass ich dachte, irgendwas muss da ja sein. Ich fand es so furchtbar, dass ich lieber Gefahr lief, für immer uncool zu sein. Damit hatte sich auch das Thema kiffen erledigt für mich. Und Alkohol? Das sehe ich als Genussmittel. Und das heisst: Ich trinke Wein oder Prosecco, weil ich das mag, und nicht, um mich zu berauschen. Und schon gar nicht, um irgendwo dazuzugehören. Ich fände es schön, wenn meine Kinder das auch so sehen. Aber schlussendlich müssen sie selbst entscheiden, was ihnen in dieser Hinsicht wichtig ist und was nicht. (Aber ganz ehrlich: Ich weiss nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich sie tatsächlich beim Drogenkonsum erwischen würde. Das fände ich ziemlich unwitzig.)

Kürzlich fragte meine Tochter, ob sie einen Schluck Wein probieren dürfe. Ich liess sie, sie verzog das Gesicht und bestellte ein Gazosa. «Siehst du?», sagte ich. «Du würdest das jetzt nicht trinken, nur um mir zu gefallen. Das würde ich als gute Mutter auch nie von dir verlangen. Und mit guten Freunden ist es das gleiche.»

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