Der ganz normale wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Kids und Job unter einen Hut bringen? Easy! Oder doch nicht?

Schreien oder schreien lassen, das ist hier die Frage

Eine Restaurant-Besitzerin im US-Staat Maine brüllte kürzlich in ihrem Diner ein knapp zweijähriges Kind an, nachdem dieses 40 Minuten lang geschrien hat. Darf man fremde Kinde anschreien, fragt Sandra C. Und: Darf man sein Kind an einem öffentlichen Ort so lange einfach brüllen lassen? Dazu die ganz persönlichen Top 5 der kinderfreundlichsten Schweizer Restaurants.
Restaurant Zürich Arosa Gstaad kinderfreundlich Kinder schreien
© Getty Images

Was tun, wenn das eigene Kind, wie am Spiess schreit?

Tara und John Carson waren mit ihrer 21 Monate alten Tochter Keira in «Marcy’s Diner» in Portland/Maine essen, schreibt die «Washington Post». Was dort tatsächlich geschah, ist recht subjektiv. Die Kleine habe satte 40 Minuten lang geschrien, ohne dass die Eltern etwas dagegen unternommen hätten, erklärt die Restaurant-Besitzerin. Worauf es Carla Neugebauer im wahrsten Sinn des Wortes den Nuggi rausgehauen hat: «Das muss aufhören!», schrie sie der knapp Zweijährigen ins Gesicht. Dies, nachdem sie die Eltern mehrmals gebeten habe, sich um ihre Tochter zu kümmern, mit ihr rauszugehen, und ihnen auch angeboten habe, das Essen mitzunehmen.

Die Carsons sehen das etwas anders. Für sie kam die «Aktion» aus heiterem Himmel, nachdem ihnen Neugebauer kurz zuvor wortlos Take­-Away­-Boxen auf den Tisch geschmissen hätte. Ihre Tochter sei nun traumatisiert abgesehen davon, dass man unendlich lang auf das Essen gewartet habe (tatsächlich beschweren sich auf der Facebook­Seite des Restaurants einige Gäste über die langen Wartezeiten).

Wie immer dem auch sei, um in eine solche Situation zu kommen, braucht es zwei Parteien, und die haben gegen zwei ungeschriebene Gesetze verstossen. Erstens: Man brüllt keine fremden Kinder an (und wenn es sich vermeiden lässt auch die eigenen nicht, und schon gar nicht in der Öffentlichkeit). Zweitens: Man lässt seine Kinder in einem Restaurant nicht länger als 10 Minuten schreien (selbst bei McDonald’s nicht), dann geht man mit ihnen raus. Das ist halt einfach so. (Abgesehen davon, dass jeder, der kleine Kinder hat, sich eh gewohnt ist, sein Essen kalt zu essen. Im Stehen oder Gehen. Oder gar nicht.)

Was mich an diesem Geschichtchen nachdenklich macht ist folgende Aussage von Keiras Mutter: «In meinen Augen hat Keira wirklich nicht so ein grosses Theater veranstaltet, ganz ehrlich. Für uns kam das völlig überraschend.» Ich dachte eigentlich immer, als Eltern ist man in so einer Situation viel schneller von den eigenen Kindern genervt als andere. Kann es sein, dass ich damit falsch liege, und meine Kinder schon diverse Gäste in Restaurants vergrault haben, ohne dass ich es gemerkt habe? Tatsächlich ist es mir ein einziges Mal passiert, dass ich mit meinen Kindern aus einem Lokal geschmissen wurde - ­ ironischerweise aus einem mit Kinderspielplatz und spezieller Kinderkarte, also kleinen Gästen generell nicht abgeneigt. Und ironischerweise in einer Situation, in der sich meine Kinder wirklich total unaffällig verhalten haben. Dem Paar am Nebentisch war die Präsenz von kleinen Kindern ganz grundsätzlich zuwider, worauf es gehen wollte. Und der Restaurantbesitzer legte offenbar mehr Wert auf deren Präsenz als auf unsere. Seit ich die Geschichte aus Maine gelesen habe, versuche ich mich verzweifelt zu erinnern, ob meine Kinder an diesem Tag wohl tatsächlich so nett waren, wie ich es in Erinnerung habe ­ oder ob ich verklärte Mama die Situation total falsch eingeschätzt habe. Denn eigentlich dachte ich, ich hätte immer mitbekommen, wenn sich meine Kinder daneben benahmen, und habe umgehend mit besagtem Kind die «Gefahrenzone» verlassen.

Nun, am hilfreichsten ist wohl sowieso, wenn man mit seinen Kindern Restaurants besucht, von denen man weiss, dass die lieben Kleinen willkommen sind, und dass die Chance, dass sie dort in der einen oder anderen Art und Weise austicken, gering sind (auch wenn es sich vermutlich niemals ganz ausschliessen lässt). Deshalb hier von mir für euch meine ganz persönlichen (total subjektiv ausgewählten) Top­-5­-Familienrestaurants in der Schweiz. Aber ich teste gerne Neues: Welches sind eure Favoriten?

1. Restaurant Schönegg, Wädenswil (ZH)
Das absolute Nonplusultra für meine Kinder. Einmalige Lage hoch über dem Zürichsee mit atemberaubendem Ausblick, riesiger Kinderspielplatz, Indoor­-Spielecke, Bobbycars zum Rumflitzen, Streichelzoo mit Geissli und Pfauen, direkt neben dem Minigolfplatz. Am Tisch gibts Farbstifte und Rätselhefte für die Kids. Highlight: Die Kinderkarte, auf der das Menü selbst zusammengestellt werden kann, inklusive Kinder-­Apéro und Dessert (Schoggifondue!). Und auch die Erwachsenen kommen kulinarisch auf ihre Kosten. www.schoenegg.ch

Weitere Tips: Restaurant/Hotel Halbinsel Au (ZH) und Restaurant Luegeten, Pfäffikon (SZ), haben beide tolle Kinderspielplätze.

2. Hotel/Restaurant Arc­-en­.ciel, Gstaad (BE)
Gstaad ist immer eine Reise Wert, ob im Sommer oder im Winter. Das Arc­en­ciel ist ein toller Tip für alle, die Kinder unterschiedlichen Alters dabei haben. Es gibt nämlich im unteren Stock zwei verschiedene Spielzimmer, eins mit Rutschbahn und Co. zum Rumtollen für die Kleineren, eins mit Wii, Töggelikasten und Co. für die Älteren. Zudem gibts die beste Pizza der Gegend und auch das Fondue ist lecker. www.arc­en­ciel.ch

Weitere Tips: Der Bernerhof Gstaad hat ebenfalls ein lässiges Spielzimmer und laut meiner Tochter das beste Fondue Chinoise aller Zeiten. Im Spitzhorn gibts ein Süssigkeitenbuffet und eine extrem freundliche und flexible Bedienung. Und die Rösti schmeckt meinen Kindern am besten im Wildhorn in Lauenen ­ abgesehen davon, dass sie Gastgeber Hans Schenker unglaublich lustig finden.

3. Hotel/Restaurant Hold, Arosa (GR)
Laut meiner Tochter das beste Fondue Chinoise aller Zeiten ­ - oder hatten wir das schon? Auf jeden Fall das kreativste, und die Saucen sind unschlagbar. Die Stammbeiz der Aroser Skilehrer ist gemütlich und bietet auch für Kinder einiges, zum Beispiel ein Spielzimmer inklusive Aquarium, sowie diverse Bücher und Spiele. Wer sein Kind nicht überzuckern will, bestellt den Haustee nach eigenem Rezept ­ und hält es von der Sugusschale an der Rezeption fern! www.holdarosa.ch

Weitere Tips: Das Hotel Kulm bietet nicht weniger als fünf verschiedene Restaurants, ein Kinderspielzimmer und eine Bowlingbahn. Im Restaurant Erzhorn freuen sich die kinderlieben Haushunde Laika und Mocca über Besuch. Die urgemütliche Hörnlihütte ist auch bei schlechtem Wetter ein Hörnlikafi Wert, die Kids bedienen sich tatsächlich aus dem Spiele-­Karton und fragen nicht nach dem Handy! Und im Aifach gehts zu wie zu Hause: Ein Menü, Topf auf den Tisch und Kleine und Grosse können dem Koch in der offenen Küche beim Kochen zuschauen. (Alle in Arosa).

4. Restaurant Oberer Mönchhof, Kilchberg (ZH)
Kein typisches Kinderrestaurant, aber der Blick über den Zürichsee ist genauso fantastisch wie das Essen. Zudem lesen Gastgeber Adrian Thoma und sein Personal auch den kleinen Gästen fast jeden Wunsch von den Lippen ab (meine Tochter wird ihn ewig lieben für das Süssigkeitenbuffet, das er für ihre Erstkommunion organisierte!). Und für grössere Kinder gibts auf Streifzügen rund ums Haus viel zu entdecken. www.moenchhof.ch

Weiterer Tip: Der Untere Mönchhof in Kilchberg, direkt am Zürichsee, ist für Eltern mit kleinen Kindern wohl eher eine stressige Angelegenheit. Für Familien mit älteren Kids (die schwimmen können) aber eine lässige Alternative: Kulinarisch gibts alles, von Bratwurst bis Hummer, und auf der grossen Wiese daneben finden sich meist Gspänli zum Tschutten und grosse Bäume zum Klettern.

5. Hotel/Restaurant Albergo Losone (TI)
Im Tessin stört sich ja grundsätzlich fast niemand an lachenden und rennenden Kindern. Unser erklärter Liebling bietet aber alles, was das Kinderherz begehrt: Kinderclub (wo die lieben Kleinen auch unter sich essen dürfen, wenn sie wollen), Kinderbuffet, Spielplatz, Streichelzoo (Ziegen, Esel, Pony), Go-­Kart­-Bahn und last but not least ein Pool, der 24 Stunden pro Tag zum Plantschen einlädt. Mehr geht nicht! www.albergolosone.ch

Weitere Tipps: Das Broggini in Losone lockt die Knirpse mit Spielplatz, gratis Gelato und Luftballon, und die Grossen mit der Hausspezialität Güggeli vom Grill und einer grossartigen Zabaione. Kulinarisch unschlagbar: Da Enzo in Ponte Brolla (16 Gault Millau Punkte), der wunderschöne Garten lädt auch Kids zum Entdecken ein.

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