guelsha-symbol-neu-2.png

Genau, Gülsha!

Das Leben ist seltsam. Autorin und Moderatorin Gülsha Adilji über die Kuriositäten dieser Welt.

Willkomme in Züri (Langstrass, Bitsches und Koki)

Gülsha Adilji lebt nun seit 17 Jahren in der Stadt Zürich. Wer sie reden hört, weiss, dass diese Tatsache ihrem rauen Ostschweizer Dialekt keinen Abbruch getan hat. Was sie aber aufbauen konnte, sind eine Handvoll Skills, wie man dennoch immer wieder sein Gegenüber ins Wanken bringt und unsicher macht, ob man denn nicht doch eine waschechte Stadtzürcherin ist. Eine Zürcherin, die einfach biz lustig den Buchstaben R verschluckt.

Für alle frisch Zugezogenen habe ich ein kleines aber feines Listicle erstellt, bzw. finden Sie weiter unten das Schwert Caliburn of becoming zurcherisch. Ziehen Sie es aus dem Stein und Sie werden absolut als Zürcherin, Zürcher akzeptiert und sicherlich an die nächste illegale Licht-Vernissage in einem stillgelegten E-Werk eingeladen.

Diese Punkte sind zu beachten, um Züri zu sein:

Wenn Sie mit dem Velo unterwegs sind, fahren Sie auf der Langstrasse der Busspur entlang, auf Höhe Hiltl/ Chickeria kann der vegane Ingwer-Kaugummi auf die Strasse gespuckt werden.

Regen Sie sich über die neuen Begegnungszonen für Fussgänger und Velofahrer bei der LangstrassenUnterführung auf, indem Sie die Leute wegklingeln oder -pfeifen.

Seien Sie vehement gegen Gentrifizierung und besprechen Sie die vielen verschiedenen Verdrängungsmechanismen, die in den letzten fünf Jahren sichtbar wurden, bei einem Kaffi im Kosmos.

Machen Sie kein Foto auf der Schaukel im Gonzo.

Reden Sie bei einem Partygespräch über «dä Inder vom Siehlhölzli», der Sommer wie Winter halbnackt und barfuss seine Runden auf der Finnenbahn dreht.

Lösen Sie ein Jahresabo im Boxclub Zürich.

Fragen Sie nach dem Abendessen in die Runde, ob jemand dabei ist bei einem Absacchi auf Höhe Neubellevue (Absacchi von «Absacker» und Sacchi Bar, Neubellevue=Lochergut).

Bestellen Sie einen Lambrusco in der Sacchi Bar und behaupten Sie nach dem ersten Schluck, er habe Zapfen. Bestellen Sie im Kafi Lang beim Limmatplatz einen Kaffee mit Sojamilch und zwinkern Sie dann der Barista zu mit einem charmanten «nei Schärz, ichch waiiss dänck, dass iiihr das nöd händ».

Der grosse Mann mit den Locken, der häufig beim Kafi-Bonheur rumhängt, heisst Dani. Grüssen Sie ihn, ihm gehört sozusagen Zürich. Er wird glauben, dass Sie sich kennen und mitspielen. Versuchen Sie im Gespräch Ihren eigenen Namen zu nennen, damit er Sie das nächste Mal kennt.

Das Selbe können Sie im Club Exil wiederholen mit Stipe Svalina, im FatTony mit Milieu-Mauri. Googeln Sie die Leute vorher, damit Sie nicht die falschen vollquatschen.

Spielen Sie Ping Pong oder Kubb. Spielen Sie nicht Frisbee oder Badminton.

Regen Sie sich nochmal auf über die neuen Begegnungszonen für Fussgänger und Velofahrer bei der Langstrassen-Unterführung auf UND auf der Hardbrücke. Regen Sie sich täglich darüber auf.

Als Mann: Tragen Sie einen Dutt. Als Frau: Tragen Sie einen Dutt.

Yoga-Pants und Wimpern-Extentions gehören ins Seefeld-Quartier. Ab Kreis 3 bis Kreis 6 sollten Sie das tragen, was ihre Mutter Anfang der 90er zum Putzen anhatte.

Schreiben Sie nie eine Kolumne, wo Sie Tipps und Tricks geben, wie man Zürcherin wird.