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Pedro Lenz' «Gschichte vo Hie und Hütt»

«Es Land ohni Name»

Pedro Lenz, 54, Mundart-Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» darüber, warum die Stimme im Bahnhofs-Lautsprecher nicht verrät, welches Land für die Verspätung des Eurocitys verantwortlich ist.

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Keystone

Es isch e sehr e heisse Nomittag im Juli gsi. I ha vom Wallis hei wöue. Z Visp am Gleis 4 si vüu Lüt gstange, wo uf e Schnäuzug Richtig Bärn, Basu, Frankfurt hei gwartet. Der Schnäuzug isch nid cho. Und us em Lutsprächer seit e Stimm: «Der EC Richtung Bern, Basel, Frankfurt, Abfahrt 13 Uhr 28, erhält circa 10 Minuten Verspätung, Grund dafür ist ein Problem im Ausland.»

Ds gliche Sätzli het de di Stimm im Lutsprächer ou no uf Französisch, Iteliänisch und Änglisch gseit. Aber uf Änglisch het d Stimm nid vom Usland gredt, sonder vo «another country», auso vom nen angere Land. 
Jetz si dört uf däm Perron ganz vüu Lüt am Warten und am Schwitze gsi. Und wöu der Zug 
ou nach zäh Minute no nid isch iigfahre, het d Stimm vom Lutsprächer no mehrmous müesse erkläre, di Verspätig heig mit em ne «problem in an other country» z tüe. 

«Es muess irgend es Land vo änen am Simplon si» 

Dä Zug, wo vom Simplon här z Visp hätt söuen aacho, zum nächär dür e Lötschbärg Richtig Spiez witerzfahre, het auso Problem gha im nen angere Land. «Wahrschiinlech z Nordkorea», het eine vo de Wartende gseit und glachet. «Ömu z Finnland wahrschiinlech nid», het en angere Maa gseit, «es muess irgend es Land vo änen am Simplon si.» 

Es isch würklech bemerkenswärt gsi, wi di Stimm vom Lutsprächer sech bemüeht het, i aune vier Sproche das Land nid z benenne, wo offesichtlech für di Zugsverspätig zueständig isch gsi. Es isch eim vorcho, wi wenns ke Name meh gub für das Land vom Ovid, vom Leonardo da Vinci, vom Michelangelo, vom Guiseppe Verdi, vom Federico Fellini, vor Claudia Cardinale, vor Sophia Loren, vor Gianna Nannini, vom Lucio Dalla, vom Francesco Totti oder vom Adriano Celentano. 

Vilecht hets mit däm Matteo Salvini z tüe

I ha mi dört a däm Bahnhof z Visp, bim Warte uf dä Eurocity, 
wo mi vo Domodossola hei uf Oute hätt söue bringe, aafo froge, worum, dass di Stimm am Lutsprächer uf au Arte vermiidet, der Name vo däm Land uszspräche. Der Maa vom Lutsprächer het 
nid möge säge, wi das Land vom Saltimbocca al Risotto, das Land vom Barolo Gran Riserva, das Land vom handgrüehrte Zabaione und de feine Cantucci, das Land vom Ristretto mit Grappa genau heisst. Är het eifach gseit: «Wegen Problemen im Ausland.» 

Vilecht hets do mit däm Matteo Salvini z tüe, han i plötzlech dänkt, däm Inneminischter, 
wos lieber hätt, me würd d Bootsflüchtlinge im Mittumeer lo ersuufe, aus se us em Wasser z rette und a di sicheri Küschte z bringe. Dä Matteo Salvini fingt ersoffeni Flüchtlinge besser aus söttigi, wo chöi überläbe, wöu nis der Tod vo de Flüchtlinge weniger choschtet aus ds Läbe. Am Salvini sini Landslüt wähle ne für das. 

Aber der Maa vom Lutsprächer vom Bahnhof z Visp git am ne söttige Land, wo söttigi Lüt wäuht, der Name nümm. So nes Land heisst für ihn nume no «an other Land».

Mehr Kolumnen von Pedro Lenz finden Sie hier.

Von Pedro Lenz am 15.07.2019
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