Sale, pepe e pomodoro

Sale, pepe e pomodoro

Moderatorin Zoe Torinesi tauscht regelmässig Mikrofon gegen Kochlöffel.

Heuschrecken zum Lunch - mitten in Zürich

Seit vielen Jahren unterstützt die Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft das Vorhaben, Insekten im Kampf gegen den Welthunger einzusetzen. Dass Mehlwurm, Grille & Co. voller wichtiger Nährstoffe stecken, ist längst kein Geheimnis mehr. Aber wie schmecken die Dinger wirklich und wie werden sie als Delikatesse zubereitet?

Das Zürcher «Maison Manesse» in der Nähe des Sihlcity wartet mit einem Michelin-Stern und 14 Gault-Millau-Punkten auf und serviert normalerweise Exquisites, das weder Fühler noch Flügel besitzt. Für einmal steht aber anstatt Rindstatar Mehlwurm-Erbsenpüree auf dem Programm, dazu trinken wir anstelle von edlem Shiraz stilles Wasser - schliesslich wollen wir den Eigengeschmack von Heuschrecken und Buffalo-Würmern möglichst unverfälscht wahrnehmen.

Geladen hat das Schweizer Start-up Essento, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, nachhaltige und gesunde Lebensmittel zu etablieren. Kaum bin ich im Restaurant, hält mir Manuel, einer der Chefs des «Maison», eine riesige Heuschrecke unter die Nase: «Chum iss, du trausch di eh nöd!» und ich denke tatsächlich, dass ich es nie schaffen werde, eines dieser Viecher herunter zu schlucken. Die Food-Journalistin eines renommierten Magazins wuselt um die Insektenspeisen herum, macht fleissig Fotos und Notizen und ich versuche zu erhaschen, ob sie denn tatsächlich auch etwas probiert. Andere Teilnehmer degustieren sich brav durch Mehlwurmroulade und Grillenspiess und finden es «mega fein» und «total interessant im Geschmack».

Nach 20 Minuten habe ich mich endgültig überwunden und schaffe es, fast alles zu testen - abgesehen von den langen mit Schokolade überzogenen Würmer. Diese sehen für mich einfach zu sehr nach Tierspaghetti aus.

Fazit: Ich persönlich werde meinen Beitrag zu Tierhaltung und Umwelt auch in Zukunft dadurch leisten, dass ich den Konsum von tierischen Produkten so weit wie möglich drossle und absolut bereit bin, für Bio- und regionale Produkte mehr zu bezahlen. Wirklich schmackhaft fand ich die Insekten ehrlich gesagt nicht. Mit viel Sauce und Gewürzen waren sie zwar durchaus geniessbar, interessant, knackig, aber wirklich lecker schmeckt für mich anders. 

Was die Jungs von Essento vorhaben finde ich aber absolut unterstützensenswert und wer weiss - vielleicht werden Insekten auch bei uns wie Superfoods irgendwann einmal zum grossen Trend? Ich erfahre an diesem Lunch, dass Insekten bis zwölfmal weniger Futtermittel benötigen als die Tiere, die üblicherweise auf unseren Tellern landen. Zudem produziere ihre Zucht bis zu 100 Mal weniger Treibhausgase als die von Rindern. Mehlwürmer, Grillen und ihre Gspänli beinhalten ausserdem hochwertige Proteine, Vitamine und ungesättigte Fettsäuren.

Wenn Sie also einmal die Möglichkeit haben – probieren Sie die Dinger, vielleicht schmecken sie Ihnen ja besser als mir. Einer der Redner hat uns übrigens darauf aufmerksam gemacht, dass viele Asiaten es ja auch total ekelig fänden, dass wir die weisse Flüssigkeit trinken, die aus Kühen gesaugt wird. Wir lassen diese für Käse gären und manchmal sogar schimmeln! Wenn man sich das so überlegt - auch nicht gerade appetitlich, oder?

Im Dossier: Alle Beiträge von Foodbloggerin Zoe Torinesi