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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Mein Openair-Rucksack

Bloggerin Sarah Rüegger weiss, was ins Openair-Gepäck muss: das richtige Schuhwerk, nicht das teuerste Zelt und auch Kondome können nicht schaden.
Blog Sarah Rüegger Openair Gurten Tipps
© Sarah Rüegger

«Ich packe meinen Rucksack und nehme mit...»

Yes, es ist so weit! Mein erstes Festival diese Saison steht ins Haus! Gurten ist angesagt. Da die Deadline für meinen Blog aber leider mitten im Festival liegt, muss ich wohl oder übel die Berichterstattung zum Gurten auf nächste Woche verlegen. Da ich bereits vorletzte Woche mit Openair-Ratschlägen um mich geworfen habe, nehm ich mir nun halt raus, dieses Wochenende einfach damit fortzufahren.

Thema heute: Packen fürs Festival. Dabei beachte ich grundsätzlich immer eine Regel eisern: NIEMALS darf mein Festivalgepäck das Volumen meines uralten Deuter-Rucksacks übersteigen (Zelt und Schlafsack mal ausgenommen, aber nicht immer). Was den Deuter übersteigt, ist dekadent. Auch weigere ich mich seit bald 15 Jahren Festivalerfahrung unnötigen Seich wie Pavillons, Campingstühle etc. mitzuschleifen. Beim Gurtenfestival ist das ohnehin kein Thema ist, weil man da im Prinzip so ziemlich GAR NICHTS mitnehmen darf. Und da der Gurten nur eine halbe Stunde Busfahrt von meinem Zuhause weg liegt, stelle ich lediglich ein Notfallzelt (siehe vorletzter Blog) auf. Bei allen anderen Festivals nehmen meist ohnehin alle anderen Besucher so viel Zeugs mit, dass man sich locker bei den Zeltnachbaren mit in den Schatten setzen kann.

So oder so, diese Dinge müssen unbedingt ans Openair mit:

Behausung
Ob nun bloss Notfallzelt oder Zuhause für vier Tage: Niemals würde ich ein tolles, neues, teures und superkomfortables Zelt aus dem krassen Outdoorshop an ein Openair mitnehmen. Es wird reingestolpert, es werden Penisse draufgezeichnet, dauernd herrscht Brandlochgefahr, etliche leeren Bier oder klebriges Mixgetränk drüber, im schlimmsten Fall wird so ein Zelt gar angepisst oder aufgeschlitzt. Deshalb gilt, wie auch für Mätteli und Schlafsäcke: As cheap as possible. Alles was ausserhalb des Zelts liegt und nicht mit einem Hintern beschwert wird, gilt offenbar ohnehin als Allgemeingut und wird mitgenommen - ist mir letztes Jahr am Gampel mit einer ziemlich hübschen Picknickdecke passiert. Also, alles schön ins Zelt rein, wenn euch was daran liegt. Und nehmt bitte euer Zeug, so billig es auch war, doch einfach wieder mit. Schon nur, damit die Gratiszeitungen sich nicht schon wieder das Maul zerreissen können über die missratene, konsumverblödete Verschwender-Jugend.

Klamotten
Logisch, nackig geht am Openair zwar sicher eine Zeit gut, aber früher oder später wird sich wohl oder übel jemand belästigt fühlen, die 60er sind vorbei, Baby. Was ihr an Klamotten braucht, ist natürlich völlig euch überlassen. Denkt einfach daran: Auch wenn - wie an diesem Wochenende - Temperaturen weit über 30 Grad Celsius gemeldet sind: Um 4 Uhr morgens mit einem riesen Schlafdefizit wird euch sehr wahrscheinlich kalt sein. Eure Mama wird nicht da sein, um euch in eine Decke zu wickeln, also jammert nicht rum (will keiner hören) und zieht euch um Himmels Willen einen Pulli an.

Die Kopf-Dreifaltigkeit
Ob es schifft oder die Sonne brennt: Nehmt einen Hut mit. Vor allem wenn ihr dünnhaarige Blondies wie ich seid. Ein verbrannter Scheitelist nicht nur recht ungesund, sondern auch recht mühsam, denn wie kriege ich Après-Soleil auf meine Kopfhaut? Ebenfalls zu den unentbehrlichen Kopfbedeckungen - jedenfalls für Mädels - gehört irgendeine Art Bandana, Kopftuch oder sowas. Wenn der Hut nämlich nervt, lässt sich das verfilzte Nest auf dem Kopf mit einem Band ganz gut zähmen. Bei einem kühlen Openair muss eine Mütze mit. Finde ich.

Schuhe
Für mich gibt es, egal welche Temperaturen herrschen, nur einen Festivalschuh: Doc Martens. Dreck, Matsch, Staub, Scherben, noch brennende Zigis, Glace-Pfützen - mit Kampfstiefeln steigt man einfach unbeirrt drüber und gut ist. An den Konzerten können die andern ruhig beim Pogen auf meinen Füssen landen - steh ich drüber. Sandalen, Stoffschuhe und Ballerinas halte ich für absolut untauglich. Zudem überleben diese selten ein ganzes Openair, während ich meine Docs kurz abwasche und noch über viele, viele Jahre weiter trage.

Glitzerzeugs
Okay, ich bin ohnehin mit meinem Modelabel von Berufs wegen her eine Glitzertante. Daher find ich es extrem lustig, wenn ich mich und alle um mich rum für einmal hemmungslos mit Glitzer zukleistern kann. Ich meine: Wo sonst, wenn nicht am Festival? Dass manche sauer werden, weil sie fürchten, dass am Montag im Büro noch was davon übrig sein könnte, ist fast das Lustigste daran.

Kosmetik
Ob man nun Schminke an ein Openair mitnehmen möchte, oder nicht, ist mir eigentlich noch egal. Empfehlen kann ich hingegen dunklen Nagellack, jedenfalls bei Dauercampern mit schlechten Duschmöglichkeiten. Festival-Dreckränder unter den Nägeln sind mitunter wohl die hartnäckigsten, die ich kenne. Als hätte man einen Tag lang Kartoffeln mit den blossen Händen ausgegraben. Dunkler Nagellack überdeckt das Desaster. Fertig.

Gesundheitszeugs
Sonnencrème ist Pflicht. An Wochenenden wie diesen am besten Lichtschutzfaktor 50. Dass 30'000 Menschen Schatten finden, ist unmöglich. Zum Sonnenthema gehören auch nicht allzu teure Sonnenbrillen. Nicht zu teuer, weil sie jederzeit runterfallen und zertrampelt werden könnte oder sich garantiert irgendwann einer draufsetzen wird. Ich gehe an kein Openair ohne meine Stimmtabletten. Vier Tage laut sprechen, mitsingen, rauchen, trinken - es gibt kaum ein Festival, dass ich mit einer intakten Stimme hinter mich gebracht habe. Die Tabletten helfen wenigstens ein bisschen. Nach dem Openair herrscht Schweigepflicht. Wundsalbe, Pflaster - jedenfalls für alle, die ebensolche Tollpatsche wie ich sind. Kondome. Für alle Fälle. Man möchte ja schliesslich nur gute Erinnerungen mit nach Hause nehmen und keine ekligen Viren.

Portabler Akku
Die Akkuaufladestationen der Telekommunikations-Anbieter sind ja ganz nett, aber in Zeiten der iPhones auch hoffnungslos überfüllt. Letztens hab ich nun diese portablen Akkus (Powerbars) entdeckt und gebe ihnen mal eine Chance. Wir werden sehen.

Zu guter letzt: Sollte ein Gewässer oder eine Badi in der Nähe sein, nehmt doch einen Bikini mit. Ein Bad im nächsten Fluss ersetzt eine Dusche. Zudem kann ein Bikini auch bei der Katzenwäsche an einem Festival hilfreich sein. Und natürlich nehmt ihr eine Zahnbürste und sowas mit. Aber ich bin ja nicht eure Mama.

Viel Spass auf den Openairs dieser Welt!

Im Dossier: Alle «Stadt - Berg einfach»-Beiträge von Sarah Rüegger