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Asien machts vor

Gibt es in der Schweiz künftig Menstruationsurlaub?

In Asien können sich Frauen während ihrer Periode freistellen lassen. England testet das Modell ebenfalls und auch Italien sprach sich dafür aus. Dürfen sich auch Schweizer Frauen bald über frei Tage während der Tage freuen?

Menstruationsurlaub schweiz

Hat die Quälerei während der Periode schon bald ein Ende?

Getty Images

Am Morgen mit Unterleibskrämpfen aufwachen, im Wissen, dass im Büro eine vollgepackte Agenda auf einen wartet – dieses Szenario hat wohl jede Frau schon einmal erleben müssen. Schön ist das sicher nicht, aber deswegen zuhause bleiben? Das machen nur die Wenigsten. Wieso eigentlich? Bei einer Grippe oder Magenschmerzen bleiben wir doch auch im Bett.  

Dass Frauen sich für unangenehme Periodenschmerzen nicht schämen und zur Arbeit quälen müssen, fördert Japan bereits seit 1947. Seither ist es ihnen dort gesetzlich gestattet, bei zu grossen Schmerzen daheim zu bleiben. Auch andere asiatische Länder wie Indonesien, Taiwan oder Südkorea stellen weibliche Arbeitnehmer während ihrer Menstruation zwei bis drei Tage frei.

Europa versucht nachzuziehen

Bei dem englischen Unternehmen «CoExist» aus Bristol gab es europaweit die erste Mensfreistellung. Unter dem Namen «Period Leave» dürfen sich Frauen dort einmal pro Monat freinehmen. Gezahlt wird trotzdem. In Italien wurde 2017 Antrag auf einen solchen «Urlaub» gestellt. Der Versuch blieb allerdings erfolglos. Und auch Österreich liess den Arbeitgeberverband darüber abstimmen – knapp entschied man sich dagegen. Fakt ist: Europa kann sich offenbar nicht ganz entscheiden, zieht aber langsam nach, indem das vermeintliche Tabu-Thema Menstruation endlich diskutiert wird.

Die Schweiz hinkt hinterher

Hierzulande spalten sich die Gemüter ebenfalls. Eine Freistellung gibt es bis dato noch nicht. Dabei leiden 10 bis 15 Prozent aller Frauen unter Endometriose; einer Krankheit, die während der Periode besonders starke Schmerzen verursacht. Währenddessen neun Stunden im Büro zu hocken, ist für die meisten Betroffenen unvorstellbar. Die einzige Lösung: Sich krankschreiben lassen.

Aber wieso muss man sich in der Schweiz für so etwas noch beschämt im Büro abmelden? Auf der einen Seite stehen viele Feministinnen vor allem der Bezeichnung «Menstruationsurlaub» kritisch gegenüber. Verständlich, denn geniessen kann man die freien Tage mit krampfartigen Unterleibsschmerzen wohl eher weniger. Und auch Fredy Greuter vom Schweizerischen Arbeitgeberverband äusserte sich gegenüber der NZZ nicht besonders interessiert an der Idee: «Das konkrete Anliegen eines Menstruationsurlaubs prüfen wir nicht.»

Anders sieht es da bei Angela Pertinez von Terre des Femmes Schweiz aus. Sie hält eine Perioden-Freistellung für sinnvoll: «Menstruation ist nach wie vor ein Tabu. Daran müssen wir als Gesellschaft arbeiten.» Ähnlicher Meinung sind auch die Berner Jungsozialisten. So sagt Barbara Keller im Interview mit der NZZ: «Natürlich reicht es nicht, einfach einen Menstruationsurlaub einzuführen und zu hoffen, jetzt werde alles gut, aber mit dieser Forderung brechen wir ein Tabu».

Zeit wäre es allemal. Eine echte Aussicht auf eine Freistellung während der Periode gibt es für Schweizer Frauen allerdings vorerst nicht. 

Von Denise Kühn am 17. Mai 2019