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Endometriosis Awareness Week

So hilft die Expertin bei Endometriose

Endometriose bestimmt den Alltag vieler Frauen. Die Wucherungen rund um die Gebärmutter sind zwar meist gutartig, können aber extrem schmerzhaft sein. Endometriosis Care Nurse Melanie Vogt weiss, wovon ihre Patientinnen sprechen. Sie ist selber betroffen und berät Frauen in der gleichen Situation.

Frau und Bauch im Bett

Die oft schmerzhafte Frauenkrankheit Endometriose wird noch zu häufig als psychisches Problem abgetan. Die Awareness Week will das ändern. 

Getty Images/EyeEm

Style: Sie arbeiten als Endometriosis Care Nurse. Wie genau helfen Sie betroffenen Frauen?
Melanie Vogt: Ich betreue diese Patientinnen in Zusammenarbeit mit Ärztinnen der Praxis gynpoint in Zürich. Vor allem bin ich eine schnell erreichbare Anlaufstelle, da wir auch eine Hotline (079 260 70 12) betreiben. Unter dieser Nummer können alle Frauen Fragen stellen und erhalten sofort Beratung.

Weshalb ist es so wichtig, dass es schnell geht?
Als Selbstbetroffene weiss ich genau wie unangenehm es sein kann, wenn man zum Beispiel lange auf ein Rezept warten muss. Mir ist es daher wichtig, dass ich solche Anliegen direkt mit der Ärztin besprechen und somit die Wartezeit verringern kann – das wird von den Patientinnen sehr geschätzt.

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Sprechen Sie mit den Frauen auch über ihre eigene Geschichte?
Ja, klar. Wenn ich mit den Patientinnen über ihre Symptome spreche, wird natürlich auch meine eigene Geschichte und mein Verlauf zum Thema. Vielen kann ich auch die Angst nehmen, zum Beispiel wenn ich ihnen den Ablauf einer Laparoskopie, also einer Bauchspiegelung, genau erkläre. Entscheidungen fallen so leichter und oft höre ich, dass es den Frauen schon gut tut, jemanden zu haben, der sie versteht  – was ich natürlich tue.

Welches sind die häufigsten Probleme der betroffenen Frauen?
Viele Frauen rennen von Arzt zu Ärztin, zum Teil jahrelang. Sie wechseln und wechseln, in der Hoffnung endlich ernstgenommen zu werden und eine Therapie zu finden. Oft wird leider noch von vielen Ärzten gesagt, dass Periodenschmerzen normal sind. Die Frauen suchen dann einen psychischen Auslöser. Häufig bekommen sie auch den Rat, Stress zu reduzieren.

Was löst das in den Frauen aus?
Sie befinden sich in einem unendlichen Teufelskreis von Unverständnis, Angst, und Unwissenheit. Daher ist die Diagnose für viele eine Erleichterung. Du wissen, dass man sich diese Schmerzen nicht eingebildet hat und schwarz auf weiss zeigen kann: Ich bin normal, aber habe eine chronische Krankheit.

Sagt die Intensität der Schmerzen etwas über den Grad der Erkrankung aus?
Nein. Die Endometriose ist ein ziemliches Chamäleon in der Gynäkologie. Es gibt Frauen, die haben nie Symptome gehabt und bekommen die Diagnose zufällig, zum Beispiel bei einer laparoskopischen Kinderwunschabklärung. Andere haben enorme Schmerzen und keinen grossen Befall oder umgekehrt.

Wann (bei welchen Symptomen) sollte man sich an einen Arzt oder eine Ärztin wenden?
Auf jeden Fall sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn die Periodenschmerzen beginnen den Alltag einzuschränken, man nicht mehr vollständig am normalen Leben teilnehmen kann und wenn einige der oben genannten Symptome zutreffen. Meine Homepage www.endometriosevereinigung-schweiz.ch zeigt auch vieles davon auf.

Welche Rolle spielt die Ernährung?
Ein gesunder Lifestyle ist auf jeden Fall vorteilhaft. Einige Endometriosevereinigungen in Europa haben spezielle Ratgeber betreffend Endometriose und Ernährung erstellt. Wir in gynpoint unterstützen ein ganzheitliches Konzept, in welchem die Ernährung natürlich ebenfalls eine grosse Rolle spielt. Eine hormonfreundliche Ernährung soll zu einem ausgewogenen und hormonfreundlichen Nahrungsplan dienen.

Melanie Vogt, Endomeriosis Care Nurse

Melanie Vogt, Endomeriosis Care Nurse in der Zürcher Praxis gynpoint.

ZVG

Und diese erklären Sie in der Beratung?
Genau. Ich gebe auch Tipps über positiv beeinflussende Ernährung bei chronisch inflammatorischen Krankheiten. Wir arbeiten mit zwei Ernährungs-Choaches zusammen, welche beim ganzen Prozess Unterstützung und Begleitung anbieten, dies alles in Kooperation mit psychologischer Beratung, Yoga, Pilates, Physiotherapie und komplementärmedizinischer Körpertherapie.

Welchen Einfluss hat die Psyche auf Endometriose?
Ich selber konnte beobachten, dass meine Schmerzen bei depressiven Verstimmungen viel stärker sind – wer das Gate Control Konzept kennt und versteht, kann sich ein Bild davon machen. Eine positive Stimmung kann die Schmerzen durchaus positiv beeinflussen.

Leichter gesagt als getan …
Ja, das stimmt! Aber eine Therapie ist nichts, wofür man sich schämen muss. Es gibt auch sogenannte Gynopsychiaterinnen oder solche, die sich mit Endometriose gut auskennen. Denn häufig belastet das Thema nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Familie, Freunde oder die Arbeit. Und daher sind solche Gespräche, in denen man auch den Umgang zur Krankheit und Akzeptanz lernen kann, durchaus hilfreich.

Von lm am 06.03.2021
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