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Team Bauch

Meghan ist endlich sympathisch

Es gibt Kritikerinnen, die Meghan Markle ihr Lieb-Image nicht so ganz abkaufen. Doch jetzt hat die Herzogin gut Zusatzpunkte gescheffelt. Endlich wirkt sie wie von dieser Welt.

Herzogin Meghan Archie

Es gibt Kritikerinnen, die Meghan Markle ihr Lieb-Image nicht so ganz abkaufen. Doch jetzt hat die Herzogin gut Zusatzpunkte gescheffelt. Endlich wirkt sie wie von dieser Welt.

Getty Images

Jaja, Neid, Miesepeterin – alles schon gehört. Im Büro oder im Freundeskreis. Ich kann nichts dafür. Die Markle, die war mir jetzt halt nicht sooooooo spontan sympathisch wie offenbar den restlichen 98 Prozent der Menschen, die ich kenne. Da bin ich schwierig. Und nur, weil sie eine total schöne Hochzeit mit einem Ex-Bad-Boy-Prinzen gefeiert hatte und damit einen Märchentopos aus archaischen Zeiten zitierte, fall ich auch nicht gleich vom Stuhl.

Hätte sie doch echte Ecken und Kanten!

Sie war mir immer zu perfekt. Perfekter als Kate. Meine persönliche These: Mit Kate könnte man hinter verschlossenen Palastmauern sicher gut ein Fläschchen Wein schnappen. Meghan tischt in meiner (zugegeben durchaus blühenden Fantasie) eher Selleriestangen und Entgiftungssäfte auf. Auf mich wirkt bei Meghan alles kontrolliert und durchkomponiert. Ich wünschte, dass an all den Gerüchten, dass sie ein bisschen gemein ist und gar Streit mit der Schwägerin hat, etwas dran wäre. Damit hätte sie endlich die nötigen Ecken und Kanten, die ich an Menschen im Generellen schätze.

Dann kam das Kind. Baby Sussex nach Aussen, klein Archie in der Famiglia. Schon mal ihr erster Move: Sie hüpft nicht kaum entbunden vom Schragen auf und streckt ihr nur wenige Stunden altes Baby in die Weltöffentlichkeit. Ein paar fanden das bitchy. Die kontrollwahnsinnige Meghan stopft schon wieder eine Extrawurst, geht gar nicht. Seit da bin ich aber Team Meghan. Allenfalls habe ich erst übers Mütterliche mit dieser für mich fiktiven Person gebondet (selbstverständlich weiss ich, dass Meghan echt ist. Aber ich kenne sie nun mal nicht persönlich). Und diese fiktive Frau hat seit da endlich eine Storyline entfaltet (in ihrem Roman des Lebens – ein bisschen Pathetik sei mir hier gegönnt, danke), mit der ich etwas anfangen kann.

Gibts da was zu kaschieren?

Die Vorstellung, direkt nach der Geburt «putzt und gstrählet» vor Millionen von Menschen zu posieren, finde ich zutiefst befremdlich. Selbst wer noch kein Kind bekommen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie man sich danach fühlt. Es tut weh, man ist müde und man möchte vor allem zum dreihunderttrillionsten Mal in der privaten Abgeschiedenheit in diese kleinen Pausbäckchen stupsen oder «boah, sind diese Zehen klein» schreien – eben ohne dass Millionen Fremde daran teilnehmen. Ich war plötzlich an Bord. Team Meghan. Und dann setzt die sogar noch einen drauf.

 

Immerhin knapp zwei Tage nach der Geburt stellt sich Meghan der Presse. Natürlich sieht sie gut aus, hat die Haare gemacht und sich die vermutlich auch bei ihr vorhandenen Augenringe gut weg-concealert (warum auch nicht?). Aber: Sie betont mit ihrem Kleid den Bauch. Kaschiert nichts. Mit einem einzigen Auftritt hat sie Millionen von frischentbundenen Frauen auf der Welt gezeigt, dass dieser Post-Baby-Bauch kein Drama ist. Denn er ist einfach da. Er ist fast genauso gross wie mit Kind einfach in wabbliger. Gebärmütter funktionieren halt einfach nicht wie Luftballons. Was sich neun Monate lang aufgebaut hat, ist nicht ruckzuck wieder weg, als würde man die Luft rauslassen. Auch wenn das so manche Supermodels suggerieren – eine Schwangerschaft geht über den Daumen gepeilt so lange wie sie kommt. Und deshalb ist mir Meghan jetzt endlich sympathisch. Nicht nur, weil sie ihre Kugel stolz in die Öffentlichkeit streckt. Auch, weil sie für mich jetzt nicht mehr so fiktiv wirkt, weil auch sie sich gewissen biologischen Zusammenhängen unterzuordnen hat. Und: Sie lächelt auf dem ersten Familienbild endlich mit den Augen. Das mag ich. Da bin ich halt schwierig.

Von Bettina Bendiner am 9. Mai 2019