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Annet Berger: «Empathie ist meine Stärke als Unternehmerin»

Als Chefin von Linck Keramik behauptet sich Annet Berger in einer bedrängten Branche. Das tut sie mit viel Persönlichkeit, Mut und klaren Werten – und ist deshalb die erste von 12 Schweizer Unternehmerinnen, die uns im 2020 inspirieren.

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Annet Berger ist Inhaberin von Linck Keramik. Mit ihrem Mann und den zwei Söhnen lebt die gebürtige Bernerin in Zürich.

Marlies Seifert

Es braucht schon Mut, im Jahr 2011 eine Töpferei zu übernehmen. Schweizweit steht das traditionelle Handwerk unter Druck, Betriebe schliessen ihre Pforten, Brennöfen bleiben kalt. Annet Berger (44) hat sich trotzdem getraut. Nach vielen Jahren in der Innenarchitektur und einem Nachdiplomstudiengang in Design/Art und Innovation hält die gelernte Kauffrau die Keramikmanufaktur Linck in dritter Generation am Leben – und führt das Unternehmen mit einem Händlernetz von Zürich bis Miami in die Zukunft. In Worblaufen bei Bern werden die eleganten Entwürfe von Gründerin Margrit Linck bis heute manuell auf der Drehscheibe hergestellt.  

Was ist Annet Bergers Business-Philosophie? Trifft sie schwierige Entscheidungen im Kopf oder im Bauch? Und worauf ist sie besonders stolz? Wir haben der Unternehmerin und zweifachen Mutter 12 Fragen gestellt. 

1) Was ist das Mutigste, das du je getan hast?

Meinen ersten Sohn zu gebären. Dieses Gefühl, nicht zu wissen, was auf einen zukommt und einfach mal zu machen. Das hat viel Mut gekostet. Ein Kind zur Welt zu bringen und mit einem einem Kind zu leben, ist gleichzeitig das, was mich in der letzten Zeit am meisten verändert hat. 

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2) Dein Business-Baby ist Linck Keramik. Welche Grundsätze verfolgst du als Unternehmerin?

Verbundenheit, Liebe und Ehrlichkeit – dem Produkt, dem Team, dem Kunden und auch mir selber gegenüber. Wenn ich am Morgen in den Spiegel schaue, will ich hinter dem stehen können, was ich mache.

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Linck-Vasen schmücken auch Annet Bergers Zuhause.

Marlies Seifert

3) Wie kompromissbereit bist du?

In der Diskussion bin ich gerne offen und sammle Ideen. Ich möchte hören, was andere denken. Irgendwann will ich aber zu einem Punkt kommen und eine Entscheidung treffen. Ab diesem Moment bin ich nicht mehr sehr kompromissbereit, weil ich mir alles schon sehr genau überlegt habe.

4) Wie triffst du schwierige Entscheidungen?

Entscheidungen sind ein grosses Thema in meinem Leben. Ich habe sogar meine Diplomarbeit über die unterschiedliche Entscheidungsfindung von Männern und Frauen geschrieben. Ich tendiere dazu, viel zu viel nachzudenken und merke immer öfter, dass eigentlich der Bauch viel verlässlicher wäre als der Kopf. Trotzdem wäge ich ab, rede viel darüber, zeichne und schreibe. Grundsätzlich lande ich aber meistens dort, wo der Bauch schon war. Ein Prinzip, das ich aber immer beibehalte, ist, einmal drüber zu schlafen.

5) Welche Menschen inspirieren dich?

Als kleines Mädchen habe ich Macher und Architekten bewundert, meist Männerfiguren. Inzwischen inspirieren mich starke Frauen wie die Malerin Georgia O’Keeffe oder Berta Rahm, eine der ersten Schweizer Architektinnen. Mich interessieren Frauen, die ein profundes Interesse haben und diesem bis ins Kleinste nachgehen. Frauen, die vieles wissen und trotzdem suchen. Das gilt auch für Margrit Linck, die Gründerin von Linck Keramik. Wie man mir erzählt, war sie sehr offen, hatte viele Freunde. Das hat sie ausgemacht und das fasziniert mich auch an ihr. Ich überlege mir oft, was sie an meiner Stelle tun würde. Wie waren die Voraussetzungen damals? Wie sind sie heute? Was würde sie für zeitgemäss halten?

12 Frauen, 12 Fragen – in Partnerschaft mit Toyota Hybrid

Sie haben eine Vision, denken quer und scheuen sich nicht vor grossen Herausforderungen. 2020 stellen wir im Interview-Format «12 Frauen, 12 Fragen» jeden Monat eine erfolgreiche Unternehmerin in der Schweiz vor, die uns mit ihrer Power, Eigenständigkeit und Innovationsfreude inspiriert – Werte, denen sich auch Toyota mit seiner weltweit führenden Hybrid-Technologie verschrieben hat. 

6) Wann war ein Tag für dich erfolgreich? 

Wenn meine zwei Buben im Bett sind und schlafen, was nicht selbstverständlich ist. Und wenn ich mindestens einmal in mich hineingelächelt habe. Es kann etwas ganz Kleines sein, das mir Zufriedenheit bringt. Eine Begegnung. Oder eine Frage, die ich jemandem gestellt habe, und auf die ich eine spannende Antwort erhalten habe. 

7) Welche Eigenschaft ist deine Superpower?

Ich bin sehr empathisch, kann mich gut in andere hineinfühlen. Das kann eine Stärke sein, aber auch eine Schwäche, weil ich mich oft etwas verliere und nicht mehr unterscheiden kann zwischen Eigenem und Fremdem. Ausserdem bin ich geduldig und habe diese Zuversicht, dass schon alles seine Richtigkeit hat und so kommt, wie es soll.

«Wir geben uns oft viel zu selbstsicher und zu cool.» Annet Berger

8) Wann hast du das letzte Mal an dir gezweifelt?

Heute. Gestern. Vorgestern. Ich befinde mich oft im Zweifel. Aber das ist ein schöner Zustand. Wir geben uns oft viel zu selbstsicher und zu cool. Es gibt so viele Dinge, die mich verunsichern. Klimawandel und Konsum sind grosse Themen, die meine eigene Firma und unsere Produktion betreffen. Aber auch als Mutter und Familienmensch hinterfrage ich, wie wir mit dem Übermass und den Bedürfnissen umgehen. Sowieso bin ich durch Erziehungsfragen bescheidener geworden. Wir haben immer das Gefühl, alles wissen und erklären zu müssen. Dabei könnten wir auch einfach mal zuhören und fragen. Ich fände es schön, wären wir alle etwas weniger sicher und dafür offener und interessierter. 

9) Wie lädst du deine Batterien auf?

Meine Energie hole ich beim Spazieren – nicht zu verwechseln mit Joggen! Sei es beim Bummeln in einer Stadt oder beim Flanieren in der Natur. Mein Vater hat mir mal gesagt: Mit jedem Schritt ist der Gedanke schon etwas weiter vorangekommen. Ausserdem mache ich Yoga, das holt mich sehr auf den Boden. Und ich arbeite viel mit ätherischen Ölen. Die natürlichen Pflanzen gleichen mich sehr aus. Sie helfen mir, gute Energie aufzunehmen und schlechte loszuwerden.

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Yoga und ätherische Öle dienen der Unternehmerin als Ausgleich zum hektischen Alltag.

Marlies Seifert

10) Woran hast du gestern Nacht vor dem Einschlafen als Letztes gedacht? 

Ich habe mir überlegt, wie der Schnee riecht. Weil ich ihn wirklich vermisse. Sonst überlege ich mir jeweils recht banal, ob ich wohl gut schlafen kann und ob alles erledigt ist. Nur manchmal ist der Kopf beim Unternehmen. Meiner Gesundheit zuliebe habe ich gelernt, Geschäft und Privates zu trennen. Beim Runterkommen helfen mir auch wieder die ätherischen Öle, die ich in meinen Alltag integriert habe. Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen ist deshalb oft: Ist der Aroma-Diffuser an?

11) Was würdest du tun, wenn du jeden Tag eine Extrastunde zugute hättest?

Ich würde Ordnung schaffen. Mal eine Kiste hervornehmen und schauen, ob ich die Dinge darin noch brauche. Früher war ich in der Inneinrichtung tätig und habe Dinge immer mal wieder neu arrangiert. Das erdet mich wahnsinnig. Vielleicht weil es viele kleine Entscheidungen sind, die ich ganz in Ruhe und ganz bei mir treffe. Dafür bleibt im Moment zu wenig Zeit. Wenn die Kinder mal im Bett sind, ist es meist schon zu spät. 

12) Worauf bist du besonders stolz?

Auf meine Söhne und unser Familienleben. Das Leben in der heutigen Zeit ist eine Herausforderung, das Frausein auch. Ich bin stolz darauf, es gemeistert zu haben, ein Geschäft zu übernehmen und gleichzeitig dazu zwei Kinder grosszuziehen. 

am 30.01.2020
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