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«Frech wie Strassendreck»

Die eigenwillige Erziehung des Karl Lagerfeld

Heute vor einem Jahr starb Karl Lagerfeld. Sein Leben lang hatte der Designer eine gute Beziehung zu seiner Mutter. Elisabeth Lagerfelds Umgangston war zwar nicht herzlich, Küsse und Streicheleinheiten suchte man vergebens. Trotzdem hat sie einiges richtig gemacht.

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Unverwechselbar: Karl Lagerfeld blieb sich stets treu. Die Grundlage dafür wurde bereits in seiner Kindheit gelegt.

Getty Images

Liebe, Geborgenheit, Wärme – unsere Vorstellungen von Erziehung unterscheiden sich von den Methoden der 1930- und 40-er Jahre. Wenn Karl Lagerfeld über seine Mutter sprach, fielen diese Begriffe tatsächlich nie. Sie sei kühl, aber amüsant gewesen. Und dennoch: Das Verhältnis zwischen den beiden war sehr eng. Etwas muss sie also richtig gemacht haben.

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«Frech wie Strassendreck» sei sie gewesen: Elisabeth Lagerfeld.

Archiv Karl Lagerfeld
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  1. Talent erkennen: Als Elisabeth Lagerfeld merkte, dass ihr Sohn den ganzen Tag nur malt, war für sie klar, was sein Beruf werden würde. Die Bewerbung an der Kunstakademie wurde aber abgelehnt. Begründung: Karl interessiere sich gar nicht für Kunst, sondern für Mode. Tatsächlich war die Mappe voll mit Bildern von Menschen in hübschen Kleidern. Also ging sie mit dem 14-Jährigen in die Modehauptstadt Paris. Der Rest ist Geschichte. Was zeigt uns das? Sie erkannte die Talente ihres Sohnes und bestärkte ihn darin, sich mit dem zu beschäftigen, was ihn interessiert.
  2. Selbstbewusstsein stärken: Die Erhabenheit, mit der das Multitalent durchs Leben ging, sucht ihresgleichen. Er war sich selbst und nicht, wie die Leute ihn haben wollten. Wie er das von seiner Mutter lernen konnte? Indem sie selbst stets erhobenen Hauptes unterwegs war. Also dann: Weniger Selbstzweifel und mehr Stolz!
  3. Schlagfertig sein: Über seine Mutter sagte der Designer einmal, sie sei «frech wie Strassendreck» gewesen. Dagegen sei er sogar «bescheiden». Seine Sprüche und Antworten in Interviews sind legendär. Stets ehrlich und direkt wurde Karl Lagerfeld deswegen nicht weniger gemocht. Im Gegenteil: Jeder wusste, woran er bei ihm war.
  1. Auf Augenhöhe begegnen: Der junge Karl Lagerfeld mochte es gar nicht, Kind zu sein. Ihm kam entgegen, dass seine Mutter ihn von Anfang an nicht wie ein Baby behandelte, sondern auf Augenhöhe mit ihm kommunizierte. Natürlich muss man es nicht übertreiben, Kinder sind immer noch Kinder und es ist das 21. Jahrhundert. Aber ein bisschen weniger Verhätscheln, dafür mehr zutrauen – daran ist nichts verkehrt.
  2. Aus der Reihe tanzen: Auf dem Heimweg vom Schulzahnarzt begegneten Karl und seine Mutter einmal einem Lehrer. Dieser wies Elisabeth Lagerfeld an, ihrem Jüngling endlich die langen Haare abzuschneiden. Dies kam aber nicht in Frage. Stattdessen packte die Mutter den Schlips des Lehreres, knallte ihm diesen ins Gesicht und fragte: «Wieso? Sind sie noch Nazi?» Wow, wenn das mal keine Ansage ist. Und die langen Haare waren bis zum Schluss ein Lagerfeld-Markenzeichen.
Von Edita Dizdar am 27.02.2019
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