Frühgeborene sind kleine Kämpferinnen und Kämpfer, die direkt nach der Geburt verschiedene Herausforderungen meistern müssen. Anders als bei Babys, die um den errechneten Geburtstermin – oder zumindest nach der 37. Schwangerschaftswoche – zur Welt kommen, hatten ihre Organe nicht die Zeit, im Bauch der Mutter auszureifen und ihr Immunsystem ist noch nicht gestärkt. Deshalb benötigen sie oft eine intensive medizinische Betreuung. Viele Frühchen entwickeln sich denn auch etwas langsamer als andere Babys, holen aber relativ rasch auf und wachsen zu gesunden Kindern und Erwachsenen heran.
Eine neue Studie der Stanford University zeigt gemäss tagesschau.de, dass die Stimme der Mutter die Entwicklung der Frühchen fördern kann. Das Forschungsteam kam zum Schluss: Wenn Frühgeborene regelmässig die Stimme ihrer Mutter hören, hat dies einen Einfluss aufs Sprachzentrum im Gehirn.
Linke Gehirnhälfte stärker entwickelt
Embryos nehmen die Stimme ihrer Mutter schon früh als Schallwellen wahr. Ab der 26. Schwangerschaftswoche ist das Gehör so weit entwickelt, dass sie auch die Stimme anderer Bezugspersonen hören können. Kommt nun aber ein Baby zu früh auf die Welt, hört es diese vertrauten Geräusche weniger lang als Babys, die erst später geboren werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Stanford wollten deshalb wissen, welchen Einfluss die Stimme der Mutter auf die Gehirnentwicklung hat.
Um das zu untersuchen, teilten sie 46 Frühgeborene in zwei Gruppen ein. Der einen Gruppe wurde nachts stets eine Aufnahme abgespielt, in der die Mutter aus dem Kinderbuch «Paddington» vorliest. Der anderen Gruppe wurde keine Aufnahme abgespielt. Mit Hilfe von Hirnscans untersuchten die Forschenden dann, wie sich das Gehirn der 46 Frühchen entwickelt hat. Dabei zeigte sich, dass sich bei den Babys, die nachts die Stimme ihrer Mutter hörten, die linke Gehirnhälfte, die für das Verarbeiten von Sprache zuständig ist, stärker entwickelt hat. Das heisst, wenn Babys regelmässig die Stimme der Mutter hören, könnte das ihre Sprachfähigkeit fördern. Die Kinderärztin Melissa Scala, die an der Studie beteiligt war, sagt gemäss einer Medienmitteilung, es sei beeindruckend, «dass etwas so Kleines, offenbar einen solch grossen Einfluss haben kann.»
Auch Musiktherapie hilft
Doch nicht nur die Stimme der Mutter kann einen positiven Effekt auf die Entwicklung von Frühchen haben: Auch Musiktherapie ist förderlich. Zu diesem Schluss kamen Forschende des Universitätsklinikums Essen im Juli 2024. Ihre Studienergebnisse zeigen, dass Musiktherapie den Aufbau der weissen Substanz im Gehirn der Frühchen verbessert. Ist mehr davon vorhanden, sind die Gehirnzellen besser miteinander verknüpft. Zudem steigere Musiktherapie das Wohlbefinden der Frühgeborenen, da sie Stress senken und die Atem- und Herzfrequenz stabilisieren kann.
