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  4. Schlechter Einfluss: Was können Eltern tun, wenn sie die Freunde ihrer Kinder nicht mögen?
Wenn Eltern sich wegen falschen Freunden sorgen

«Die Wahl der Freunde ist Sache der Kinder»

Wenig ängstigt Eltern so sehr, wie wenn die eigenen Kinder vermeintlich falsche Freunde haben. Peter Sumpf vom Elternnotruf verrät, was wir in solchen Situationen tun können – und wann Zurückhaltung gefragt ist.

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freche kinder

Zusammen sind Kinder oft noch viel frecher, als eh schon. 

Getty Images

Sie fluchen, sind frech oder gar kriminell: Manch Freunde unserer Kinder sind der Horror. Herr Sumpf, erhalten Sie viele besorgte Anrufe von Eltern?
Ja, es ist ein regelmässiges Thema beim Elternnotruf. Häufig geht es dabei um Jugendliche und ihre Freunde, aber es melden sich auch Eltern kleinerer Kinder.

Welche Situationen beschreiben die Eltern?
Bei den Jugendlichen ist es oft so, dass bisher «brave, nette, gute» Kinder durch einen Freund oder Freunde in Konflikt mit ihren Eltern geraten. Dabei spielen oft Drogen und Alkohol eine Rolle. Bei den Kleinen geht es häufig darum, dass Eltern mitbekommen, wie die Kinder bei ihren Freunden daheim Dinge machen, die zu Hause eigentlich nicht erlaubt sind, wie zum Beispiel übermässiger Medienkonsum. 

Können Eltern nicht einfach den Umgang mit diesen Freunden verbieten?
Bei kleinen Kindern mag das noch klappen. Je älter das Kind aber ist, desto schwieriger wird es, ein Kontaktverbot durchzuziehen. Generell rate ich dazu, nichts zu verbieten, was Sie nicht auch konsequent überprüfen können. Statt den Umgang mit einem Freund, der kifft per se zu verbieten, könnten Sie eher sagen «Ich möchte nicht, dass du zu Hause kiffst oder Gras mit nach Hause bringst.» Was das Kind ausserhalb des Daheims macht, können Sie schlecht kontrollieren.

«Achten Sie darauf, dass Sie nicht die Freunde schlecht reden, sondern lediglich deren Verhalten kritisieren.»

Peter Sumpf, Leiter Elternnotruf

Welche Möglichkeiten gibt es stattdessen?
Geben Sie Empfehlungen ab. Kinder und Jugendliche dürfen ruhig wissen, was die Eltern tolerieren und was nicht. Ihr Wertesystem müssen Sie aber erst noch entwickeln, und Sie als Erwachsene können ihnen dabei helfen indem Sie in regelmässigem Austausch bleiben. Achten Sie dabei darauf, dass Sie nicht die Freunde als Ganzes schlecht reden, sondern lediglich deren Verhalten kritisieren.

Was kann man tun, wenn zum Beispiel der Fünfjährige von einem älteren Mitschüler fasziniert ist, der frech ist und stiehlt?
Sprechen Sie mit Ihrem Kind und finden Sie heraus, was ihn am Verhalten des Freundes so anzieht. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind erklären, warum Sie ein solches Verhalten nicht gutheissen können, warum Stehlen schlecht ist. Sie könnten auch den älteren Jungen, der für das jüngere Kind eine Art Vorbild ist, und seine Eltern darauf ansprechen und klar kommunizieren, wenn Sie persönliche Grenzen überschritten sehen.

Versteht ein Kind überhaupt, was schlechter Einfluss bedeutet?
Für Kinder ist ein Verhalten nicht per se schlecht, sondern vielmehr interessant, lustig oder spannend. Vielleicht mag Ihr Kind Räubergeschichten und stehlen hat in seiner Auffassung mit Abenteuern zu tun und nicht mit etwas Illegalem. Darum ist es wichtig zu erklären, welches Verhalten für Sie als Eltern negativ ist und sie nicht akzeptieren.

Zur Person

peter sumpf
ZVG

Peter Sumpf ist diplomierter Sozialarbeiter, Paar- und Familienberater und Geschäftsleiter des Elternnotrufs. 

Die Beratungsstelle ist 24 Stunden am Tag erreichbar und bietet professionelle Hilfe von Fachpersonen für Eltern, Familien und Bezugspersonen.

Telefon: 0848 35 45 55 (Festnetz-Ortstarif)
Mail: 24h@elternnotruf.ch
www.elternnotruf.ch

Und was tue ich, wenn ich gewisse Freunde einfach nicht akzeptieren kann, etwa weil mein Bauchgefühl schlecht ist?
Es ist ganz normal, dass Kinder auch Freunde haben, welche den Eltern vielleicht nicht so sympathisch sind. Nichts gegen Bauchgefühle, aber die Wahl der Freunde ist vor allem die Sache der Kinder. Hinterfragen Sie sich, was der Grund für die Abneigung ist. Es ist nicht an Ihnen, Freundschaften gutzuheissen, aber es ist an Ihnen, Handlungen nicht zu tolerieren. Bleiben Sie an Ihrem Kind dran, tauschen Sie sich aus. Und holen Sie sich Hilfe, wenn die Konflikte bestehen bleiben und sie nicht mehr zurechtkommen.

Wir alle kennen den Reiz des Verbotenen. Wie schaffe ich es, die falschen Freunde für mein Kind nicht noch anziehender zu machen?
Dämonisieren Sie den Freund oder die Freundin nicht. Kreieren Sie keine Loyalitätsfrage und keinen Romeo und Julia-Konflikt. Bleiben Sie stattdessen entspannt und sagen Sie, welches Verhalten Sie akzeptieren und was Sie nicht möchten.

Wie verhalte ich mich, wenn es andersherum ist und mir gesagt wird, dass mein Kind der Tunichtgut sei?
Feedback zum eigenen Kind kann sehr wertvoll sein. Auch hier rate ich wieder, mit dem Kind zu sprechen und zu fragen, was es denn mit diesem Verhalten auf sich hat, wie es entsteht, warum es sich so verhält. Hier sind wir wieder bei der Frage nach den Werten. Wichtig dabei ist, dass Sie versuchen, auf Augenhöhe mit Ihrem Kind zu kommunizieren.

Von Edita Dizdar am 15. Juni 2020 - 06:39 Uhr