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Missbrauch im Sportverein

Diese drei Warnsignale sollten Eltern ernst nehmen

Missbrauch, ob sexueller oder psychischer Natur, macht vielen Eltern Angst. Er ist schwer zu erkennen und noch schwerer zu beweisen. Eine Expertin zählt drei Anzeichen auf, die Eltern ernst nehmen sollten. Und erklärt, was zu tun ist, wenn ein Verdacht besteht.

Girl gymnast trains in the gym

Neu im Fokus der Missbrauchs-Beratungsstellen: Sportvereine.

Getty Images

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsvorwürfe junger Ex-Kaderturnerinnen am Nationalen Sportzentrum in Magglingen BE fragen sich viele Eltern: Würden wir erkennen, wenn unser Kind von Missbrauch betroffen ist?

Petra Schneider, Beraterin 147.ch und der Elternberatung von Pro Juventute sagt, dass Missbrauch oft schwer zu erkennen sei. «Es gibt allerdings drei Anzeichen, die auf Missbrauch hindeuten könnten, bei denen Eltern aufhorchen und genauer hinschauen sollten.»

1. Körperliche Symptome

Gerade jüngere Kinder (bis ca. 10 Jahre) äussern Belastungen oft durch körperliche Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. In diesem Fall mache es sicher Sinn, eine physische Ursache abklären zu lassen. «Aber gerade bei anhaltenden Symptomen, sollten Eltern auch anderen Gründen für die Beschwerden suchen», so Petra Schneider.

«Als erstes sollte man das Gespräch mit dem Kind suchen. Bei jüngeren Kindern ist das gar nicht so einfach. Da sie sich noch nicht so gezielt ausdrücken können, braucht man Geduld und Einfühlungsvermögen.» Wichtig sei es, das Kind aus der Situation zu nehmen, also beispielsweise nicht mehr in den Verein zu schicken, wenn es danach verlange oder man auch nur einen vagen einen Verdacht hege. «Im Zweifelsfalle sollte man immer für das Kind entscheiden!»

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2. Veränderung der Persönlichkeit

Ein plötzliches aggressives oder destruktives Verhalten kann ein Anzeichen für eine psychische Belastung sein.. «Allgemein kann man sagen, dass eine Veränderung des Verhaltens oder des Wesens eines Kindes immer als Alarmzeichen ernstgenommen werden sollte», so Schneider. Verhält sich ein Teenager in einem Sinne auffällig, der nicht mehr als normales pubertäres Verhalten gewertet werden kann, sollten Eltern das Gespräch suchen. Oder sich Hilfe bei Experten holen - zum Beispiel bei der Elternberatung von Pro Juventute.

3. Rückzug

Missbrauch kann sich auch in Traurigkeit oder Energieverlust äussern. Die depressive Verstimmung kann bis hin zu Suizidgedanken führen. «Wenn das Kind immer schon introvertiert war, ist es wahrscheinlich normal, dass sich diese Tendenz in den Teenagerjahren noch etwas verstärkt», sagt Schneider. Veränderungen der Psyche seien immer in Relation zum Charakter des Kindes zu sehen. Allerding sei ein starker Rückzug mit depressiver Verstimmung ein klares Alarmsignal, dem man als Elternteil auf den Grund gehen sollte.

Verdacht auf Missbrauch: So reagiert ihr richtig!

Gerade wenn es in Richtung Missbrauch geht, sei es psychisch oder sexuell, sollten Eltern unbedingt eine unbedachte Reaktion vermeiden. «Schnellschüsse, Konfrontationen oder Beschuldigungen bringen nichts.» Viel sinnvoller sei es, das Kind sofort aus der Situation zu nehmen, um es zu schützen. Und als nächsten Schritt eine Opferberatungsstelle zu kontaktieren. «Diese sind darauf spezialisiert, wie man in einem Verdachtsfall korrekt vorgeht.»

So könnt ihr Pro Juventute kontaktieren

Kinder und Jugendliche können sich mit allen Sorgen und Fragen an 147.ch wenden. Für Eltern ist die Elternberatung von Pro Juventute rund um die Uhr und kostenlos da. Bei Verdacht auf Missbrauch empfehlen wir den Eltern, sich bei einer Opferberatungsstelle zu melden, um weitere Schritte mit einer Fachperson zu besprechen.

Von Sylvie Kempa am 29.11.2020
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