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  4. Kinderkostüm: Politisch korrekte Indianer, Cowboys und Ritter an der Fasnacht

Fasnacht in Kita, Kindergarten und Schule

Dürfen sich Kinder noch als Cowboys verkleiden?

Sie wollen Indianer sein oder als Cowboys verkleidet mit Spielzeugwaffen herumballern: Kinder und Fasnacht ist heute ein emotionales Thema. Wir verraten euch, was ein Experte zur politischen Korrektheit bei der Kostümwahl sagt.

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Gehen diese Verkleidungen zu weit? Cowboys und Indianerinnen haben heute einen schweren Stand.

Getty Images

Die Fasnachtszeit ist für viele Eltern eine nervenaufreibende Sache. Einerseits, weil die Nerds unter uns bis tief in die Nacht hinein noch an den Kostümen basteln, andererseits, weil oft schon die Wahl des Kostüms zu Tränen führt. Während viele Mädchen zum Leidwesen ihrer Eltern Feen und Prinzessinnen sein wollen, schreien die Jungen nach Spielzeugpistolen und -Schwertern. 

Kombiniert man das alles mit Kitas, Kindergärten und Schulen, die – im Sinne der politischen Korrektheit – keine Verkleidungen mit Gewalt- oder Diskriminierungs-Potential mehr dulden, entsteht eine komplizierte Situation.

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Die Kinder sollen ihr Kostüm selber aussuchen

Pädagoge, sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeut Wolfgang Oelsner hält diese Entwicklung für keine gute Idee. Im Interview mit dem «Spiegel» sagte er: «Rollen spielen – das ist für Kinder nicht nur Spass, es ist Notwendigkeit. Es gehört zur spielerischen Aneignung der Welt.» Es sei gut, die Kinder selbst aussuchen zu lassen, welches Kostüm sie tragen wollen, sagt er.

Der 71-Jährige, der nebenberuflich Brauchtumsforscher und Träger des Kulturpreises der deutschen Fastnacht ist, sieht in einem Indianerkostüm keine Diskriminierung. «Ich würde das laufen lassen, mit allem Indianergeheul. Das Thema indigene Völker kann man später thematisieren.»

Er versteht auch den Reiz, gruselige Figuren wie Vampire oder Geister zu verkörpern. Es gehe darum, dass KInder so dem Bösen den Schrecken nehmen: «Ich drehe den Spiess um: Du sollst jetzt Angst vor mir haben.»

«Niemand wird ein schlechter Mensch, weil er in der Kita als Cowboy mit seinem Spielzeug-Revolver geschossen hat.»

Wolfgang Oelsner, Kinder- und Jugendpsychologe

Warum allerdings vor allem die Jungen stark und gruselig sein wollen, die Mädchen aber Prinzessinnen, weiss Oelsner nicht. «Tja, wie viel ist Zuschreibung, wie viel ist angeboren? Wenn wir das beantworten könnten, hätten wir den Nobelpreis sicher. Auf jeden Fall gibt die Verkleidung die Chance, alternatives Verhalten zu üben. Dies gelte auch für Spielzeugwaffen, denn da stecke ja das Wort «Spiel» drin: «Niemand wird ein schlechter Mensch, weil er in der Kita als Cowboy mit seinem Spielzeug-Revolver geschossen hat.»

Von edi am 10.02.2020
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