1. Home
  2. Family
  3. Alltag
  4. Zecken: Wichtige Tipps um Kinder zu schützen

Zeckenalarm

Dürfen wir Kinder durch die Wiese laufen lassen?

Die Frühlingssonne lockt uns wieder nach draussen in die Natur, und gerade Kinder lieben es, barfuss durch die Wiesen zu hüpfen. Dürfen sie das noch oder sollten wir sie besser vor Zecken schützen? Wir haben bei der Expertin im Ostschweizer Kinderspital nachgefragt.

Zeckenalarm beim Spielen in der Natur

Lässt ihr eure Kinder noch barfuss in die Natur oder ist die Angst vor Zeckenstichen zu gross?

Getty Images

Schuhe aus, Socken ab, Hosen hochkrempeln und ab in die duftende Blumenwiese! Herrlich, wie die Grashalme die blutten Füsse kitzeln! Und wie die Kinder Spass haben, darin herumzutollen. Doch manch einem Papi oder Mami wird etwas flau im Magen beim Gedanken daran, dass es in der Wiese auch fiese kleine Zecken hat, die ihre Chance packen und genau ihr Kind stechen könnten. Und dabei – im schlimmsten Fall – Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen.

«Am meisten Zecken hat es in Gebüschen, Wiesen, an Waldrändern und im Unterholz der Wälder, bis etwa auf Kniehöhe», sagt Dr. med. Anita Niederer-Loher, Oberärztin mbF Infektiologie/ Spitalhygiene am Ostschweizer Kinderspital und Kantonsspital St. Gallen. Also genau da, wo sich kleine Kinder aufhalten. Eine Infektion mit dem FSME-Virus kann zur Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer Gehirnhaut- und/ oder Gehirnentzündung, führen. «Viel häufiger jedoch haben die Betroffenen Fieber und fühlen sich etwas krank, die wenigsten erleiden einen Hirnhautbefall», sagt die Expertin. Und das beste: Man kann sich und seine Kinder durch eine Impfung vor diesen Viren schützen. In der Schweiz wird die Zeckenimpfung ab sechs Jahren empfohlen. «Bei Kindern, die sich viel in der Natur aufhalten, kann man sie auch schon früher machen lassen», sagt Anita Niederer. «Je jünger ein Kind, desto weniger schwer sind meistens die Folgen einer Infektion mit FSME-Viren. Bei Erwachsenen ist die Gefahr von bleibenden Schäden viel höher.»

Biss oder Stich?

Stechen oder beissen Zecken ihre Opfer? «Sie stechen», erklärt Dr. med. Anita Niederer-Loher, Oberärztin mbF Infektiologie/ Spitalhygiene am Ostschweizer Kinderspital und Kantonsspital St. Gallen. «Aber zuerst bereiten sie die ausgewählte Hautpartie vor, indem sie sie mit ihren Mundwerkzeugen betäuben.» Das hat den Vorteil, dass der Stich nicht pikst – aber den Nachteil, dass man erst mit etwas Verzögerung merkt, dass man gestochen wurde.

Einer Borreliose hingegen kann man nicht mit einer Impfung vorbeugen. Die Bakterien können Organe wie die Haut, die Gelenke, das Nervensystem und selten das Herz angreifen. Antibiotika wirken dagegen, vor allem, wenn die Ansteckung genug früh erkannt wird. Weil die Borreliose-Bakterien aus dem Darm der Zecke kommen, dauert die Übertragung länger als jene von FSME-Viren. So bleibt nach dem Spielen in der Natur noch etwas Zeit, die Kinder nach Zecken abzusuchen: «Stellen sie sie unter die Dusche und untersuchen sie sie gründlich vor allem dort, wo es Haare hat oder die Haut eher dünn ist: hinter den Ohren, am Haaransatz, in der Leistengegend, in den Kniebeugen, in den Achselhöhlen, zwischen den Pobacken», sagt Anita Niederer. «Die beste Prävention ist jedoch, gar keinen Zeckenstich zu bekommen», sagt die Oberärztin.

Die wichtigsten Tipps für den Schutz vor Zecken

  • Kleider sind der beste Schutz: lange Kleider tragen, die Hosen in die Socken stopfen.
  • Vor allem die unteren Extremitäten und behaarte Stellen schützen > Haare zum Beispiel mit Hut oder Kopftuch schützen.
  • Sprays halten Zecken ab, wirken aber oft nicht sehr lang, weil sie durch Reibung und Schwitzen von der Haut entfernt werden.
  • Die «Zeckenimpfung» (FSME-Impfung) optimiert den Schutz vor FSME-Viren.

Allgemein dürfe man die Zeckenpanik ruhig etwas relativieren, meint die Expertin. Zwar hätten die FSME-Fälle tatsächlich etwas zugenommen: 2013 waren es 203 Fälle, im vergangenen Jahr 375. Das sind jedoch verschwindend wenig Fälle, wenn man bedenkt, wie viele Leute sich täglich draussen bewegen. Und dies hoffentlich auch weiter tun werden. Auf keinen Fall soll man die Kinder aus Angst vor Zeckenstichen vom Spielen in der Natur abhalten. «Das wäre ein riesiger Verlust», sagt Dr. med. Anita Niederer, «die Kinder sollen unbedingt durch Wiese und Wald tollen dürfen, sonst verpassen sie viel zu viel.» 

Ein Team der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat die App «Zecke» entwickelt. Sie informiert über das richtige Verhalten bei einem Zeckenstich sowie das aktuelle Zecken-Gefahrenpotenzial im Gelände. https://www.zhaw.ch/de/lsfm/dienstleistung/institut-fuer-umwelt-und-natuerliche-ressourcen/zecken/app-zecke/

Von Christa Hürlimann am 26. Mai 2019