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Erstgeborene, Sandwichkinder und Nesthäkchen

Das verrät die Geburtsfolge über Geschwister

Der oder die Erstgeborene lernt früh, Verantwortung zu übernehmen, das Sandwich-Kind kommt ständig zu kurz und das Jüngste wird nach Strich und Faden verwöhnt – so lauten die gängigen Vorurteile. Wir nehmen sie genauer unter die Lupe und zeigen auf, wie Eltern ihre Kinder individuell unterstützen können.

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Geschwister

Ob sie als erstes, mittleres oder jüngstes Kind zur Welt kommen, kann den Charakter von Kindern prägen.

Getty Images/Tetra images RF

Bevor sie ihre ersten Sätze sagen, werden viele Kinder schon mit Vorurteilen konfrontiert. Und zwar aufgrund ihrer Position in der Geschwisterkonstellation. So gelten etwa die Erstgeborenen generell als gewissenhaft, die Sandwichkinder als diplomatisch und die Nesthäkchen als unselbständig. Doch kann man wirklich von der Geburtsfolge auf den Charakter schliessen? Und welche Vor- und Nachteile haben Kinder je nach ihrer Position unter den Geschwistern?

Das Erstgeborene

Das erstgeborene Kind geniesst die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern. Seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt, jeder Entwicklungsschritt wird genau beobachtet und bejubelt. Meist ist es zumindest in den ersten Monaten hauptsächlich von Erwachsenen umgeben. Sie dienen als Vorbilder, denen es nachzueifern gilt. Studien zeigen auf, dass Erstgeborene wohl aus diesem Grund früher zu laufen und sprechen beginnen, als ihre jüngeren Geschwister. Gemäss swissmom.ch nehmen sie später auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine verantwortungsvolle Position im Berufsleben ein. Das Klischee des verantwortungsbewussten und gewissenhaften Erstgeborenen ist also nicht bloss aus der Luft gegriffen.

Oft entwickeln sie auch einen starken Perfektionismus. Einerseits, weil sie zu Beginn so stark im Fokus der Eltern stehen, andererseits, weil später – wenn Geschwister zur Welt kommen – von ihnen plötzlich ein hohes Mass an Selbständigkeit erwartet wird. Das Erstgeborene sollte ein Vorbild für die Kleinen sein und wird häufig in deren Betreuung eingespannt.

Eltern können ihren Ältesten das Leben einfacher machen, indem sie diese gut auf die Geburt der Geschwister vorbereiten und sich auch nach der Geburt des zweiten Kindes ab und an exklusive Zeit für das Erstgeborene freischaufeln. Achtet später zudem darauf, dem Ältesten nicht zu viele Aufgaben aufzubürden und ihm zu zeigen, dass es okay ist, Fehler zu machen. Ihr könnt dabei ein Vorbild sein, indem ihr selbst zu euren Fehlern steht und offen über Herausforderungen und Probleme sprecht. So lernt das Kind, sich später nicht zu viel Druck zu machen und sich von fremden Erwartungen abzugrenzen.

Das Sandwichkind

Die Rolle des Sandwichkindes scheint eine undankbare zu sein: Oben das ältere Geschwister, das schon mehr kann und darf und oft das Alpha-Tier unter den Geschwistern ist, unten das Nesthäkchen, das verhätschelt wird. Es gibt tatsächlich mittlere Kinder, die sich zwischen den Geschwistern eingezwängt oder gar überflüssig fühlen. Aber das muss absolut nicht sein und hängt auch stark von den jeweiligen Altersabständen, den Geschlechtern der Geschwister und den individuellen Situationen in den Familien ab.

Das mittlere Kind zu sein, kann sogar Vorteile haben. Ihnen wird nämlich viel seltener ein Stempel aufgedrückt. Zudem lernen sie, mit älteren und jüngeren Kindern umzugehen. Ihnen werden deshalb gute diplomatische Fähigkeiten und eine hohe Sozialkompetenz zugeschrieben. Da ein Grossteil der Verantwortung stets den Erstgeborenen übertragen wird, stehen sie in der Kindheit zudem weniger unter Druck und geniessen oft mehr Freiheiten.

Wichtig für Eltern ist es, sich genügend Zeit für die Anliegen der Mittleren zu nehmen. Diese können durch die immer neuen An- und Herausforderungen der älteren Kinder und dem Bedürfnis nach Betreuung der jüngeren Kinder tatsächlich rasch in den Hintergrund rücken. Schenkt auch den Erfolgen der Sandwichkinder genügend Beachtung – obwohl ihr mit den Erstgeborenen alles schon einmal durchgespielt habt. Vermeidet zudem Vergleiche mit dem älteren Geschwister, wenn mal etwas nicht auf Anhieb klappt.

Das Nesthäkchen

Das jüngste Kind in der Familie hat den Klischees zufolge das grosse Los gezogen: Es muss nicht um seine Freiheiten kämpfen, weil die älteren Geschwister den Weg bereits geebnet haben und wird sowieso von allen Seiten verwöhnt. Probleme und anspruchsvolle Aufgaben werden ihm abgenommen, weil es schliesslich der oder die Kleine ist. 

Doch ganz so einfach ist es nicht: Werden die Jüngsten tatsächlich von den Eltern verhätschelt, dann bekommen sie rasch die Eifersucht der älteren Geschwister zu spüren. Oft haben diese auch nur wenig Lust, auf die jüngeren aufzupassen oder sie womöglich irgendwohin mitzunehmen. In Bezug auf die Eltern besteht wiederum die Gefahr, dass sie die Jüngsten nie so richtig loslassen möchten. 

Positiv für die Entwicklung ist es, dass Nesthäkchen früh lernen, sich zu behaupten. Das stärkt das Selbstvertrauen. Eltern sollten bei der Erziehung jedoch darauf achten, den Jüngsten nicht alles durchgehen zu lassen – auch wenn sie bei den älteren Kindern sahen, dass schon alles gut kommt. Auch Nesthäkchen brauchen Grenzen. Übertragt zudem nicht alle anspruchsvolleren Aufgaben im Haushalt den älteren Geschwister. Traut auch den Kleinen etwas zu und fördert ihre Selbständigkeit.

Von fei am 11. Oktober 2022 - 17:23 Uhr