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Plädoyer für Humor in der Erziehung:

So gelingt es uns 2023, mehr mit unseren Kindern zu lachen

Gemeinsames Lachen stärkt die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Es ist gesund und fördert die kleinkindliche Entwicklung. Nur, wie schafft man das im manchmal stressigen, manchmal zermürbenden Familienalltag?

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USA, Massachusetts

Situationskomik erkennen und so stressige Situationen in etwas Gutes verwandeln: Das ist die erzieherische Königsdisziplin!

Getty Images/Cavan Images RF

Sitzen zwei Mütter zusammen im Café, sagt die eine zur anderen: «Neulich beim Backen hat mein Sohn den halben Sack Mehl ausgeschüttet ...» So beginnen viele Witze. Nach dem ersten Satz folgt eine Pointe, ob der man sich kringelig lacht. Aber unsere Geschichte geht anders weiter: «Ich hab mich tierisch genervt», hängt die erzählende Mutter an. 

Die kleine Geschichte mit dem Sack Mehl ist tatsächlich passiert – in verschiedenen Ausführungen wohl schon milliardenfach. Immer wieder reagieren Eltern ungehalten, genervt oder tadelnd auf ihre Kinder, wenn es eigentlich auch anders ginge. «Ich hätte genau so gut loslachen können», sagt die backende Mutter im Nachhinein. «Es sah eigentlich ganz lustig aus, wie mein Sohn so eingestaubt dastand.»

Der Humor kommt den besten Eltern abhanden

Kinder sind eigentlich unglaublich lustig. Das ist eine Tatsache (lest dazu: «Die lustigsten Sprüche, die wir je von Kindern gehört haben»). Fakt ist jedoch auch, dass im Elternalltag vielen Mamas und Papas zwischendurch der Humor abhanden kommt.

Kinder weigern sich, ihre Zähne zu putzen. Kinder nörgeln übers Essen. Kinder verschütten, verlegen und verlieren alles Mögliche. Kinder hören nicht. Kinder weigern sich. Kinder langweilen sich. Kinder loten Grenzen aus. Kinder sind laut... das ist alles ganz normaler, zermürbender, unlustiger Elternalltag. Da vergeht fast allen Mamas und Papas irgendwann einmal das Lachen. 

Und plötzlich findet man sich an einem Punkt wieder, an dem man «mehr Lachen» auf die Liste der guten Vorsätze fürs nächste Jahr setzt. Wer – fragt man sich – ist diese Person im Spiegel mit den hängenden Mundwinkeln und der Zornesfalte? Und wie – fragt an sich – bin ich hier gelandet?

Das steckt hinter dem Verlust des Humors

Um zurück zu mehr Humor in der Erziehung zu finden, muss man erst einmal verstehen, wo einem das Lachen abhanden gekommen ist. «Hinter dieser Entwicklung steckt  eigentlich immer Stress. Stress, der durch hohe Erwartungen, Schlafmangel oder Zeitdruck entsteht», überlegt die backende Mutter beim Gespräch im Café. Stimmt. Steht man beispielsweise unter Zeitdruck, sieht man anstelle eines süssen Tollpatschs voller Mehl plötzlich nur noch den Putzaufwand, den das kleine Malheur bedeutet. Und man reagiert entsprechend. 

So finden wir zurück zum Humor in der Erziehung

Um schmunzeln zu können, anstatt schimpfen zu müssen, gilt es also, den elterlichen Stress loszuwerden. Oder, um es mit den Worten unserer Familien-Kolumnistin Sandra C. zu sagen: «Humor ist, wenn man trotzdem lacht.» Das gelingt mit ein paar einfachen Hacks, die keine besonderen Fähigkeiten erfordern und die man sich einfach antrainieren kann. 

Happy Latin American mother and son painting their house and having fun painting each other - housing project concepts

Loslachen statt schimpfen ist selten eine falsche Entscheidung. 

Getty Images
  • Der erste Atemzug: Eine negative Reaktion lässt sich ganz einfach vermeiden, wenn man kurz innehält und durchatmet, bevor man reagiert. Klappt einfach immer. 
  • Die angepasste Messlatte: Auch der Erwartungsdruck, dem wir uns selber aussetzen, sorgt für Stress. Dabei wäre es gar nicht nötig, perfekt sein zu wollen. Im Gegenteil: Mittelgut ist genau richtig. Mittelgute Eltern leben ihren Kindern Menschlichkeit vor und zeigen ihnen, wie man positiv mit Fehlern umgehen kann. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul sagte einst: «Auch gute Eltern machen 20 Fehler am Tag.» Dieser Satz hilft, die eigene Elternrolle aus Distanz wahrzunehmen und entsprechend gelassen damit umzugehen. Mehr zu diesem positiven Effekt erfahrt ihr in unserem Artikel: «Ich bin eine mittelgute Mutter».
  • Das Lach-Experiment: Humor ist in der Eltern-Kind-Beziehung nichts Geringeres als das Salz in der Suppe. Falls euch eure Suppe zu fade schmeckt, versucht mal das spontane Nachsalzen, indem ihr das nächste Mal, wenn ihr mit euerem Kind in eine Diskussion geratet, einfach mal loslacht und es in den Arm nehmt. Und dann beobachtet mal, was als nächstes passiert ... es wird kaum etwas Schlechtes sein. Denn wenn man sich zwischen Schimpfen und Lachen entscheiden muss, liegt man mit Lachen wahrscheinlich kaum je falsch.
  • Das Kind als Vorbild: Gerade kleine Kinder haben oft eine unbeschwerte Lebenseinstellung. Sie entdecken in einem Malheur das Lustige und Schöne. Kinder lachen bis zu 400 Mal am Tag! Erwachsene nur noch einen Bruchteil davon. Lassen wir uns von den Kleinen wieder anstecken!
  • Humorvolle Konsequenz: Ja, sogar das gibts. Lustig zu sein heisst nicht zwangsläufig, jegliche Grenzen abzuschaffen oder die Erziehung links liegen zu lassen. Wie man mit einem Augenzwinkern erzieht, erklärt die Sozialpädagogin Franziska Rülke von HumorCare Deutschland: «Wo es sich nicht vermeiden lässt, sind selbst Strafen im Sinne des Humors möglich. Als Beispiel kann man hier die Tochter anführen, die wiederholt zu spät nach Hause kommt und nun jede halbe Stunde wie eine Kirchturmuhr die Zeit ansagen soll, damit sie beim nächsten Mal nicht vergisst, auf die Uhr zu schauen. Ein verständnisvolles Lächeln der Eltern betont auf eine liebevolle Art die Notwendigkeit für eine Strafe. Eine Strafe, die mit einem ärgerlichen, einsichtigen Lächeln ausgeführt wird, ist ja deshalb nicht weniger effektiv. Sie stösst nur auf weniger Trotz und Aggression und hat einen größeren Lernerfolg, weil sie eher im Gedächtnis bleibt. Und vor allem ist sie legal.» 
  • Aktiv lustige Situationen suchen: Eltern können auch aktiv für mehr Lacher im Familienalltag sorgen. «Suchen Sie möglichst oft nach Gelegenheiten, um gemeinsam zu lachen», sagt Rülke. «Ob es Witze sind, das tägliche Austauschen von komischen Erlebnissen, ob man absurde Kommentare gibt, heitere Geschichten erfindet, Wortspiele oder sogar Rollenspiele macht, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Genauso kann man sich zum Beispiel auch durch regelmässiges Ansehen von lustigen Filmen und Büchern oder das Anhören fröhlicher Musik oder Hörbücher immer wieder in eine heitere Stimmung versetzen lassen. Wichtig ist nur, den Willen zu haben. Wenn man erst mal gemerkt hat, dass man auch auf diese Weise zum Ziel kommt, dann ist man schon halb da.»

Apropos: Kennt ihr lustige Kinderwitze? Hier gehts zu unseren 10 absoluten Favoriten!

Das passiert, wenn wir mit unseren Kindern lachen

Das alles braucht viel Selbstkritik, eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen und Disziplin. Aber der Aufwand lohnt sich! Denn Humor in der Erziehung zahlt sich aus! Gemeinsames Lachen verbindet. Nichts stärkt die Beziehung und das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern mehr. Lachen ist ausserdem extrem gesund. So gesund, dass ihm sogar eine heilende Wirkung zugeschrieben wird. Regelmässiges, ausgiebiges Lachen stärkt das Immunsystem (während Stress-Hormone uns krank machen und unsere Lebenserwartung senken).

Humor tut auch der kindlichen Entwicklung gut: Wird ein Kind weniger getadelt, wächst sein Selbstvertrauen. Humor schärft seinen Blick für die kleinen Dinge und erlaubt ihm, verschiedene Sichtweisen zu verstehen. Er macht achtsam und damit glücklich und resilient. Humor in der Erziehung stärkt also auch das Immunsystem der Seele – sowohl bei den Eltern, wie auch beim Kind. 

Von KMY am 4. Januar 2023 - 07:00 Uhr