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  4. Schwangere sind Corona-Risikogruppe: Müssen sie während der Geburt eine Schutzmaske tragen?

Werdende Mütter sind verunsichert

Müssen Schwangere bei der Geburt eine Maske tragen?

Seit das Bundesamt für Gesundheit schwangere Frauen zur Coronavirus-Risikogruppe erklärt hat, nimmt die Verunsicherung unter werdenden Müttern zu. Müssen sie tatsächlich mit der Schutzmaske gebären, wie einige Medien berichteten? Das haben wir in verschiedenen Spitälern nachgefragt.

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Schwangere müssen sich möglichst gut vor einer Ansteckung schützen, denn neueste Studien zeigen, dass sie ein höheres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Getty Images

Wie neue Studien zeigen, haben schwangere Frauen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, wenn sie sich mit dem Coronavirus anstecken. Auch das Risiko einer Frühgeburt soll grösser sein. Deshalb hat das Bundesamt für Gesundheit BAG vergangene Woche Schwangere auf die Liste der «besonders gefährdeten Personen» genommen. Und plötzlich berichteten die Medien über eine Maskenpflicht für werdende Mütter sogar während der Geburt. 

Wer gerade jetzt, während den aktuellen Hitzetagen, schon mal über mehrere Stunden einen solchen Nasen-Mundschutz getragen hat, möchte sich nicht vorstellen, wie es ist, damit ein Kind auf die Welt zu bringen… Wir haben deshalb in mehreren Spitälern nachgefragt, ob diese Maskentragepflicht im Gebärsaal tatsächlich existiert.

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Werdende Eltern haben Verständnis

Am Universitätsspital Zürich ist dies tatsächlich so, wie Mediensprecher Marcel Gutbrod sagt: «Bei uns besteht die Maskenpflicht seit längerem im gesamten Spital zum Schutz vor SARS-CoV-2-Übertragungen. Die gebärende Frau trägt deshalb auch während der Geburt eine Maske, so lange ihr dies möglich ist.»

Unter der Geburt werde die Maske von den Frauen verständlicherweise als erschwerend empfunden, sagt Gutbrod. «Kann die Frau mit der Maske nicht gut atmen, darf sie deshalb die Maske ablegen.» Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Pflege würden im Kontakt mit den Frauen jedoch immer eine Maske sowie eine Schutzbrille tragen, und diese Maskenpflicht gelte auch für die Begleitperson der Frauen während der Geburt.

Die Regel stösst offenbar auf Akzeptanz, wie Gutbrod versichert: «Es gibt sehr viel Verständnis von den Paaren, da sich alle schützen wollen.» Anschliessend im Wochenbett brauchen die Mütter am Unispital Zürich die Maske nur zu tragen, wenn sie ihren Bettplatz verlassen. Genau wie die Patienten in den anderen Abteilungen: «Diese Regelung gilt für alle stationären Patientinnen und Patienten im USZ.»

Keine Maske in der Pressphase

Auch im Kantonsspital Freiburg gilt Maskenpflicht für Gebärende, wie die Kommunikationsbeauftragte Daniela Wittwer sagt. Dies zur Sicherheit der Patientinnen wie auch des Personals, wie sie erklärt: «Während der Geburt können die empfohlenen Distanzen nicht eingehalten werden. Deshalb gilt – nebst intensiverem Desinfizieren der Hände und des Materials – auch die Maskenpflicht für die Gebärende und ihre Begleitung. Während der Pressphase am Ende der Geburt hat die Frau allerdings die Wahl, ob sie die Maske tragen will oder nicht.»

Die Maskenpflicht werde mit den werdenden Müttern in den Sprechstunden vor der Geburt thematisiert und mit Verständnis aufgenommen. «Sie ist eine stete Erinnerung, dass die Pandemie noch nicht vorüber ist – wenn auch in einer ‹chronischen› Form.»

Vor und nach der Geburt müssen die werdende beziehungsweise frischgebackene Mutter und ihre Begleitung am Freiburger Kantonsspital die Maske immer dann tragen, wenn Personal anwesend ist und die empfohlenen eineinhalb Meter Distanz nicht eingehalten werden können. «Diese Massnahme dient dem Schutz der Patientinnen und Patienten sowie des Personals.

Weniger strikte in St. Gallen, Bern und Basel

Etwas weniger strikte sind die Regeln bezüglich Schutzmasken für Schwangere an anderen Spitälern, die wir angefragt haben. «Die Meldung von vergangener Woche, dass schwangere Frauen zu den besonders gefährdeten Personen gehören, löste natürlich Unsicherheiten aus», sagt Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals St. Gallen. «Die Schutzbestimmungen rund um Covid-19 sind permanent in Bewegung und müssen immer wieder angepasst werden – aber eine Maskenpflicht für Gebärende wird bei uns am Kantonsspital nicht kommen, das schliesse ich aus.» Auch im Wochenbett gebe es keine generelle Maskenpflicht.

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In Schweizer Spitälern gelten unterschiedliche Regeln, was das Tragen einer Schutzmaske während der Geburt angeht.

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Auch am Universitätsspital Basel gelte während der Geburt keine Maskenpflicht, wie Mediensprecher Nicolas Drechsler sagt. «Wir hatten bei 500 asymptomatischen werdenden Müttern bisher erst zwei, die sich nachträglich als Sars-CoV-2 positiv herausstellten, in keinem Fall wurde irgendjemand angesteckt.» Auch im Wochenbett gebe es, wie für alle Patienten auf Station im Zimmer, keine Maskenpflicht. Ansonsten gelte aber im ganzen Spital Maskenpflicht für alle, und Besuche sind nach Geburt nur durch Väter und eigene Kinder erlaubt. «Für Kinder ab zwölf und Väter mit Maske. Werdende Mütter tragen im Haus immer eine Maske.»

Ähnlich sind die Regeln an der Frauenklinik am Inselspital Bern, wie Chefarzt Daniel Surbek Auskunft gibt: «Bei jedem Patientinnenkontakt in der Frauenklinik des Inselspitals, also auch in der Gebärabteilung, müssen Fach- und andere Betreuungspersonen eine Maske tragen. Die Gebärenden müssen bei uns keine Masken tragen, und dies wird auch von der Gynäkologie-Gesellschaft SGGG zurzeit nicht empfohlen.» Auch im Wochenbett müssten gesunde Frauen keine Schutzmaske tragen. Eine Ausnahme gibt es jedoch: «Maskenpflicht gilt nur für jene Frauen im Wochenbett, welche an Covid-19 erkrankt sind. Diese werden auch isoliert, und ihr Neugeborenes muss vor einer Ansteckung geschützt werden.»

Von Christa Hürlimann am 13.08.2020
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