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  4. Géraldine Zahnd: Gründerin der Plattform Digital Kidz im Porträt

Géraldine Zahnd

Sie schaut, dass Schweizer Kinder den Anschluss nicht verlieren

Nach ihrer Rückkehr aus dem Silicon Valley fällt Géraldine Zahnd etwas auf: Schweizer Kinder lernen wenig über Roboter und künstliche Intelligenz. Ihr Start-up will das ändern.

Zukunftsmacher, Geraldine Zahnd

Géraldine Zahnd mit ihren zwei Digital Kidz, ihren experimentierfreudigen Töchtern.

Kurt Reichenbach

Als Géraldine Zahnd auf dem Trottoir beinahe mit einem Roboter zusammenprallt, merkt sie, dass hier alles ein wenig anders ist. Hier, das ist Palo Alto, Kalifornien. Ein Vorort von San Francisco, in dem viele Technologiefirmen ihren Sitz haben. «Es ist ein Mikrokosmos. Alle haben Ideen, manche davon sind verrückt, andere realitätsnah, aber immer mit dem Ziel, den Alltag der Menschen zu verbessern», erzählt die 38-jährige Genferin. Ihre beiden Töchter gehen in die Preschool. Dort kommen regelmässig Start-ups vorbei und stellen den Schülern Produkte vor. «Die Kinder lernen ganz selbstverständlich, wie man einen Roboter baut und dabei kreativ sein kann.»

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«Hinter jeder Maschine steckt ein Mensch»

Géraldine Zahnd, Gründerin Digital Kidz

Nach drei Jahren ist Familie Zahnd zurück in der Schweiz. «Und mir fiel auf, dass sich die hiesigen Eltern nicht besonders für neue Technologien interessieren. Manche wissen wenig darüber, andere haben Angst davor.» Dabei, so Zahnd, sei es wichtig, dass Kinder auch mit diesem Teil der Welt vertraut werden. «Natürlich sollen sie nicht ständig vor einem Bildschirm sitzen. Doch bei dieser Diskussion gehen die positiven Aspekte neuer Technologien oft vergessen.»

Zahnd, studierte Sinologin, also Chinawissenschaftlerin, bringt ihren Töchtern bei, dass künstliche Intelligenz keine Magie ist, wie diese anfangs dachten. «Hinter jeder Maschine steckt ein Mensch, das verstehen sie jetzt.» Und dass Menschen verschiedene Intelligenzen haben. «Das gibt ihnen Selbstvertrauen, und sie lernen, die Rolle der Technologie in unserer Welt zu verstehen.»

So funktioniert Digital Kidz

Digital Kidz will «die digitale Welt für Eltern, Erzieher und Kinder entmystifizieren». Dazu gehören Lehrmaterialien und Kurse, die zeigen, dass sich jeder mit neuen Technologien beschäftigen kann.

Géraldine Zahnd arbeitet in ihrem Start-up als einzige Vollzeit. Vier weitere Personen haben Pensen zwischen 20 und 50 Prozent. «Das Budget ist relativ klein. Ein Teil kommt von Stiftungen, ein Teil von persönlichen Ersparnissen.»

Darum hat die zweifache Mutter die Plattform Digital Kidz gegründet

Im August 2019 hat Zahnd die Plattform Digital Kidz gegründet. Mit dieser vermittelt sie interessierten Eltern Kurse und Materialien. Vor Kurzem publizierte sie «Mein erstes Aktivitätsbuch zum Thema Künstliche Intelligenz». Darin erfahren die Kinder spielerisch, wie ein Roboter lernt und wozu wir ihn brauchen können. «Meine Töchter zeichnen Parcours für unseren kleinen Roboter. Er fährt dann die Linie am Boden ab, und sie lernen, wo seine Grenzen sind.»

Digital Kidz steckt noch in den Anfängen, Zahnd hat vier Teilzeitmitarbeiter. Doch sie ist sicher, dass das Bedürfnis nach dieser Wissensvermittlung zunehmen wird. «Wir Eltern müssen auch in der neuen Lebenswelt Botschafter und Übersetzer für unsere Kinder sein.» Und ihnen zeigen, dass es dabei durchaus mehr gibt, als nur vor dem Bildschirm zu sitzen.

Das sagt Ivo Furrer von Digitalswitzerland zu Digital Kidz

Handelt es sich bei Digital Kidz um ein Nischenangebot?
Ja, weil das Wissen über die künstliche Intelligenz noch wenig verbreitet ist. Nein, weil das Angebot sehr viele Menschen – Eltern und Kinder – betrifft.

Vor welchen Herausforderungen steht das Start-up?
Es ist eine Herausforderung, das Zielpublikum breit zu erreichen. Digital Kidz tut dies mit persönlicher Ansprache der Eltern. Und mit konkreten Aufgabenvermittlungen in gut lesbaren Aufgabenheften, die sich bereits an Kinder ab fünf Jahren richten – toll!

Geschieht diese Wissensvermittlung nicht schon an den Schulen?
Viele Schulen sind noch nicht so weit, wobei es lokale Unterschiede gibt. Weil sich das Leben mit der Digitalisierung verändert, sind auch private Initiativen wichtig, und sie verdienen unsere Unterstützung – das hilft sowohl den Eltern wie den Kindern.

Von Lynn Scheurer am 29. November 2021 - 07:09 Uhr
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