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  4. Stillen in der Öffentlichkeit: Schweizer Umfrage fördert schockierende Ergebnisse zutage

Schockierende Umfrage

So verpönt ist Stillen in der Öffentlichkeit tatsächlich!

Mütter, die ihre Babys in der Öffentlichkeit stillen, sind immer wieder mit negativen Reaktionen konfrontiert. Wie gross das Tabu tatsächlich ist, zeigt nun eine Umfrage.

Young mother breastfeeding her baby boy in public place. Trieste, Italy, Europe

Stillen in der Öffentlichkeit ist laut einer Umfrage in der Schweiz immer noch ein grosses Tabu.

Getty Images

Liebe Schweiz, wir müssen reden. Soeben ist eine Umfrage erschienen, in der mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer angab, dass sie sich daran stören, wenn Mütter ihre Säuglinge in der Öffentlichkeit stillen.

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So gross ist das Still-Tabu in der Schweiz

Anlässlich der Weltstillwoche, die am 18. September beginnt, hat das Frauentechnologie-Unternehmen Elvie die Schweizer Bevölkerung wie auch Mütter kleiner Kinder zu ihren Erfahrungen Befragt. Die Ergebnisse der Umfrage schockieren:

  • 4 von 5 Frauen geben an, dass sie während des Stillens in der Öffentlichkeit ein negatives Erlebnis hatten. Zwei Drittel der Mütter gaben an, dass sie unangemessen angestarrt wurden, während sie ihrem Baby die Brust gaben. Jede sechste stillende Mutter erlebte gar negative Reaktionen: eine herablassende Geste oder gar eine wertende Bemerkung. Knapp 10 Prozent der Frauen wurden aufgefordert, sich bitte zu bedecken.
  • Nur 43 Prozent der Befragten befürworten das Stillen in der Öffentlichkeit
  • Am wenigsten akzeptiert ist das Stillen in öffentlichen Verkehrsmittel. Ebenfalls als unpassend werden Orte wie Geschäfte oder Bibliotheken angegeben. Am ehesten toleriert wird das öffentliche Stillen an der freien Luft, zum Beispiel in einem Park.

Auch Promimütter machen negative Erfahrungen

Die Umfrage zeigt klar: Das Stillen in der Öffentlichkeit ist immer noch ein grosses Tabu. Dagegen wehren sich auch prominente Mütter – etwa Schauspielerin Wolke Hegenbarth: «Sollen wir Frauen im Jahr 2019 etwa zu Hause bleiben, um zu stillen? Monatelang? Mit dieser Idee komme ich gar nicht klar», rief sie in einem Instagram-Post vor zwei Jahren aus. «Was ist mit der Emanzipation passiert? Endet sie dort, wo das Muttersein aufhört? Ich hoffe nicht!»

Auch Elvie-Botschafterin Nina Bott stellt fest: «Es gibt viele negative Vibes rund um das Thema Stillen.» Für sie sei es das Natürlichste der Welt, ihrem Kind die Brust zu geben. Doch für viele Menschen habe das Stillen offenbar etwas Abstossendes an sich, so die Schauspielerin. «Ich bin sogar in Hamburg mal aus einem Café geflogen, weil ich dort gestillt hatte - obwohl ich mich diskret verhalten hatte. Ich habe ja auch kein Interesse daran, dass alle meine Brüste sehen. Dennoch störten sich die Besitzer des Cafés daran. Da fragt man sich schon, in welcher Zeit wir eigentlich leben.»

Nicht alle Regionen liefern dieselben Ergebnisse

Das Problem der Akzeptanz stillender Mütter beschränkt sich also nicht nur auf die Schweiz, sondern scheint generell in der westlichen Gesellschaft verankert zu sein. Betrachtet man die Schweiz isoliert, fällt jedoch auf, dass jüngere Personen sowie Menschen aus der frankofonen Schweiz dem Thema Stillen gegenüber aufgeschlossener sind. In der Westschweiz finden mit 51 Prozent immerhin mehr als die Hälfte der Befragten, dass es ok ist, wenn eine Mutter ihrem Baby in der Öffentlichkeit die Brust gibt.

Von KMY am 15.09.2021
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