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Gender Diasppointment

Werdende Eltern wünschen sich häufiger eine Tochter

«Hauptsache, das Kind ist gesund.» Diesen Satz sagen werdende Eltern häufig, wenn sie gefragt werden, ob sie sich ein Mädchen oder einen Jungen wünschen. Eine Studie zeigt jedoch, dass das nicht immer die ganze Wahrheit ist. Paare bevorzugen eher ein Mädchen.

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Werdende Eltern wünschen sich häufiger eine Tochter

Viele werdende Eltern hätten lieber ein Mädchen als einen Sohn.

Getty Images/Maskot

Ist ein Baby unterwegs, hoffen die werdenden Eltern in erster Linie, dass die Schwangerschaft gut verläuft und das Kind gesund zur Welt kommt. Werden sie danach gefragt, ob sie sich einen Jungen oder ein Mädchen wünschen, sagen die meisten: «Hauptsache, gesund.» Das wird vordergründig so auch stimmen. Dennoch malen sich viele Paare bereits ihr künftiges Familienleben aus. Und manchmal zeigt sich dabei, dass man doch eine Präferenz hat, was das Geschlecht betrifft. 

Ungefähr ab der 14. Schwangerschaftswoche ist es möglich, das Geschlecht des Ungeborenen zu erfahren. Entspricht dieses dann nicht dem tief verankerten Wunsch, spricht man von Gender Disappointment. Das ist jedoch nach wie vor ein Tabuthema. Werdende Mütter und Väter schämen sich dafür, dass sie nicht die erwartete Dankbarkeit dafür verspüren, dass ihr Baby gesund ist und sie sich nicht uneingeschränkt freuen können. 

Hoffen auf ein Töchterchen

Doch womöglich geht es mehr werdenden Eltern so, als man denken mag. So zeigt gemäss apotheken-umschau.de eine Studie etwa, dass sich skandinavische Eltern seit den 1980er-Jahren eher ein Mädchen als einen Jungen wünschen. Eine Studie der Universität Warschau, die 2023 veröffentlicht wurde, kommt zudem zum Schluss, dass in europäischen Ländern die Wahrscheinlichkeit auf ein zweites Kind sinkt, wenn das erste Kind ein Mädchen ist. Offensichtlich deshalb, weil sich mit dem Mädchen der Wunsch nach einer Tochter bereits erfüllt hat. 

Das ist insofern bemerkenswert, weil lange Zeit Knaben als das bevorzugte Geschlecht galten. In den vorherrschenden patriarchalen Strukturen galten Söhne als Stammhalter. Sie gaben den Familiennamen weiter und erbten traditionellerweise Land, Haus oder das Familienunternehmen. Die Töchter hingegen heirateten in andere Familien ein. Der gesellschaftliche Wandel und das Streben nach Gleichberechtigung haben aber anscheinend auch die Geschlechterpräferenz von Eltern beeinflusst und sie – zumindest in westlichen Ländern – sogar umgekehrt.

Rollenbilder und Stereotypen überdenken

Fortschrittlich ist das aber nicht unbedingt. Hinter dem Wunsch nach einer Tochter und Gender Disappointment im Generellen stecken nämlich oft geschlechtsspezifische Stereotypen und veraltete Rollenbilder. So entsteht der Wunsch nach einer Tochter nicht selten aufgrund des Vorurteils, dass Mädchen brav und pflegeleicht und Knaben wild und frech sind. Zudem gehen viele Menschen noch immer davon aus, dass Töchter sozialer sind, früher im Haushalt mithelfen und sich im Erwachsenenalter um die betagten Eltern kümmern. Bei Söhnen wird davon ausgegangen, dass sie eher rebellieren und sich später hauptsächlich um die Karriere und nicht um die Familie kümmern.

Haben werdende Eltern nun eine Präferenz für ein Geschlecht, ist das nicht verwerflich. Allerdings sollten sie hinterfragen, woher diese Präferenz kommt. Liegen ihr veraltete Klischees zugrunde, könnte es früher oder später zu Enttäuschungen kommen – selbst wenn man die Wunsch-Tochter oder den Wunsch-Sohn bekommen hat. Dies, weil nicht jedes Mädchen brav und häuslich ist und nicht jeder Junge wild und rebellisch, sondern jedes Kind seine individuellen Charakterzüge und Vorlieben hat.

Von fei am 18. Januar 2026 - 12:00 Uhr