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«Ikonischste Werbefigur der Schweiz»

Ziehvater Jan Kempter erzählt die Geschichte von Wichtel Finn

Der kleine Kerl mit den grossen Kulleraugen rührt wieder zu Tränen: 2017 erblickte Wichtel Finn das Licht der Welt. Zuletzt verliebte er sich in die süsse Wichtelin Eli und wird jetzt Papa! Wir besuchen den Ziehvater der Wichtelfamilie Jan Kempter. 

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<p>Jan Kempter, Creative Director bei der Werbeagentur Wirz Group, adoptierte Finn von «Erfinder» Livio Dainese.</p>

Jan Kempter, Creative Director bei der Werbeagentur Wirz Group, adoptierte Finn von «Erfinder» Livio Dainese.

Fabienne Bühler

Ein kleiner Wichtel namens Finn sorgt wieder für grosse Gefühle – und bei manchen sogar für bittere Tränen. «Was macht ihr mit uns!?? Warum?», schluchzt die eher hartgesottene Podcast-Queen Gülsha Adilji (40) in einem Instagram-Reel zum Migros-Weihnachtsspot in die Kamera.

<p>Im jüngsten Migros-Werbespot besucht Finn mit Eli (r.) und Baby Lumi seine verwitwete Mutter.</p>

Im jüngsten Migros-Werbespot besucht Finn mit Eli (r.) und Baby Lumi seine verwitwete Mutter.

Zum Weinen gebracht hat die «Zivadiliring»-Beichtmutter der Ziehvater des süssen Finn: Jan Kempter (39) in Chur geboren, im Domleschg aufgewachsen, ist seit fast fünf Jahren Creative Director bei der Wirz Group AG im Zürcher Binz-Quartier. Die Werbeagentur hat für den Detailhandelsriesen Migros den mittlerweile fünften Weihnachtsfilm mit Wichtel Finn realisiert. «Selbst ich hatte einen Kloss im Hals, als ich mir die aktuelle Story erstmals zusammen mit dem Cat-Stevens-Song ‹Father and Son› auf dem Handy angesehen habe», gesteht der Werber.

Finn ist als Werbefigur eine Ikone

Kempter wurde quasi als Finns Pflegepapi vom Erfinder und «Vater» des süssen Kerlchens mit den grossen Kulleraugen, der Knubbelnase und dem kleinen Mund eingesetzt: Livio Dainese (52) hob Finn 2017 aus der Taufe. Die Idee war ihm bei einer Zugfahrt gekommen. Vor vier Jahren vertraute der Kreativchef und Co-CEO der Werbeagentur Wirz Finn Jan Kempter als Pflegesohn an. «Zuerst war ich skeptisch. Als Werber macht es mehr Spass, sich etwas Neues auszudenken, als Bestehendes zu übernehmen», gesteht Kempter. Inzwischen sehe er es als grosse Ehre an, Finn begleiten zu dürfen und seine Geschichte weiterzuerzählen. «Zumal ich behaupten würde, dass der kleine Wichtel die wohl ikonischste Werbefigur der Schweiz ist.»

<p>Jan Kempter an seinem Arbeitsplatz in der Werbeagentur Wirz Group im Zürcher Binz-Quartier.</p>

Jan Kempter an seinem Arbeitsplatz in der Werbeagentur Wirz Group im Zürcher Binz-Quartier.

Fabienne Bühler

Das sieht auch Frank Bodin (63) so. Er zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Schweizer Werbebranche. «Was Santa für Coca-Cola ist, ist Finn für die Migros geworden. Eine grossartige Idee, den Machern gilt ein grosses Bravo», lobt der Starwerber.

Dass Finn 2023 – nach vier Jahren Pause – sein Comeback feierte, verdankt der kleine Wichtel einer grossen Fangemeinde. «Das war wirklich verrückt, und so etwas habe ich zuvor noch nie erlebt», erinnert sich Kempter. Vor allem in den sozialen Medien hätten sich damals Kommentare gehäuft, in denen Finns Rückkehr gefordert wurde. Fragen wie «Wo ist Finn?», «Ist Finn tot?» bis zu «Bringt endlich Finn zurück!» überhäuften die Migros. Und so trat Jan Kempter vor zwei Jahren erstmals als Pflegepapi des kleinen Finn in Erscheinung und entwickelte 2023 den Comeback-Spot «Wichtel Finn macht einen Traum wahr».

Ein plötzlicher Geistesblitz

Mit der Arbeit an der jüngsten Story begann Creative Director Kempter bereits kurz vor Weihnachten 2024. «Wir starteten früher als sonst, um entspannter und mit weniger Zeitdruck zu arbeiten.» Nachdem Finn vor einem Jahr die Liebe entdeckt habe, spukte dem Werber die Idee im Kopf herum, nun die Familiengeschichte vom kleinen Finn bis zu Finn senior zu erzählen. «Als Folge seiner und Elis Liebesgeschichte dachte ich mir, dass es interessant wäre, wenn Finn jetzt selbst ein Kind hätte.»

<p>Nach Feierabend wartet auf Jan daheim seine Jack-Russell-Zwergpudel-Mischlingshündin Pippa.</p>

Nach Feierabend wartet auf Jan daheim seine Jack-Russell-Zwergpudel-Mischlingshündin Pippa.

Fabienne Bühler

Doch die erste Version seiner Eltern-Story gefiel Jan «gar nicht». Und noch während ihm durch den Kopf gegangen sei, was ihm an seiner Version zu langweilig dünkte, habe er den Geistesblitz zu dem gehabt, was nun thematisiert wird: «die Frage, was einen guten Vater ausmacht». Das verbindende Element im Spot ist dabei eine kleine Geste seines Vaters, eine Tradition, die Finn später selbst weiterführt.

Fertig war der Werbespot Mitte Oktober. Bei der Endabnahme im Migros-Hauptquartier, wo Jan schliesslich das Resultat vieler Monate intensiver Arbeit präsentierte, habe er «ein gutes Gefühl gehabt», gesteht Kempter. Als auch die Migros-Verantwortlichen gerührt auf den Film reagierten, sei er sehr stolz gewesen.

Dass indirekt die Themen Tod und Abschiednehmen angedeutet werden, lässt den Spot heuer besonders emotional erscheinen. Nicht nur Podcasterin Gülsha Adilji vergoss bittere Tränen. «Die Dramaturgie dieses Jahr lautet nicht mehr ‹Jö›, sondern ‹Sniff› und folgt dem Erfolgsmuster von ‹Bambi› oder ‹Lion King›, wo die Eltern sterben und das Kind daran wächst», bringt es Frank Bodin auf den Punkt. Die Botschaft am Ende sei klug: «Weihnachten ist, was wir weitergeben.» Auch dieser Spot ist für den Starwerber deshalb «mit vielen liebevollen Details stimmig produziert».

<p>Gibts Finn auch 2026? Dazu berät sich Jan mit Migros-Projektleiterin Giovanna Colucci.</p>

Gibts Finn auch 2026? Dazu berät sich Jan mit Migros-Projektleiterin Giovanna Colucci.

Fabienne Bühler

Den Verlust einer geliebten Person hat Finns Pflegepapa Jan selbst erfahren. «Für mich ist Weihnachten stark mit Erinnerungen an mein vor wenigen Jahren verstorbenes Grosi verbunden.» Seit Kindheit sei er jeweils am 24. Dezember bei ihr gewesen. Sogar Frank Bodin wäre eine weniger todernste Geschichte lieber gewesen. «Ich freue mich aber schon auf die neue Finn-Geschichte im nächsten Jahr, vielleicht sogar mit einer ‹fin(n) heureuse›.»

Wie eng Jan Kempter unterdessen mit seinem Ziehsohn Finn verbunden ist, zeigt sich darin, dass er dessen Baby Lumi taufte. Es ist der Name vom Göttimeitli des Werbers.

René Haerig, Ringier
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Von René Haenig am 24. Dezember 2025 - 12:00 Uhr