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Alt ist wunderbar!

Darum ist Mamiglück mit 40 super!

Ich dachte immer, dass ich eine junge Mama werde. Weil das cool ist, weil man dann mit den Kindern mithalten kann und weil man, wenn die Kids draussen sind, noch einmal aufleben kann. Dann kam nicht nur alles anders, sondern viel besser. Eine Liebeserklärung an spätes Mutterglück.

Alte Mama Symbolbild

Unsere Redaktorin wurde kurz nach 40 schwanger - und findet das super so!

NurPhoto via Getty Images

Mein 39. Geburtstag war hart. Ich hatte gerade eine unglückliche Liebschaft beendet, hatte Herzschmerz und war gefühlt von einer eigenen Familie so weit entfernt wie die Erde vom Mars.

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Mein 40. Geburtstag war ganz anders. Ich war seit neun Monaten sehr glücklich liiert und liess es mir nicht nehmen, die grosse 40 ausgiebig zu feiern. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Ich war bereits schwanger.

Dieses kleine Plus auf dem Schwangerschaftstest veränderte unser Leben ein paar Wochen nach der Feier. Ironischerweise bin ich im ersten Moment erschrocken. Nicht, dass mein Sohn kein Wunschkind ist, ich fühlte mich einfach für einen kurzen Moment noch nicht ganz reif für ein Baby.

Ich wünschte mir stets mit Mitte 20 ein erstes Kind

Die Ironie dahinter liegt tief begraben. Ich habe mir immer Kinder gewünscht. Ich wollte stets ein junges Mami werden. Weil das cool ist. Weil man dann so gut mit den Kindern mithalten kann. Und weil man sich noch einmal verwirklichen kann, wenn sie dann draussen sind. 

Dass das so alles stimmt, weiss ich. Bin ich doch selber die Tochter einer sehr jungen Mutter. Bei meiner grossen Schwester war meine Mama 19, bei mir 23 Jahre alt. Es ist ein Segen, dass sie jetzt als Grossmutter noch so fit, glücklich und gesund ist. 

Zugegeben, hätte ich im Vorfeld die Wahl gehabt, ich hätte mich dafür entschieden, mein Kind mit Mitte 20 zu bekommen. Das Leben aber hatte einen anderen Plan. Heute könnte ich ihm dafür nicht dankbarer sein. 

Mit Altersmilde ins Mutterglück

Als ich mit meinem Sohn in den Wehen lag, zog mein Leben wie ein Film an mir vorbei. Ich dachte an all die Reisen, die ich gemacht habe. An all die Männer, die ich getroffen habe. An all die Schmetterlinge, die ich im Bauch hatte. An all meine Jobs und Nebenjobs. An meine Zeit als Reiseleiterin in der Türkei. 

Und an alle meine Singlewohnungen, in denen ich tun und lassen konnte, wie ich wollte, wann ich wollte und so lange ich wollte. Ich dachte an all die Nächte, die ich durchgefeiert habe. 

Die Zeit zwischen 20 und 40 habe ich gelebt und erlebt. Ich habe mir vieles gegönnt, habe Erfahrungen gesammelt, bin auch mal hingefallen. Vor allem aber bin ich eines geworden: entspannt! Wir können es gerne altersmild nennen. Und diese Altersmilde ist das Beste, das meinem Bub, meinem Freund und mir passieren konnte.

Ok, der Schlafentzug war hart!

Ich erinnere mich gut an die erste Nacht mit unserem Neugeborenen zuhause. Vor zehn Jahren noch wäre ich enorm hibbelig, eventuell sogar panisch gewesen. Jetzt aber wusste ich: Dieses kleine Menschlein, mein Freund und ich, wir schaffen das. Ich hatte das Vertrauen tief in mir verankert, dass wir es als Familie hinkriegen. 

Logisch, der Schlafentzug am Anfang war hart. Mit 40 vielleicht etwas weniger gut wegzustecken als mit 20. Physisch zumindest.

Meiner Lebenserfahrung aber verdanke ich mein gestärktes Selbstbewusstsein, das mir von Anfang an half, wenn das Baby schrie, Bauchkrämpfe hatte und wir nach Schoppen, frischen Windeln und viel Schlaf gerade nicht wussten, was dem Büebli fehlt. 

Ich bin enorm dankbar, dass ich relativ schnell und problemlos in meiner Rolle als Mutter angekommen bin. 

Ich habe so lange für mich selber gesorgt, dass ich automatisch weiterhin für mich selber sorge

Manchmal staune ich selber, wie ruhig ich bleibe, wenn das Kind auch mal länger quengelt. Oder wenn es krank ist. Oder wenn es mit dem Kopf gegen die Wand geknallt ist. Mir ist bewusst, dass Viren wichtig fürs Immunsystem sind, dass Quengeln völlig normal und okay ist und dass noch kein Kind gross geworden ist, ohne hinzufallen.

Ich bin sehr sicher, dass ich es meiner Reife verdanke, dass ich heute die bessere Mama bin, als ich es all die Jahre zuvor gewesen wäre. Zumal ich lange zu Dramatik und Panik neigte. 

Ich finde es unglaublich bereichernd, dass ich meine jungen Jahren in den vollsten Zügen kinderlos ausgekostet habe und mich jetzt voll und ganz auf mein Mamisein fokussieren kann und will.

Das späte Mamaglück birgt noch einen weiteren grossen Vorteil: Als langjähriger Single habe ich stets für mich alleine gesorgt. Und ich habe stets gut zu mir geschaut. Das habe ich so intus, dass ich mich trotz Baby nie vergessen habe. So gönne ich mir regelmässig Auszeiten nur für mich und für meinen Freund und mich. 

Dann sind vor allem meine jungen Eltern im Einsatz. Mehr Win-win geht gar nicht. Und mein Kind hat den Jackpot ebenfalls geknackt: Er hat vielleicht eine alte, dafür entspannte und gefestigte Mama und sehr junge und euphorische Grosseltern, die ihm seine Wünsche im Eiltempo von seinen herzigen blauen Augen ablesen können. 

Von Maja Zivadinovic am 25.07.2021
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