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  2. Erfahrungsbericht einer Mutter aus der Trotzphase/Autonomiephase

Hallo aus der Trötzli-Hölle!

Mein Sohn, der (kleine) Wutbürger

Der Bub unserer Redaktorin befindet sich mitten in der Autonomiephase. Wutausbrüche inklusive. Sein Lieblingssatz? «Ich will nöd teile!» Was das mit ihr als Mutter macht, erzählt Maja hier.

Portrait Of Angry Boy

Das ist nur ein Symbolbild. Mein Sohn kann noch viel hässiger gucken.

Getty Images

Natürlich ist mein Sohn der beste, herzigste, lustigste, fröhlichste und fantastischste Bub auf der ganzen Welt. Ich bin mir sehr sicher, dass das wirklich so ist und dass es sich ganz klar nicht um meine sehr verblendete Mama-Liebe handelt, wenn ich solche Dinge schreibe.

Aber darum geht es heute nicht. Heute geht es darum, dass besagter Zuckerbub zurzeit gar nicht so Zucker ist. Er ist nämlich mitten in der Autonomiephase. Oder, wie wir auf dem Spielplatz umgangssprachlich sagen, in der Trotzphase. Terrible Twos. Das ist die Zeit, in der Kleinkinder den eigenen Willen nicht nur entdecken, nein, sie wollen ihn durchsetzen. Pausenlos.

Bei meinem Sohn äussert sich das auf verschiedene Weisen. Kriegt er nicht, was er will, wirft er sich gerne zu Boden und kreischt. Lila statt blaues Röhrli? Ein Drama! Keine Gummistiefel bei 28 Grad? Ein Drama! Sonnenhut statt oben ohne? Ein Drama! Hörnli statt Müscheli? Ein Drama. Ich könnte die Liste hier lange weiterführen.

«ICH WILL NÖD TEILE!!!!!!!!»

Damit nicht genug. So sehr mein Sohn seinen Willen durchsetzen will, so sehr gibt es auch Dinge, die er partout nicht will. Teilen zum Beispiel. Teilen geht gar nicht. Wehe ein Kind schaut nur schon seine Znünibox aus der Distanz an. Drama! Der Sohnemann schmeisst die Box regelmässig durch die Luft. Hauptsache kein Kind bedient sich an seinen Snacks. Lieber alles am Boden verteilt statt im Mund eines anderen Kindes.

Meine Nerven.

Unsere Nerven.

Bei den Spielsachen, es wird Sie nicht wundern, ist es dasselbe: Kein Kind auf der Welt, ausser seine grosse Cousine hie und da, darf etwas anfassen, geschweige denn damit spielen. Playdates bei uns daheim enden mit Tränen seinerseits und massiven Schweissausbrüchen meinerseits.

Aber bei uns Eltern will es der Bub wissen. Daheim «darf» nur Papa wickeln, Schoppen geben und Büechli vorlesen. Draussen aber, wo das Kind weder einen Schritt selber gehen, noch im Buggy sitzen will, «darf» nur Mama tragen.

Mein Rücken!

Kind im Buggy

Seinen Kinderwagen findet mein Zweijähriger maximal doof.

Getty Images/Cavan Images RF

Soweit also zur aktuellen Situation. Falls Sie, liebe LeserInnen noch keine Kinder haben, wie siehts jetzt gerade mit Ihrem Kinderwunsch aus? Haha!

Eins vorne weg: Es ist wirklich eine sauanstrengende Zeit. Kann und will ich nicht schönreden. Angst, einen kleinen Soziopathen daheim zu haben, inklusive.

Also habe ich gegoogelt, mit Fachpersonen gesprochen, Rat bei den Kita-Angestellten eingeholt. Ich habe unisono das Gleiche zu hören bekommen: Mit unserem Sohn ist alles in allerbester Ordnung. Mehr noch: Er entwickelt sich absolut altersgerecht. Mit etwas über 2 ist er noch gar nicht fähig, zu verstehen, warum und dass teilen okay ist.

Und so lehnen wir uns also seit einer Weile zurück und freuen uns, dass sich der Junge bestens entwickelt. Dass er Ecken und Kanten bekommt. Dass er für sich einsteht. Dass er seine Bedürfnisse mit Hand, Fuss und hie und da Tränen kommuniziert.

Wir mischen uns auch nicht immer sofort grad ein, wenn es auf dem Spielplatz zum Disput mit anderen Kindern kommt. Wir beobachten und geben dem Buben die Chance, den Streit selber auszutragen. Wir bleiben ruhig und sind da, wenn man uns braucht.

Was easy klingt, ist nicht immer einfach!

In der Öffentlichkeit schämen wir uns nicht (mehr), wenn der Bub auf dem Boden tobt. Wir lassen ihn toben. Wohlwissend, dass es sich um einen Lernprozess handelt. Er muss lernen, ein Nein auszuhalten, seine Gefühle einzuordnen, Frust abzulassen.

Werden wir schief angeschaut, lächeln wir und fokussieren uns wieder aufs Wesentliche: Auf das Begleiten unseres Sohnes durch diese fiese Phase. Wir haben rausgefunden, dass es hilft, wenn wir ihm eine Hand auf den  Rücken legen und ihm sagen, dass wir seinen Frust und ihn verstehen. Dass es aber dennoch gerade nicht möglich ist, dass er das ganze Schokoladen-Regal in den Einkaufswagen räumt.

Was hier alles so simpel klingt, ist natürlich nicht immer nur easy. Es gibt Tage, an denen sind wir maximal genervt, haben zu wenig Geduld oder schlichtweg Termine, die es uns nicht erlauben, den Buben ewig trotzen zu lassen. Das ist aber auch gut so. Bei allem Verständnis der Welt ist es nämlich eben so wichtig, Grenzen zu setzen und auch Nein zu sagen.

Und damit Ja zu sich und seinem eigenen Nervenkostüm. Und zur eigenen Beziehung/Ehe. Seit wir das so leben, gehts uns allen drei prima. In your face, liebe Autonomiephase, in your face!

Habt oder hattet ihr selber Kinder, die in der Autonomiephase sind oder waren? Wie seid ihr damit umgegangen? Kennt ihr ultimative Tipps? Teilt sie uns gerne mittels Kommentarfunktion mit!

Von Maja Zivadinovic vor 7 Stunden