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Über Vorurteile und Egoismus

10 Fragen an eine Frau, die keine Kinder will

Simone ist Ende 30, beruflich angekommen und schon seit acht Jahren mit ihrem Partner liiert. Das Paar hat alle Voraussetzungen, um Kindern ein gutes Leben zu bieten. Warum das vor allem Simone nicht will, verrät sie hier.

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Kinderfrei

Frauen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, müssen sich vielen Fragen stellen.

Getty Images/EyeEm

Liebe Simone, du und ich sind seit Ewigkeiten befreundet. Dennoch hast du mich gebeten, diese Fragen anonym zu beantworten. Warum?
Wenn du als Enddressigerin keinen Kinderwunsch hast, musst du dich ständig erklären. Das finde ich nicht nur anstrengend, sondern total übergriffig. Mir reichen die Gespräche mit meinen Eltern, die sich Enkel wünschen und die mit meinen Freundinnen, bei denen sie mir ständig sagen, dass sie sicher sind, dass ich es eines Tagen bereuen werde, keine Kinder bekommen zu haben.

Könnten sie Recht haben?
Klar. Ich weiss doch heute nicht, wie ich in zehn Jahren empfinde. Ich weiss aber, dass ich in den letzten 38 Jahren nie nur annähernd einen Kinderwunsch verspürt habe. In mein Leben haben Kinder noch nie gepasst. Verstehe mich nicht falsch, ich mag Kinder. Ich selber will ich einfach keine. Viele Menschen können das nicht glauben und sind sich sicher, dass ich Kinder hasse. Davon bin ich aber weit entfernt.

Gibt es konkrete Gründe, warum du keine Kinder willst?
Ja, klar. Ich bin eine egoistische Person, die viel Wert auf Eigenständigkeit legt. Ausserdem gebe ich gerne viel Geld aus, reise um die Welt und lege viel Wert auf ein schönes Daheim, das ziemlich viel kostet. Meinem Partner geht es auch so. Mit unseren Einkommen können wir uns als kinderloses Paar ein enorm schönes Leben machen, das uns sehr gefällt. Weder er noch ich haben das Bedürfnis, Abstriche zu machen.

Wenn ihr nach vorne blickt: Wie fühlt es sich an, dass euch im Altersheim keine Kinder und Enkel besuchen werden?
Natürlich stimmt uns dieses alleine sein im Alter nachdenklich. Aber im Leben gibt es für nichts eine Garantie. Wer sagt, dass wir bis dann überhaupt noch leben? Oder dass wir ein so gutes Verhältnis zu unseren Kindern und Enkel hätten, dass sie uns besuchen kommen? Wenn wir aus lauter Panik vor der Zukunft die Gegenwart verpassen, wäre das ja schade. Und nur aus Angst Kinder zu zeugen, finden wir beide völlig verkehrt und absolut egoistisch.

Kinderfrei

Simone und ihr Partner geniessen ihr Leben ohne Kinder.

Getty Images

In eurem Umfeld haben die meisten Freunde Kinder bekommen. Was macht das mit dir?
Ich freue mich riesig über jede Baby-Ankündigung und jedes Geburtskärtchen. Ich bin auch schon einmal Gotti, mein Partner hat sogar zwei Patenkinder. Wie gesagt: Ich mag Kinder sehr und finde es auch schön, ein, zwei Tage mit ihnen zu verbringen. Das Gefühl aber, nachdem ich sie wieder abgeben kann, ist immer ein Mix aus Erleichterung und Dankbarkeit über meine eigene Freiheit.

Haben sich die Freundschaften verändert, seit die meisten Eltern sind?
Absolut. Und das ist ja völlig okay und normal. Ich verstehe, dass man als Eltern viel weniger Zeit hat und weit im Voraus planen muss. Was mich aber immer wieder mal nervt, sind die kurzfristigen Absagen oder der Fakt, dass selbst die, die sich im Vorfeld geschworen haben, das nie zu tun, fast ausschliesslich bei jedem Treffen nur über ihre Kinder reden.

Seid ihr mehrheitlich alleine oder kennt ihr auch andere Paare, die keine Kinder wollen?
Es ist tatsächlich so, dass wir in unseren Kreisen die einzigen sind, die keine Kinder wollen. Wir kennen aber einige Paare, die einen grossen Kinderwunsch haben, es aber mit Schwangerwerden nicht klappt. Die sind allesamt in einer Kinderwunschbehandlung. Ich finde es erschreckend zu sehen, wie belastend eine solche Situation für die Beziehung ist. Alleine deswegen fühle ich mich noch bestätigter in meiner Entscheidung gegen Kinder.

Du hast am Anfang deine Eltern angesprochen. Wie gehen sie damit um, dass sie keine Enkel bekommen werden?
Mein Vater hat resigniert. Ich weiss aber, dass er im Stillen vor sich hin leidet. Das tut mir sehr leid. Meine Mutter geht offen damit um, dass sie meine Entscheidung nicht nur egoistisch, sondern auch falsch findet. Ich bin mir sicher, dass es hierbei sehr viel mehr um sie und ihre Gefühle als um mich geht. Ich weiss, dass das hart klingt, aber ich bin nicht verantwortlich für ihre Gefühle.

Habt ihr euch überlegt, was ihr macht, wenn ihr doch in zehn Jahren oder so bereut, keine Kinder bekommen zu haben?
Klar, dann nehmen wir noch so gerne ein Pflegekind auf zum Beispiel.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass Kinderlosigkeit oder Kinderfrei-Sein, wie ich es lieber nehme, gesellschaftlich völlig akzeptiert wird und kein grosses Thema daraus gemacht wird. Das wäre schön!

Von Maja Zivadinovic am 30. September 2022 - 19:05 Uhr