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«Man muss wie verrückt galoppieren»

Bastien Girod und seine Familie ganz privat

Seit seiner Jugend kämpft der grüne Nationalrat Bastien Girod für die Umwelt. In der Forschung, in der Politik, nun auch im Job. Zu Hause ist’s nicht ruhiger: Dort halten ihn und seine Frau Ellen die beiden Töchter auf Trab.

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Im Wald verbringt der grüne Nationalrat Bastien Girod gerne die Freizeit mit seiner Frau Ellen und den beiden Töchtern Ari, 4, und Lin, 2 (r.).  

Simona Dietiker

Im Galopp endet der Familienausflug der Girods. «Hü Papi, hü, mehr Tempo,», ruft die vierjährige Ari auf dem Rücken ihres Vaters Bastien Girod, 38. Also galoppiert dieser noch schneller durch den Wald. «Gut so?» Aris Antwort: «Du bist ein Pferd, du kannst nicht reden!» Ellen Girod, 35, hat’s nicht leichter. Sie trägt Lin, 2, auf ihrem Rücken. Und die ruft begeistert: «Mami, du bist von jetzt an ein Pferd und heisst Liselotte!» Durchschnaufen können Bastien und Ellen erst beim gemeinsamen Zvieri in ihrer modernen Genossenschaftswohnung in Zürich. 

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Zvieri: «Wir achten auf saisonale und regionale Ernährung», sagt Ellen. «Und Bastien geht mit den Mädchen gerne mal eine Bratwurst essen.»

Simona Dietiker
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Ein Maori-Tatoo als Weckruf

Wer Bastien Girod in T-Shirt und Shorts mustert, stellt fest: Da ist ziemlich viel Muskulatur, der Nationalrat der Grünen ist in Form: «Vom Pferdetraining mit den Kindern», sagt er und lacht. «Und gut, etwas Cross-Fit betreibe ich auch noch.» Ebenfalls fällt das grosse Tattoo an seinem linken Unterschenkel auf. «Ein Maori-Tribalsmotiv, das ich stechen liess, als ich 20 Jahre alt war. Ich wollte als junger Mann sicher gehen, dass ich im Alter das Engagement für die Natur nie vergesse.» 

Knapp 20 Jahre später lässt sich sagen: Er hat’s nicht vergessen. Das Engagement für die Umwelt seine Lebensaufgabe. Im Nationalrat politisiert er seit 2007, noch länger forscht er an der ETH als Umweltwissenschaftler. Seit eineinhalb Jahren leitet er mit einem 70-Prozent-Pensum bei der Klima-Firma South Pole den Bereich Umwelt-Innovation, führt dort ein Team mit acht Leuten.

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Abend-Ritual: Wenn Bastien Girod Lin und Ari (r.) ins Bett bringt, liest er ihnen eine Geschichte vor. 

Simona Dietiker

«Die Folgend des Klimawandels sind massiv»

Dabei kandidierte er 2017 noch für den Zürcher Stadtrat. Aber die Grüne Partei gab damals Konkurrentin Karin Rykart den Vorzug. «Das hat mich gewurmt», sagt Girod. Doch nun sei er froh, wie alles gekommen sei. «Dadurch ergab sich der Schritt in die Privatwirtschaft.» Bei South Pole berät Girod Firmen, die klimaneutral werden und ihre Emissionen deutlich reduzieren möchten. «Ich hatte am Anfang Zweifel, ob mir grosse Firmen nicht mit Skepsis begegnen würden. Doch die Sorge war unbegründet.» 

Bastien Girod: «Man braucht Humor und muss wie verrückt galoppieren, um alles unter einen Hut zu bringen»

Vielleicht, weil sich Bastien Girod für Umwelt und Klima nicht nur kurz vor den Wahlen, sondern seit jeher einsetzt. «Die Folgend des Klimawandels sind massiv. Wir brauchen tief greifende und rasche Veränderungen», sagt er. «Neue wissenschaftliche Erkenntnisse müssen schneller von der Wirtschaft umgesetzt werden. Und dafür braucht es auch die Politik.»

Girod weiss: Er hat das Know-How aus allen Bereichen, der Wissenschaft und der Privatwirtschaft und der Politik. Er hat sein berufliches Puzzle klug zusammengesetzt. Jetzt, wo die Klimadebatte die politische Agenda beherrscht, ist er bestens vorbereitet und kann, wie er sagt, «hart am Wind segeln». 

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Berufstätige Eltern: «Das Abgleichen der Agenda ist eine Dauer-Aufgabe», sagt Bastien.

Simona Dietiker

Als berufstätige Eltern gefordert

Bei so vielen Tätigkeiten, Girod lehrt auch an der ETH, stellt sich die Frage, wie er und Ellen das ganz grosse Puzzle zusammensetzen, inklusive Kinder und Beziehung. «Meine Arbeit ist zum Glück meine Leidenschaft. Und ich bin recht diszipliniert», sagt Bastien. Er arbeite bereits früh morgens, wenn die Mädchen noch schlafen würden und ebenso spät abends. «Aber klar, wie bei alle Familien ist der Agenda-Abgleich eine Dauer-Aufgabe.»

Denn nicht nur Bastien, auch Ellen geht ihrer Arbeit mit grosser Leidenschaft nach. Sie betreibt erfolgreich den Eltern-Blog «Mama Poule», der monatlich 100 000 Leserinnen zählt. Ihr Fokus: Kinderrechte und die (zu kleine) Rolle von Kindern in der Gesellschaft. So kümmert sich Bastien an seinem freien Nachmittag und am Wochenende oft alleine um die Kinder, damit sie arbeiten kann.

«Ich habe gelesen, in die Paar-Beziehung müsse man gleich viel Zeit investieren wie in die Kinder. Schön wär’s!», sagt Ellen und lacht. «Wir kämpfen mit den gleichen Problemen wie andere Eltern, auch wenn es von aussen vielleicht sehr harmonisch und perfekt aussieht.» 

Ellen hatte starke Wochenbett-Depressionen

Sie seien als Paar insbesondere nach den beiden Geburten stark gefordert gewesen, erzählt Ellen. «Ich hatte beide Male starke Wochenbett-Depressionen, fühlte mich völlig überfordert. Das waren auch für uns sehr schwierige Zeiten.» Nur langsam hätten sie die Balance wieder gefunden. «Inzwischen haben wir wieder mehr Zeit für die Beziehung, gehen auch mal in den Ausgang oder essen», sagt Ellen. «Es ist im Leben ähnlich wie beim Ausflug mit den Kindern», sagt Bastien. Man trage viel Verantwortung und müsse ab und zu galoppieren, um alles unter einen Hut zu bringen.

Von Alejandro Velert am 29.09.2019
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