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Studie erklärt

Darum sollen wir Kinder nicht zu Entschuldigungen zwingen

Sie zoffen sich, sie schubsen sich, sie rennen einander um. Und bevor die lieben Kleinen überhaupt die Chance haben, ihr Tun und Handeln selber einzuschätzen, fordern Eltern oft Entschuldigungen. Was gut gemeint ist, kann aber daneben gehen. Warum das so ist, haben jetzt Experten rausgefunden.

Head to head

Wenn sich Kinder streiten, sollten wir als Erwachsene uns nicht immer sofort einmischen.

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«Geh dich entschuldigen!» Wer Kinder hat, weiss, dass dieser Satz zu den meistgesagtesten gehört. Vor allem in den ersten zehn Lebensjahren geraten wir häufig in Situationen, in denen wir den Nachwuchs dazu aufzufordern, sich bei anderen Kindern zu entschuldigen.

Natürlich machen wir das mit bestem Wissen und Gewissen. Schliesslich liegt uns viel daran, dass aus unseren Kindern emphatische, freundliche und gut erzogene Erwachsene werden. Dabei vergessen wir oft, wie feinfühlig und clever die Kleinen sind. So können sie schon von Anfang an gut einschätzen, ob eine Entschuldigung wirklich von Herzen kommt oder nicht. Und genau hier liegt die Krux begraben.

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Experten haben jetzt nämlich rausgefunden, dass gezwungene Entschuldigungen Kindern mehr schaden als helfen.

 

A little boy hung her little sister on the wall using duct tape

Kinder verstehen schon sehr früh, ob Entschuldigungen von Herzen kommen oder nicht.

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Erzwungene Entschuldigungen können zu Spätfolgen führen

So schreiben Forscher der University of Michigan in einer Studie, die an Kindern zwischen vier und neun Jahren durchgeführt wurde, dass ein Kind, das dazu gezwungen wurde, sich zu entschuldigen, gegen das Kind, bei dem es sich entschuldigen sollte, eine umso grössere Ablehnung spürt. Mehr noch: Kinder, die gezwungen wurden, sich zu entschuldigen, fühlen sich selbst schlecht damit.

Der Grund liegt darin, dass der Sinn der Entschuldigung – Reue zeigen und wieder zu vertragen – durch den Zwang verloren geht. Ausserdem haben die Kinder wegen der erzwungenen Entschuldigung keine Chance zu lernen, selber Verständnis und Empathie für das verletzte Kind zu entwickeln. Besonders fatal: Es könnte später sogar Schwierigkeiten damit haben, mitfühlend zu sein.

Das Timing zählt!

Die Experten weisen zusätzlich darauf hin, dass das verletzte Kind es sehr wohl merkt, wenn eine Entschuldigung nicht ernst gemeint ist. Das führt dazu, dass das Kind, dass sich «nur unehrlich» entschuldigt hat, weniger gemocht wird. 

So weit, so gut. Bloss: Wie sollen sich Eltern denn am besten verhalten, wenn eine Entschuldigung angebracht ist?

Laut der Forscher ist es wichtig, dem Kind Zeit zu lassen, seine Misstat selbst einzusehen und Empathie mit dem verletzten Gegenüber zu entwickeln. «Sei dir erst sicher, dass dein Kind versteht, warum sein Verhalten falsch war, versichere dich zunächst, dass es sich selbst entschuldigen möchte. Erst dann ist der richtige Zeitpunkt erreicht, dem Kind vorzuschlagen, sich zu entschuldigen», sagt Craig Smith, Studienautor am University's Center for Human Growth and Development.
 

Displeased son sitting with arms crossed on sofa at home. Worried mother looking at her child. Focus on boy.

Auch eine Aktion – etwa eine Aufforderung zum gemeinsamen Spielen – kann die Wogen wieder glätten.

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Am effektivsten ist es, seinem Kind in Ruhe zu erklären, warum es falsch gehandelt hat und dass es damit dem anderen Kind wehgetan hat, so der Experten-Rat.

Und zu guter Letzt: Bei Kindern muss es nicht immer eine verbale Entschuldigung sein. Auch eine Aktion – etwa eine Aufforderung zum gemeinsamen Spielen – kann die Wogen wieder glätten. «Manchmal bringt es sogar mehr als Wörter», erklärt Smith abschliessend.
 

Von mzi am 3. März 2022 - 07:09 Uhr
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