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In Musik, Sport und Business

Diese Teenies starten durch

Sie kommen aus verschiedenen Sparten, haben aber viel gemeinsam: Geiger Raphael Nussbaumer sowie Unternehmer Diego Simone und Eiskunstläuferin Kimmy Repond sind jung, fleissig und erfolgreich. Drei Talente über ein ­Leben voller Disziplin für den grossen Traum.

Junge Talente Sammelstory. Raphael Nussbaumer Wunder-Geiger aus Altendorf. Bild © Remo Naegeli

Dem Schwyzer Raphael Nussbaumer, 15, wurde das Geigespielen in die Wiege gelegt. Täglich übt er zig Stunden – meist im Pfarrhaus oder wie hier in der Kirche Altendorf.

Remo Nägeli

Raphael Nussbaumer, 15, Geiger: «Ein 08/15-Leben wäre langweilig»

Raphael Nussbaumer, 15, führt kein Leben wie die meisten Teenager. An Wochentagen spielt er zwei bis vier, am Wochenende bis zu fünf Stunden Geige. Auf sein ungewöhnliches Leben angesprochen, kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Ein 08/15-Leben wäre ja langweilig!», sagt Raphael, der auf einem Instrument eines unbekannten Meisters aus 1740 spielt. Bereits zur Taufe erhält er die erste Geige, mit vier Jahren nimmt er erstmals Unterricht, und seit 2012 ist er in der Violinklasse von Philip Draganov. Sein Vorbild: Vater Donat, 49, Geiger beim Zürcher Kammerorchester.

Junge Talente Sammelstory. Raphael Nussbaumer Wunder-Geiger aus Altendorf. Bild © Remo Naegeli

Raphael zuhause in Altendorf SZ mit seiner Familie: Pook, Donat und Seraina Nussbaumer (v. l.).

Remo Nägeli
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Als Achtjähriger gewinnt Raphael beim Schweizer Jugend Musikwettbewerb als jüngster Teilnehmer den 1. Preis. Diesen Mai schafft er es beim renommierten Menuhin-Wettbewerb, der wegen der Pandemie nicht in den USA, sondern online ausgetragen wurde, in den Halbfinal. «Wir fördern Raphael, der Spass soll jedoch im Vordergrund stehen», sind sich die Eltern Donat und Pook Nussbaumer einig. So haben in dessen Alltag auch Hobbys Platz: Fussball, gamen, nähen oder mit Kollegen oder Schwester Seraina, 19, herumblödeln – «umelöle», wie er es nennt.

Junge Talente Sammelstory. Raphael Nussbaumer Wunder-Geiger aus Altendorf. Bild © Remo Naegeli

Nähen gehört zu Nussbaumers Hobbys. Dabei ist er genau so perfektionistisch und präzise wie beim Violinespielen. 

Remo Nägeli

Der 15-Jährige, der die Talentklasse in Lachen SZ besucht und neben Klassik gern Metal hört, hat stets einen guten Spruch auf Lager. Der Spass hört aber auf, wenn es um seine Leistung geht: «Ich bin sehr selbstkritisch und genau – ein ziemlicher Perfektionist.» Raphael ist musikalisch der präzise Techniker, Schwester Seraina, die ebenfalls Geige spielt, mags eher Freestyle. Eine Szene aus dem Alltag unterstreicht das: «Wenn ich etwas nähe, brauche ich ewig, bis alles perfekt abgemessen ist. Seraina ist dann jeweils schon fertig.» Doch Raphaels Perfektionismus ist auf dem Weg zu seinen musikalischen Zielen ein guter Begleiter. Sein Traum: in der Carnegie Hall in Manhattan auftreten. Nicht einmal. «Erst wenn man mehrmals dort auf der Bühne steht, hat mans richtig geschafft!»

Kimmy Repond, 14, Eiskunstläuferin

Junge Talente Sammelstory. Eiskunstläuferin Kimmy Repond ist das groesste schweizer Talent der Schweiz Bild © Remo Naegeli

Mit vier Jahren das erste Mal auf dem Eis. Heute gehört die Baslerin Kimmy Repond, 14, zu den Weltbesten ihrer Altersstufe.

Remo Nägeli

«Ich kanns kaum erwarten, wieder aufzutreten»

Um 5.20 Uhr läutet ihr Wecker. «Früh aufstehen ist das Einzige, was mir manchmal schwerfällt», sagt Kimmy Repond, 14. Die Baslerin tut viel für ihren Traum der Eiskunstlaufkarriere, ihr Tag ist durchgetaktet: Eistraining, Frühstück, zweite Eiseinheit. Mittagessen in Mamas Auto. Am Nachmittag geht Kimmy in die Schule, ins britische Gymnasium, bevor Fitnesstraining oder Regeneration ansteht. Sonntags ist Ruhetag. Heisst bei Kimmy: Mit Schwester Caline, 7, tobt sie sich bei Tiktok-Tänzen, im Trampolinpark oder in der Badi aus.

Junge Talente Sammelstory. Eiskunstläuferin Kimmy Repond ist das groesste schweizer Talent der Schweiz Bild © Remo Naegeli

Inmitten von Fotos und Auszeichnungen relaxt Kimmy Repond in ihrem Zimmer zu Hause in Basel mit Büsi Marie.

Remo Nägeli

«Wir bremsen Kimmy nicht, damit würden wir sie nur unglücklich machen», sagt Mutter Claudia. Die Juristin hat Erfahrung im Organisieren von Sportlaufbahnen: Bereits die älteren Töchter waren Eisläuferinnen, eine ist nun Kimmys Konditions- und Mental-, die andere ihre Techniktrainerin. «Kimmy ist klar die Ehrgeizigste der Familie», sagt Vater René, für den es nicht immer einfach ist, dem grossen Antrieb seiner Tochter gerecht zu werden. Der Unternehmensberater erinnert sich an Familienferien in Mexiko, als es Kimmy kaum aushielt ohne Training. «Ich musste ihr hoch und heilig versprechen, dass sie nie mehr drei Wochen in die Ferien muss!»

Junge Talente Sammelstory. Eiskunstläuferin Kimmy Repond ist das groesste schweizer Talent der Schweiz Bild © Remo Naegeli

Mit ihrer jüngeren Schwester Caline, 7, macht Kimmy gerne für Videos für Social Media.

Remo Nägeli

Kimmy hat in ihrer Altersstufe fast alles gewonnen. Für ihr Debüt auf grosser Bühne, bei den Schweizer Elite-Meisterschaften oder der Junioren-WM, war sie zu jung – und heuer kam die Pandemie dazwischen. «Ich kanns kaum erwarten, wieder aufzutreten. Dafür trainiere ich!», sagt Kimmy, die schon bei der Show «Art on Ice» auftrat und über 100 000 Instagram-Follower hat. Ihre grösste Konkurrenz: die russischen Läuferinnen. Im Gespräch gehts denn auch mehrfach um Russland. Repond liebäugelt mit einem Umzug ins Eiskunstlaufmekka. Trotz den als schonungslos geltenden Trainingsmethoden – oder gerade deswegen. Für ein Trainingslager willigten die Eltern ein, ein Umzug kommt für sie aber nicht infrage. Also will Kimmy, die später Ärztin werden möchte, möglichst schnell die Schule abschliessen und macht zwei Gymi-Jahre in einem. «Wenn ich die Matura habe, darf ich gehen, gäll Mami?!» Bis dahin ist das ihre Motivation, wenn wieder um 5.20 Uhr der Wecker klingelt.

Diego Simone, 16, Unternehmer

Junge Talente Sammelstory. jungunternehmer Diego Simone gruendete mit 13 sein unternehmen. Bild © Remo Naegeli

Mit 13 gründete der Basler Diego Simone sein erstes Unternehmen. Heute führt er die Firma Infinity Media mit Büro in Basel.

Remo Nägeli

«Ich wollte schon immer mein eigenes Ding durchziehen»

Nach der Schule zog Diego Simone, 16, jeweils Jeans und T-Shirt aus, streifte Hemd, Pullover oder Jackett über. «Als mentale Unterstützung des Wechsels» – der Verwandlung vom Schüler zum Chef. Diego ist Unternehmer. Mit 13 Jahren gründet der Basler die erste Firma, heute führt er die Digitalisierungs- und Online-Marketingagentur Infinity Media GmbH mit einer Handvoll Mitarbeitern. Das ist so speziell, dass nicht mal die Behörden damit umzugehen wussten: Er als Minderjähriger ist gar nicht zeichnungsberechtigt. «Erst mit Umwegen, Verzögerungen und dem Einverständnis meiner Eltern und etlichen Nachweisen stand meine Firma.»

Die Eltern unterstützen Diego, fahren ihn auch zu Terminen. Der Vater, Inhaber eines KMUs, ist Vorbild für seinen Sohn, der aber auch zu Tech-Mogulen wie Elon Musk hochschaut. «Ich wollte schon immer mein eigenes Ding durchziehen. Natürlich wusste ich damals nicht, was es alles mit sich bringt.» Viel Verantwortung, wenig Schlaf. Er arbeitet fast nonstop für sein Business – während er gleichzeitig bis vor Kurzem noch die Sekundarschule besuchte. Diegos Zimmer unterscheidet sich nur minimal von seinem Büro. Das Wort Work-Life-Balance mag der Teenager, der mit elf Jahren seinen ersten Computer gebaut hat, nicht. Für ihn sind Mitarbeiter und Kunden Kollegen, die Arbeit ist sein Hobby. Ins Fitness geht er denn auch weniger, um von der Arbeit abzuschalten. «Ich bin leistungsfähiger im Job, wenn mein Körper fit ist.»

Junge Talente Sammelstory. jungunternehmer Diego Simone gruendete mit 13 sein unternehmen. Bild © Remo Naegeli

Wenn Diego Simone nicht in der Schule oder im Büro arbeitet, trainiert er im Fitnesscenter, um auch für den Job noch leistungsfähiger zu sein.

Remo Nägeli

Diegos Konsequenz bereitet den Eltern schon ab und zu etwas Sorge: «Manchmal wünschte ich mir, dass er seine Jugend unbeschwerter geniessen könnte», sagt Vater Daniele, «andererseits ist es das Schönste, dass er schon weiss, was er in seinem Leben machen möchte.» Wer nun denkt, Diego sei seit je so diszipliniert gewesen, irrt. Es gab eine Zeit, da verbrachte er bis sechs Stunden am Tag mit Gamen. «Bis ich merkte: Was bringt mir das fürs Leben?» Er löscht alle Spiele, doch der Onlinewelt bleibt der Digital Native treu. Bis heute. Nun hat er die Sek abgeschlossen und wagt den nächsten Schritt – und lässt die Freizeitkleider vermehrt ganz im Schrank.

Junge Talente Sammelstory. jungunternehmer Diego Simone gruendete mit 13 sein unternehmen. Bild © Remo Naegeli

Simone in seinem Basler Büro – wo er nun, nach seinem Schulabschluss, noch mehr Zeit verbringen wird. 

Remo Nägeli
Von Sarah van Berkel am 20.07.2021
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