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Stéphanie Berger unterstütz Sohn mit Therapie

«Giulien steht in der Schule ständig unter Druck»

Stéphanie Bergers Sohn Giulien hat Mühe, sich in der Schule längere Zeit zu konzentrieren. Das soll sich ändern. Im Gespräch mit schweizer-illustrierte.ch redet die Comedian darüber, worum es bei der Tomatis-Methode geht und welche Fortschritte ihr Sohn bereits erzielt hat.

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Das gleiche strahlende Lächeln: Stéphanie Berger und ihr Sohn Giulien.

Instagram/Stéphanie Berger

Die Schweizer Schulen sind wegen der Corona-Krise seit Montag für mehrere Wochen geschlossen. Das ist Giulien, 10, ganz recht. Der Sohn von Komikerin Stéphanie Berger, 42, stösst mit den Anforderungen der Mittelstufe immer wieder an seine Grenzen.

Die sogenannte Tomatis-Methode, eine Horchtherapie, die der französische Arzt Alfred Tomatis entwickelt hat, soll das ändern. Mutter und Sohn sind bis jetzt begeistert davon. Wir wollten mehr darüber erfahren.

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Frau Berger, weshalb schicken Sie Giulien in die Tomatis-Therapie?
Die Schule ist grundsätzlich viel zu schnell für Giulien und er hat Mühe damit, sich längere Zeit zu konzentrieren.

Wie funktioniert diese Therapie konkret?
Kurz gesagt handelt es sich um ein Hörerziehungsprogramm. Wir verarbeiten wahnsinnig viele Sinneseindrücke über das Ohr. Ist die Verständigung zwischen Ohr und Gehirn getrübt, kann das zu Lern- und Kommunikationsschwierigkeiten führen.

«Giulien hört auf einem Ohr nicht so gut. Das macht ihn schnell müde.»

Hat ihr Sohn denn Schwierigkeiten beim Hören?
Ja, das wussten wir anfangs auch nicht. Bei den Abklärungen durch die Tomatis-Therapeutin haben wir festgestellt, dass Giulien auf einem Ohr nicht so gut hört. Das macht ihn schnell müde.

Wie lässt sich das ändern?
Die Tomatis-Methode zielt darauf, die neuronalen Vernetzungen im Hirn mit Hilfe von Klangkontrasten umzupolen und so zu regulieren, dass man sich besser fokussieren und konzentrieren kann.

Das tönt jetzt sehr technisch. Was heisst das in der Praxis?
Eine klassische Tomatis-Sitzung bei einer ausgewiesenen Therapeutin oder einem Therapeuten dauert jeweils zwei Stunden. In einem ersten Block absolviert man täglich (ausser am Sonntag) während 15 aufeinanderfolgenden Tagen ein zweistündiges Horchtraining.

Ist das nicht ziemlich zeitaufwändig?
Doch, ist es und das sollte man im Vorfeld auch gut einplanen.

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Giulien kommt ab und zu auch in Mamas Insta-Story vor.

Instagram/Stéphanie Berger

Und wie geht es weiter? 
Nach dem ersten Horch-Trainingsblock gibt es eine Pause, damit das Hirn die neuen Impulse verarbeiten kann. Im Anschluss daran folgt ein zweiter Block mit weiteren Klangeffekten.

Wie muss man sich diese Klangeffekte vorstellen?
Die Abläufe sind total individuell eingestellt. Also Giulien hört nicht dasselbe wie ich zum Beispiel. Ich höre übrigens überdurchschnittlich gut und mein Programm dauert daher nur eine Stunde. Es kommen Instrumentaltöne vor, Menschenstimmen, klassische Musik und so weiter. Wichtig ist der Überraschungseffekt für Ohr und Gehirn. Deshalb wird auch mit unterschiedlichsten Frequenzen gearbeitet.

Ist das nicht furchtbar anstrengend?
Nein, im Gegenteil: Das Zuhören ist extrem entspannend. Ich lege mich mit den Kopfhörern meist hin und schlafe fast ein (lacht). Damit Kinder zwei Stunden lang den Kopfhörer anbehalten, lässt man sie spielen. Es hat eine riesige Auswahl an Spielmöglichkeiten. Giulien geht auch deshalb wahnsinnig gern dort hin.

«Seit mein Sohn in der Schule ist, steht er permanent unter Druck. Der Fokus liegt dabei weitgehend auf seinen Defiziten.»

Wie erleben Sie Giulien nach einer solchen Sitzung?
Die Klangimpulse wirken zwar auf der einen Seite entspannend, auf der anderen Seite arbeiten Hirn und Ohr auf Hochtouren und es ist wie wenn man einen Marathon läuft. Giulien ist danach meist während eineinhalb Stunden voller Energie und dann wird er müde.

Mag er dann noch Hausaufgaben erledigen?
Nein, das macht keinen Sinn und wäre sogar kontraproduktiv. Die Tomatis-Therapeuten empfehlen, dass man in dieser Zeit von den Hausaufgaben suspendiert wird.

Sie befinden sich gerade in der Regenerationsphase dieser Therapie, welche aufgrund der Corona-Krise wohl noch eine Weile andauern wird. Konnten Sie bereits eine Veränderung feststellen?
Ich sehe, dass Giulien unglaublich zufrieden ist. Er wirkt viel ausgeglichener – und ist topmotiviert.

Bei diesem Aufwand ist die Therapie sicher nicht ganz günstig. Darf ich fragen, was es kostet?
Ungefähr 4500 Franken. Die Kosten werden allerdings von der Krankenkasse übernommen, sofern man eine alternative Zusatzversicherung für sein Kind hat.

Worüber staunen Sie am meisten?
Diese Therapie erzielt weltweit riesige Erfolge und doch ist sie in der Schweiz nahezu unbekannt. Das finde ich krass! Und ich wundere mich immer mehr über unser Schulsystem.

Meinen Sie den wachsenden Leistungsdruck mit immer höheren Anforderungen?
Genau. Seit mein Sohn in der Schule ist, steht er permanent unter Druck. Der Fokus liegt dabei weitgehend auf seinen Defiziten. Das kannst du nicht, das solltest du so machen usw. Also rennt man als Mutter von einer Nachhilfestunde zur nächsten und klappert sämtliche Therapieangebote ab. 

Eigentlich müsste sich das System ändern und nicht unsere Kinder.
Absolut! Ich wäre sofort dabei! Bis es so weit ist, versuche ich mein Kind so gut es geht, zu unterstützen.

Sollte Ihr Sohn sich nach Abschluss der Therapie viel besser konzentrieren und in der Schule mithalten können...
... dann küsse ich den Boden.

Wie Komikerin Stéphanie Berger auf die Schliessung der Schulen am 16. März reagiert hat, seht ihr in diesem Video:

Von Maria Ryser am 21.03.2020
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