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Melanie Oesch übers Muttersein

«Ich muss meine Ansprüche zurückschrauben»

Seit Ende März ist Melanie Oesch Mami von Söhnchen Robin. Der Mutterschaftsurlaub ist mittlerweile vorbei und die erfolgreiche Musikerin wieder am Arbeiten. Die Jodlerin von Oesch's die Dritten verrät, welche Situationen sie fordern und wie ihr Baby sie zum Lachen bringt.

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Während des Lockdowns wurde Melanie Oesch zum ersten Mal Mami. «Wenn wir von der Coronakrise nicht gewusst hätten, hätten wir im Spital davon kaum was gemerkt. Wir hatten so Glück.»

Fabienne Bühler

Melanie Oesch, wieso ist jetzt der richtige Zeitpunkt für unser Telefongespräch?
Den Abend kann ich noch am besten einteilen, um etwas zu erledigen. Es ist die abschätzbarste Zeit des Tages, ohne dass ich jede halbe Stunde noch etwas anderes tun muss.

Das heisst, Baby Robin ist noch wach?
Jetzt gerade ja. Meistens schläft er zwischen acht und neun Uhr ein. Aber es gibt natürlich Ausnahmen, wenn zum Beispiel Besuch hier ist.

Sind Sie eine Mutter, die auf einen Schlafrhythmus achtet?
Wenn wir daheim sind, probiere ich einen Rhythmus beizubehalten. Plus-minus eine halbe Stunde klappt das gut. Tagwache ist immer zwischen sechs und halb Sieben.

Ist das eine angenehme Zeit für Sie?
Ja sehr. Ich bin eine Frühaufsteherin. Zuvor bin ich sogar noch früher aufgestanden, weil ich dann am produktivsten bin. Seit Robin da ist, muss ich vieles auf den Abend schieben oder in die Nacht. Mit einem Schläfchen tagsüber, geht das auch. Vieles ist bei mir Einstellungssache und durch die Konzerte bin ich mir einiges gewohnt.

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Sie waren hochschwanger, als der Lockdown kam. Wie hat das Ihre Vorfreude auf die Geburt beeinflusst?
Es hat meinen Partner Armin und mich schon beschäftigt, als wir ein Schreiben von den Berner Hebammen mit Massnahmen und möglichen Szenarien bekommen haben. Im Nachhinein muss ich sagen, dass wir unglaublich gute Fachleute gehabt haben. Ich kann allen Beteiligten nur ein grosses Lob und Merci aussprechen. Wenn wir von der Coronakrise nicht gewusst hätten, hätten wir im Spital davon kaum was gemerkt. Wir hatten so Glück. Dafür bin ich sehr dankbar.

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«Robin entdeckt momentan alles, was er in die Hände nehmen kann», sagt Melanie Oesch über ihren dreimonatigen Sohn.

Instagram/melanieoeschofficial

Konnten Sie spontan gebären?
Ja ich hatte eine spontane und natürliche Geburt. Das Baby in den Armen zu halten, war überwältigend schön! Ich wusste ja nicht, ob es ein Bub oder ein Mädchen wird. Wobei, gegen Ende der Schwangerschaft war ich mir fast sicher, dass es ein Junge wird.

Wie kamen Sie auf den Namen Robin?
Der Name war schon lange unser Favorit. Nicht zu lang, nicht zu grob. Irgendwann schaute ich nach der Bedeutung. Robin heisst der Lichtbringende. Und der Name lässt sich überall gut aussprechen, wie ich nun im Nachhinein gemerkt habe.

Ihr Baby ist drei Monate alt. Welche Phase durchlebt es gerade?
Robin entdeckt momentan alles, was er in die Hände nehmen kann. Greifen und Dinge in den Mund nehmen. Wenn er tagsüber etwas beobachten kann, das er noch nie gesehen hat, ist er happy. Dann vergisst er manchmal sogar zu schlafen.

Ihren Mutterschaftsurlaub hatten Sie im Lockdown. Wie war das?
So schlimm die Situation auch war, so viel Schönes durften wir als junge Familie erleben. Wir gingen oft in die Natur. Das tat Robin sehr gut. Auch der Besucheransturm von jenen, die noch schnell was bringen oder fragen wollten, blieb aus. Wir hatten die Zeit wirklich für uns.

Hatten Sie im Vorfeld etwas Angst, dass viele Fans vorbeikommen, um nach dem Baby zu sehen?
Ich machte mir darüber Gedanken. Unsere Fans wissen zwar mittlerweile, dass wir es nicht gerne haben, wenn sie uns zu Hause belagern. Wir brauchen einen Ort, an dem wir auftanken und kreativ sein können. Abgesehen davon haben wir auch ein grosses Umfeld. Ich hatte schon Respekt davor, all die Besuche zu koordinieren. Mit der Coronakrise erübrigte sich das und die Besuche ergaben sich erst «naa dis naa».

Was sind die Herausforderungen als Neo-Eltern?
Sicherlich eine Tagesstruktur für ihn und für uns zu finden. Und mir fällt auf, dass ich manchmal selber in einem Trott bin. Wenn mir etwas beim Zähneputzen in den Sinn kommt, laufe ich husch herum, um es zu erledigen. Dann denke ich: «Nein, geh zurück ins Badezimmer. Du willst ja nicht, dass dein Kind wie du irgendwann zähneputzend in der Küche herumläuft.» Ich muss mich selber an der Nase nehmen und meine Angewohnheiten hinterfragen.

Was klappt überraschend einfach?
(Lacht) Eigentlich alles. Die Kommunikation ist toll. Ich verstehe Robin sehr gut, weiss, was er braucht oder was er hat. Das finde ich sehr schön. Von Anfang an war es sehr offensichtlich ob er Hunger, eine volle Windel oder Langeweile hat. (Lacht)

Was für Charaktereigenschaften machen sich bei Robin bemerkbar?
Er ist sicher sehr temperamentvoll. Das hat er von uns beiden. Robin ist im Sternzeichen Widder, wie sein Papa, und ich bin Schütze – wir sind alle Feuer im Element. Ansonsten ist er sehr zufrieden und lustig. Ich finde ihn amüsant. Er hat schon sehr viele Grimassen in seinem Repertoire. Manchmal müssen Armin und ich einfach nur lachen. Es ist wirklich herzig.

Brauchten Sie auch einmal beratende Hilfe?
Beim Thema Stillen hat mich meine Wochenbett Hebamme und auch meine beste Freundin sehr unterstützt. Zu Beginn klappte es sehr gut – dann kam ein Taucher. Zusätzlich machte ich mir Gedanken, ob meine Milch ausreicht. Und so kam ich in eine Phase, in der ich sehr unsicher wurde, ob ich es überhaupt kann. Meine Freundin gab mir dann Tipps und sagte «entspann dich und heb Vertroue». Ja, vor allem der Satz, dass ich Vertrauen haben sollte, hat mir persönlich sehr geholfen. Und irgendwie hat es sich dann schnell eingependelt und ich bekam mega Freude am Stillen.

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Mit Baby Robin geht alles überraschend einfach, findet Melanie Oesch. Nur: «Ich bin immer wieder mit mir selber im Clinch, weil ich mir zu viel vornehme.»

Fabienne Bühler

Sie haben mittlerweile auch wieder vereinzelte Auftritte. Am Donnerstag, 16. Juli sind Oesch's die Dritten im «Donnschtig Jass» zu Gast. Wie machen Sie es da?
Es ergab sich eine Zusammenarbeit mit der Elvie-Pumpe. Ich durfte diese testen und es funktionierte sofort super, auch wenn ich die Gebrauchsanleitung nicht wirklich gelesen hatte. Weils so gut klappte, nahm ich zu unserem Auftritt am selben Abend nur die neue Pumpe mit, während Robin mit seinem Papa Zuhause blieb. Ich hatte Glück, es funktionierte wieder, sicherlich auch danke der dazugehörigen App.Abzupumpen gibt mir Unabhängigkeit und Armin die Möglichkeit, Robin das Fläschchen zu geben. Für alle Kombinationen ist es gut und schön.

Fällt es Ihnen einfach, Robin nicht bei sich zu haben?
Die ersten Male war es schon sehr emotional. Dass er entweder mit seinem Papa oder bei den Grosseltern ist, macht es mir leichter. Alle sind im selben Haus. Die wirkliche Fremd-Betreuung kenne ich noch nicht.

Ihr Mutterschaftsurlaub ist vorbei. Ist es ein Segen, dass Sie selbständig in einem Familienbetrieb sind?
Jein. Meine Familie und unser Team haben mir sehr viel abgenommen. Allerdings sind unsere Jobs ja nicht doppelt besetzt, weshalb ich bei gewissen Aufgaben langsam wieder mehr Verantwortung übernehme. Ich konnte sanft wieder einsteigen. Andererseits empfinde ich das Mischen von Privat und Arbeit daheim als sehr schwierig. Mit Baby und Haushalt bestehen tagsüber einfach viele Ablenkungsgründe von der Arbeit. Das ist noch schwierig.

Hand aufs Herz. Auf was waren Sie gar nicht vorbereitet?
(Lacht) Ich bin immer wieder mit mir selber im Clinch, weil ich mir zu viel vornehme. Wenn ich dann nicht alles schaffe, bin ich unzufrieden mit mir. Ich frage mich dann, was ich falsch gemacht habe. Dabei muss ich mir diesbezüglich einfach bisschen Zeit lassen. Ich habe heute die Zeit, um Sachen zu erledigen nicht mehr an einem Stück wie früher. Dies zu akzeptieren, braucht von mir grosse Flexibilität. Ich muss öfters meine hohen Ansprüche zurückschrauben und mir sagen, dass es auch anders geht.

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Der Mutterschaftsurlaub von Melanie Oesch ist vorbei und sie steht mit Oesch's die Dritten wieder auf der Bühne – unter anderem am 16. Juli im «Donnschtig Jass».

Kurt Reichenbach

Über was tauschen Sie sich mit anderen Müttern aus?
«Was ziehst du deinem Kind an?» – mit dieser Frage habe ich mich zu Beginn sehr gestresst. Es heisst zwar stets eine Schicht mehr, als die Erwachsenen tragen. Doch von wem gehe ich aus? Von mir oder meinem Partner? Mittlerweile verlasse ich mich auf mein Gefühl. Aber generell tat sich durch das Baby eine Riesenwelt auf. Aktuell werde ich mit Werbung von Windelabos bombardiert.

Und Robin wiederum wurde mit Geschenken überflutet?
Es war schon sehr viel, überwältigend viel. Ich war immer wieder gerührt beim Postaufmachen. Vieles war so herzig. Kinder, die direkt an Robin geschrieben haben. Anfangs stellte ich jedes Kärtchen auf, dann tapezierte ich Robins Zimmertüre damit. Mittlerweile sind es zu viele. Die meisten sind nun in einer schönen Box, da ich keine wegwerfen kann – da bin ich ein Freak.

Unter all den Geschenken – auf was schwören Sie nun als Mutter?
Nuschis in allen Varianten, Farben und Formen. Ohne die geht nichts. Und wir haben einen Schlafsack für Robin aus Merinowolle, den er sehr mag.

Und was brauchen Sie für sich?
Vor etwa drei Jahren lernte ich einen pensionierten Apotheker kennen. Er heisst auch Oesch und hat vor Jahren, als einer der Ersten in der Schweiz, einen homöopathischen Erste-Hilfe-Spray entwickelt. Der hilft gegen Stiche, Halsweh, Husten, Sonnenbrand und Verbrennungen – lässt sich innerlich wie äusserlich anwenden. Deshalb habe ich ihn nun immer in der Wickeltasche dabei – also für mich, nicht für das Bébé.

Haben Robin und Sie schon ein Ritual?
Ich singe sehr viel für ihn. Einerseits, weil ich es gerne mache und andererseits ist er sowieso dabei, wenn ich Stücke übe. Wenn es ihm besonders gefällt, wiederhole ich es nochmals oder ändere es ein bisschen ab. Ich finde es jetzt schon cool, wie er alles wahrnimmt und anschaut, was ich ihm zeige oder erzähle.

Von Aurelia Robles am 15.07.2020
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