1. Home
  2. Family
  3. Familien-Geschichten
  4. Vor einem Jahr starb Donghua Lis Sohn Janis

Vor einem Jahr starb der Sohn von Donghua Li

«Janis hat all seine Legos in den Keller getan»

Das Drama hat die ganze Schweiz beschäftigt: Vor einem Jahr starb Donghua Lis Sohn Janis innert weniger Tage an Krebs. Der trauernde Vater erinnert sich an zwei besondere Begebenheiten kurz vor dem Tod seines geliebten Kindes.

Placeholder

Donghua Li und mit seinem geliebten Sohn Janis.

Donghua Li

Donghua Li ist passiert, was alle Eltern am meisten fürchten: Er hat sein Kind verloren. Janis ist genau vor einem Jahr im Alter von sieben Jahren gestorben.

Wegen akuter Bauchschmerzen hat der Vater seinen Sohn am 16. August 2019 zum Arzt gebracht, von dort wurde Janis sofort ins Spital verlegt. Die Diagnose: ein unbekannter Krebstumor. Vier Tage später war Janis tot.

«Ich glaube, Janis spürte, dass seine Zeit gekommen ist», sagt der 52-Jährige zu «Blick». Wut und Trauer, die der ehemalige Olympiasieger im Pauschenpferd in den ersten Monaten nach Janis Tod gespürt habe, würden mehr und mehr tiefer Dankbarkeit weichen.

Mehr für dich

Im Zimmer von Janis nichts verändert

Er habe im Zimmer seines Sohnes in diesen 365 Tagen nichts verändert. «Die ersten Wochen dachte ich immer, Janis kommt jeden Moment in die Wohnung, rennt in sein Zimmer und spielt. Nun weiss ich, dass dies nie mehr der Fall sein wird.»

Zu Beginn habe Li sich auch überlegt, die Eigentumswohnung in Adligenswil LU aufzugeben. Doch er bleibt: «Die Erinnerungen an meinen Sonnenschein Janis sind in jedem Winkel, ich fühle mich heute wohl hier in unserer Oase, es fühlt sich für mich nicht mehr nur traurig an.»

Quälende Fragen zur Todesursache

Der Tod des kleinen Janis beschäftigte auch die Luzerner Staatsanwaltschaft, die Kriminalpolizei und die Rechtsmedizin. Es wurde daher eine Obduktion angeordnet. Der Schweizer mit chinesischen Wurzeln hegte grosse Hoffnung, im Bericht Antworten auf seine quälenden Fragen zu finden. 

Besonders verstörend für den Vater war, dass die bösartigen Tumore in der Leber mit Ablegern in anderen Organen gemäss den Ärzten gut behandel- und heilbar gewesen wären. Doch kurz nach der Operation verlor Janis das Bewusstsein und starb.

Die Autopsie ergab, dass sein Bauch voller Blut gewesen sei. «Mein Liebster ist nicht einfach nur an Krebs gestorben, sondern innerlich verblutet.» Der Obduktionsbericht hält klar fest, dass die behandelnden Ärzte keine Schuld trifft. Konsterniert sagt Li auch heute noch: «Mir wurde sehr viel erklärt, doch eine Erklärung bekam ich nicht.»

Placeholder

Heilende Kraft findet der Schweizer Turner mit chinesischer Herkunft in seinem buddhistisch-christlichen Glauben.

Fabienne Bühler

Der Glaube und seine Tochter schenken ihm Kraft

In Wut und Enttäuschung verharren mag der früher stets strahlende Turner aber nicht. «Ich mache mir sehr viele Gedanken. Merke, wie meine Wut und Trauer immer mehr von Dankbarkeit abgelöst werden. Dass ich sieben Jahre lang meinen Engel Janis an meiner Seite haben durfte, ist ein Geschenk.»

Heilende Kraft findet Li in seinem buddhistisch-christlichen Glauben. «In meinen Gebeten konnte ich Ruhe finden und neue Hoffnung schöpfen.»

Eine Stütze ist ihm auch Tochter Jasmin, 23, aus erster Ehe. Sie gab ihrem Halbbruder noch den Schulthek mit einem kleinen Drachen. Nur einen Tag vor seinem Tod, wäre Janis in die 1. Klasse gekommen.

«Jasmin hat auch sehr gelitten. Sie konnte sich die letzten Monate in ihrem Studium nicht mehr konzentrieren. Auch sie leidet immer noch stark. Wir sitzen oft zusammen, schauen uns Fotos und Videos von uns dreien an. Es sind Momente, wo wir uns stark als Familie spüren.»

Placeholder

Donghua Li mit Sohn Janis und Tochter Jasmin.

ZVG

«Janis spürte, dass seine Zeit gekommen ist»

Rückblickend erinnert sich der trauernde Vater an zwei Begebenheiten kurz vor Janis Tod, die ihm erst viel später aufgefallen sind.

Janis habe es geliebt, viele Spielsachen um sich zu haben. «Etwa zwei Wochen vor seinem Tod hat er all seine Legos, die er so liebte, und anderes in den Keller getan. Ohne das zu erklären». 

Ein paar Tage später sei er am Zimmer seines Sohnes vorbeigegangen. «Er sass auf seinem kleinen blauen Stuhl, sah aus dem Fenster heraus und war dabei ganz ruhig. Etwas, das Janis so nie machte.» Donghua Li deutet es so:«Ich glaube, Janis spürte, dass seine Zeit gekommen ist.» 

Placeholder

Donghua Li und sein Janis verbrachten viel Zeit auf dem Wasser.

Donghua Li

Mit dem Boot auf den See

Am heutigen ersten Todestag wird Donghua Li das Grab seines Sohnes besuchen und danach mit seinem Boot auf den Vierwaldstättersee fahren. «Janis hat die Freiheit, die wir da verspürten, auch so genossen.»

Dann werde er nach Hause gehen, sich in Janis' Zimmer setzen und in Gedanken mit seinem geliebten Sohn sprechen.

Von Maria Ryser am 20.08.2020
Mehr für dich