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Brief an den trauernden Vater

Lieber Donghua Li, ich bin erschüttert

Der Sohn von Olympiasieger Donghua Li ist völlig unerwartet an Krebs gestorben. Janis wurde nur sieben Jahre alt. Family-Redaktorin Maria Ryser ist erschüttert und wendet sich in einem offenen Brief an den trauernden Vater.

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Schwerer Schicksalsschlag: Olympiasieger Donghua Li hat seinen Sohn Janis verloren.

plainpicture/Harald Braun
Maria Ryser
Maria Ryser

Journalistin und Mutter einer erwachsenen Tochter und zweier Söhne.

Lieber Donghua Li

Ihr Sohn Janis ist am Dienstagabend gestorben. Völlig unerwartet. Er hatte gegen Ende letzter Woche Bauchschmerzen. Ihr seid zum Arzt gegangen, von dort sofort ins Spital. Die Diagnose: Krebs in fortgeschrittenem Stadium. Nur wenige Tage später ist Ihr Kind tot. Janis war erst sieben Jahre und drei Monate alt.

Die unendlich traurige Nachricht hat mich heute Donnerstagmorgen am Arbeitsplatz erreicht. Ich bin sofort in Tränen ausgebrochen und konnte den Text meines Kollegen André Häfliger zunächst gar nicht zu Ende lesen. Ich suchte nach einer Form und Worten, die nicht platt und abgedroschen daherkommen, und habe mich daher für einen offenen Brief entschieden.

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Das Schlimmste, was einem Vater passieren kann

Warum geht mir der Tod Ihres Sohnes überhaupt so nahe? Todesnachrichten gehören schliesslich zu meinem Alltag als Online-Journalistin. Ständig stirbt jemand. Manchmal bin ich betroffen, manchmal reagiere ich zynisch. Doch noch nie bin ich in Tränen ausgebrochen. Nie.

 

«Sie hatten kaum Zeit sich zu verabschieden. Diese gnadenlose Zeit, die in einem solchen Augenblick doch still stehen muss, und der man entgegenschreien will: Stop! Nimm mir mein Kind nicht weg! Nicht jetzt! Nicht so jung!»

Die Antwort ist einfach: Ich bin selbst Mutter eines siebenjährigen Sohnes. Allein die Vorstellung, dass mich ein solcher Schicksalsschlag treffen könnte, zerrt mir den Boden unter den Füssen weg. Sein Kind zu verlieren, ist das Allerschlimmste, was einer Mutter, einem Vater passieren kann.

Kaum Zeit, sich zu verabschieden

Unvorstellbar auch, wie sich alles abgespielt hat: Es ging so rasend schnell! Ein scheinbar gesunder, fröhlicher Bub bekommt Bauchschmerzen. Das hat doch jedes Kind ab und zu. Da denkt man doch nicht gleich ans Sterben! Und dann zack, Krebs, zack, tot! 

Sie hatten kaum Zeit, sich zu verabschieden. Diese gnadenlose Zeit, die in einem solchen Augenblick doch still stehen muss, und der man entgegenschreien will: Stop! Nimm mir mein Kind nicht weg! Nicht jetzt! Nicht so jung! Es gehört in meine Arme. Lass es mich wiegen. Reiss es nicht weg!

Und wenn, dann nimm mich mit, du grausamer Tod! Mein Kind braucht mich. Ich kann es nicht in einen Sarg und in die kalte Erde legen. Dort friert es doch!

Eine Erinnerung, die alles überstrahlt

Und dann ist da noch etwas: Sie erzählten meinem Kollegen von der Fahrt ins Kinderspital Luzern. Janis hatte Lust auf ein «Happy Meal» im McDonald's. Sie sagten: «Wir waren schon fast im Spital angekommen, da kehrte ich um, und wir genossen zusammen das Mittagessen. So, wie es sich Janis gewünscht hatte.» Dazu ein Donut, den Ihr Sohn nicht mehr fertig essen mochte. Er tat das dann im Spital.

Auf den ersten Blick eine harmlose Erinnerung. Doch sie überstrahlt in ihrer schlichten Schönheit alles, sagt alles, wo Worte sonst verstummen. Wissen Sie, was mich daran so berührt? Es ist Ihre Liebe. Ihre vollkommene und grenzenlose Liebe für Ihren Sohn. Dafür, dass Sie diese Liebe mit uns teilen, möchte ich Ihnen aus tiefstem Herzen danken.

Lieber Donghua Li, ich trauere mit Ihnen und Ihrer Familie und wünsche Ihnen viel Kraft.

Herzlichst, 
Ihre Maria Ryser

Von Maria Ryser am 22.08.2019
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