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Sein Glück ist nicht nur aus Olympiagold

Loïc Meillard: «Am Ende ist die Familie das Grösste!»

Loïc Meillard hat das Olympiapodest dreimal erklommen. Als letzter Schweizer Skirennfahrer hat er sich selbst mit Gold belohnt. Für ihn, der bald erstmals Vater wird, ist die Familie jedoch viel wertvoller.

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<p>Mit Lebenspartnerin Zoé Chastan erwartet Meillard sein erstes Kind. «Wir freuen uns riesig!»</p>

Mit Lebenspartnerin Zoé Chastan erwartet Meillard sein erstes Kind. «Wir freuen uns riesig!»

Roger Hofstetter

Eineinhalb Kilogramm trägt Loïc Meillard um den Hals. «Die sind schwer! Sie an- und auszuziehen, ist wie Armtraining!», sagt der Romand aus Hérémence VS lachend. Im Hotel Nevada muss die Schweizer Illustrierte sich mit ihm ein wenig verstecken – das ganze Erdgeschoss ist an diesem Abend überfüllt mit feiernden Gästen, die ihren Schweizer Helden zelebrieren wollen. Denn was für ein krönender Abschluss für die Ski-Alpin-Herren und was für ein Tag für Loïc Meillard! Wie von Allmen und Odermatt kehrt er mit einer riesigen Ausbeute zurück nach Hause, drei Medaillen – der komplette Satz.

<p>Hobbyfotograf ­Meillard hat ein gutes Auge. Mit einer analogen Einwegkamera verewigt er Teamkombi-Silber, Riesenslalom-Bronze und Slalom-Gold.</p>

Hobbyfotograf Meillard hat ein gutes Auge. Mit einer analogen Einwegkamera verewigt er Teamkombi-Silber, Riesenslalom-Bronze und Slalom-Gold.

PASCAL MORA

«Es war mein Traum, bei jedem Rennen aufs Podest zu fahren. Dass das funktioniert hat, ist unglaublich! Aber damit rechnen durfte ich nicht», gibt der Überflieger in der ruhigen Ecke des Restaurants einen Stock tiefer zu Protokoll. Nach den beiden WM-Titeln letztes Jahr doppelt er nun mit Slalom-Gold, Teamkombi-Silber und Riesenslalom-Bronze nach.

Und dann kommt da noch die schöne Nachricht dazu, dass Meillard im Sommer mit seiner Freundin Zoé Chastan, Kommunikationsverantwortliche bei Swiss-Ski, ein Baby erwartet. Er strahlt und sagt: «Ich freue mich riesig auf diesen nächsten Schritt im Leben!» Das Geschlecht des Babys weiss das Paar, will es aber nicht verraten.

Eine eigene Familie zu gründen, war schon immer Meillards Traum gewesen. «Ich habe den Sport und arbeite dafür sehr hart, und da gibt es auch viele Emotionen. Aber am Ende ist Familie das Grösste. Und es ist wichtig, auch neben dem Sport etwas zu haben – es ist mir bewusst, dass es nichts Schöneres gibt!» Meillard weiss das aus eigener Erfahrung: Seine Eltern Jacques und Carine sind vom Kanton Neuenburg ins Wallis übersiedelt, als Loïc zwölf und seine Schwester Mélanie zehn Jahre alt waren. Beide Kinder waren skiverrückt, sie sollten beste Trainingsbedingungen erhalten. Zu Mélanie, heute 27, hat er ein inniges Verhältnis.

<p>Papa Jacques ­Meillard verdrückt ein paar Tränen, als sein Sohn zum Slalom-Olympiasieger gekrönt wird.</p>

Papa Jacques Meillard verdrückt ein paar Tränen, als sein Sohn zum Slalom-Olympiasieger gekrönt wird.

PASCAL MORA

Als der Norweger Atle Lie McGrath als letzter Fahrer im zweiten Lauf einfädelt und klar ist, das Meillard Olympiasieger ist, weint Vater Jacques auf der Tribüne in Bormio mit seinem Sohn mit. Berührend für Loïc: «Als Kind willst du deine Eltern immer stolz machen. Sie haben viel für mich und Mélanie getan. Und dann diese Emotionen mit ihnen teilen zu können, ist wunderschön.»

Die Eltern werden am nächsten Morgen nach Cortina reisen, um Mélanie anzufeuern. Für Meillard geht es heim. «Ich werde mich zu Hause einschliessen und niemanden sehen!», erzählt er und lacht. «Und sonst? Auspacken, Wäsche waschen, schlafen. Und dann möchte ich noch Ski fahren gehen oder langlaufen.» Der Pistenheld kriegt nie genug davon. «Stimmt! Ich mag es sehr, einfach für mich Ski zu fahren – ohne den Druck von aussen und ohne Wettkampf.»

<p>Da drehen alle durch: Loïc Meillard sorgt mit seinem Olympiasieg für Ekstase auf der Tribüne im Zielhang in Bormio.</p>

Da drehen alle durch: Loïc Meillard sorgt mit seinem Olympiasieg für Ekstase auf der Tribüne im Zielhang in Bormio.

© PASCAL MORA

Seinen historischen Triumph – er ist der erste Schweizer Slalom-Olympiasieger seit 78 Jahren und erst der zweite überhaupt in dieser Disziplin bei den Herren – begreift er sofort. «Das geht bei mir immer sehr schnell», witzelt er. Er habe eben mehr Vorlaufzeit: Der Slalom ist im Weltcup, bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen immer die letzte Disziplin. «Das ist manchmal ein bisschen gemein! Du musst den anderen immer zuschauen, wie sie sich freuen und feiern. Und selber musst du noch diszipliniert bleiben.» Loïc Meillard war wieder als Letzter am Start – aber ist derjenige, der danach am meisten zu feiern hatte.

Yara Vettiger, Redaktorin Schweizer Illustrierte
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Von Yara Vettiger vor 14 Stunden