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Sängerin ist auch Autorin

Melanie Oesch verrät in ihrem Kinderbuch viel über sich

Einst wollte sie Journalistin werden und nebenbei etwas Musik machen. Gekommen ist es gerade umgekehrt: Melanie Oesch ist ein Volksmusik-Star – und veröffentlicht jetzt ihr zweites Kinderbuch. Was das Baumzwergenmädchen Elin mit ihr gemeinsam hat, verrät die Berner Oberländerin im Interview.

Oesch's die Dritten feiern ihres 20. Jahr Buehnen Jubilaeum. Melanie Oesch. Bild © Remo Naegeli

Melanie Oesch denkt gern an ihre Kindheit zurück und lässt ihre Erinnerungen in die Geschichten rund ums Baumzwergenmädchen Elin einfliessen.

Remo Naegeli

Das kleine Baumzwergenmädchen Elin liebt es, mit ihren Brüdern durch die Wälder des Eriztals im Berner Oberland zu tollen – genau wie einst ihre Schöpferin, die man aus einem ganz anderen Zusammenhang kennt: Volksmusikstar Melanie Oesch von der Familienformation Oesch's die Dritten

In den Büchern «Elin – Das Baumzwergenmädchen» und dem soeben erschienenen zweiten Band «Elin trifft neue Freunde» lässt sie die Protagonistin den gestressten Menschen wieder Freude und Musse ins Herz bringen.

Melanie Oesch, warum schreiben Sie jetzt Kinderbücher?
Schreiben war früher mein Berufswunsch, ich wollte eigentlich einmal Journalistin werden. Jetzt ist es anders gekommen, aber ich habe neben der Musik schon immer auch geschrieben, sei es für unsere Formation Oesch's die Dritten oder Kolumnen für Zeitungen. Dann kam der Verlag Werd & Weber AG auf mich zu, unter anderem wegen unseres Fan-Magazins und mit der Idee eines Kinderbuchs.

Die Idee hatte Ihnen offenbar gefallen …
Und wie! Damit ging für mich ein Traum in Erfüllung! Eine grobe Vorstellung der Geschichte rund ums Baumzwergenmädchen hatte ich schon länger im Hinterkopf gehabt, ich musste sie nur noch zu Papier bringen. Auf unserer Deutschland-Tour 2016 nahm ich mir zwischendurch immer wieder etwas Zeit zum Schreiben.

Melanie Oesch schreibt Kinderbuch über Baumzwergmädchen Elin

Zur Erscheinung des zweiten Abenteuers von Baumzwergenmädchen Elin wurde der erste Band, der seit 2016 erhältlich ist, neu illustriert.

WERD & WEBER AG Buchverlag

Das erste Buch ist 2016 erschienen, im zweiten Band trifft Baumzwergmädchen Elin nun auf Menschen, «die durch die Bergwelt rennen, als wären sie kurz vor Ladenschluss in einem Einkaufszentrum». Haben Sie dieses Thema aufgegriffen, weil Sie sich auch selbst daran stören?
In den Büchern stecken viele Erinnerungen an meine Kindheit, in der ich so viele schöne Sachen erlebt habe, zudem kleine Weisheiten und etwas Fantasie von früher und heute. Meine Eltern und Grosseltern gingen oft in den Wald mit uns, wir hüpften über die grünen Matten, das hat mich extrem geprägt. Ich erinnere mich heute noch täglich an solche Situationen, und es ist mir wichtig, dies weiterzugeben. Heute haben die Kinder so viele Möglichkeiten, können sich im Internet austoben, was natürlich auch wichtig ist. Aber ich hoffe, wir verlieren dadurch den Bezug zur Natur nicht. Ich muss mich da auch selber an der Nase nehmen.

Inwiefern?
Immer will ich noch schnell etwas dazwischen schieben, hurtig noch etwas Zusätzliches erledigen. Anstatt mal innezuhalten und durchzuschnaufen. Vor meinem Bürofenster hat es einen Nussbaum und eine Föhre, dort lassen sich die unterschiedlichsten Vögel wunderbar beobachten. Grad kürzlich setzten sich zwei, drei Meisen aufs Fensterbrett. Als ob sie mir sagen wollten: «Mach mal Pause.»

Und haben Sie den Vögelchen gehorcht …?
Ja, solche Momente sehe ich wie persönliche Botschaften, die nehme ich mir zu Herzen. Und wenns nur eine kurze Pause ist, um mir eine Tasse Tee zu machen, mit den Nachbarn zu plaudern oder für ein paar Schritte an die frische Luft zu gehen. Ich brauche so kleine Ablenkungen – sonst tauche ich in die Arbeit ein und merke erst nach drei, vier Stunden, wie schnell die Zeit wieder vergangen ist.

Melanie Oesch schreibt zweites Kinderbuch über Baumzwergmädchen Elin

«Elin trifft neue Freunde», das zweite Buch von Sängerin und Neu-Autorin Melanie Oesch.

WERD & WEBER AG Buchverlag

Aber wenn Sie auf Tour sind, gehts wohl manchmal gar nicht anders. Was steht bei Oesch's die Dritten an?
Wir sind in die Festivalsaison gestartet, diesen Sommer haben wir ein «Chrüsimüsi»-Programm: Wir treten an Festivals auf, haben Videodrehs, Studiotage, wir werden neue Sachen proben, und kürzlich konnten wir die 4000 Chinesen in Luzern begleiten. Ende Jahr werden wir für Aufnahmen und ein paar Konzerte in Deutschland weilen und im Dezember im Kursaal Bern das Finale unseres neuen Tourneepgramms «Wäutebummler – Heimat im Gepäck» feiern. Aber im Sommer gibts auch Momente zum Durchschnaufen und kreativ sein.

Und vielleicht zum Schreiben an Band 3 von Elins Abenteuern?
Dafür werde ich noch keine Zeit haben, aber irgendwann dann hoffentlich schon wieder. In Klosters GR und Romanshorn TG werde ich die Geschichten am Klapperlapapp Festival erzählen. Kürzlich hatte ich vor einer Schulklasse eine Art Hauptprobe, das hat «hennä» Spass gemacht!

Hilft Ihnen dabei die Bühnenerfahrung als Musikerin?
Ja, die hilft, aber Kinder sind ein ganz anderes Publikum. Sie finden andere Sachen wichtig und lustig.

Haben Sie ein Beispiel dafür?
Beim zweiten Buch habe ich den Schluss der Geschichte bewusst offen gelassen. Die Kinder wollten aber unbedingt wissen, wer der Bösewicht ist. Die Geschichte wäre dann jedoch viel zu lange geworden – und im echten Leben ist das ja auch nicht immer ganz klar.

Woher haben Sie eigentlich den Bezug zu Kindern?
Vor allem durch meine Tätigkeit als Kinder-Skilehrerin während der Gymi-Zeit. Ich habe immer am liebsten die Anfänger unterrichtet, bei ihnen konnte man schnell Resultate sehen, das hat Spass gemacht. Mittlerweile habe ich ein Gottenkind, und einige meiner Freundinnen haben auch schon Kinder. Manchmal kommen sie jetzt zu mir und wollen Elins Geschichten hören.

Wünschen Sie sich irgendwann auch eigene Kinder?
Das wäre schön, aber noch nicht heute und morgen. Ich glaube, das muss man sowieso geschehen lassen.

Von Christa Hürlimann am 8. Juni 2019