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Welche stimmen, welche sind falsch?

Mit diesen Vorurteilen kämpfen Einzelkinder

Sie sind schon uralt und halten sich dennoch hartnäckig: Die Vorurteile gegenüber Einzelkindern. Verwöhnt, unangepasst und selbstsüchtig sollen sie sein. Doch was ist effektiv dran an diesen Klischees? Wir beleuchten die gängigsten Vorurteile.

Einzelkind

Noch immer halt sich das Vorurteil, dass Einzelkinder verwöhnt und egoistisch sind.

Getty Images/fStop
1. Einzelkinder sind egoistisch

Es ist wohl das bekannteste Vorurteil gegenüber Einzelkindern. Weil sie Mami und Papi nicht mit Geschwistern teilen müssen, werden sie automatisch zu kleinen Egoisten. Dieses Klischee wird jedoch von diversen Studien widerlegen. So sollen Einzelkinder sogar kompromissbereiter sein als andere Kinder – weil sie die Angst, zu kurz zu kommen, viel weniger kennen als solche mit Geschwistern.

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2. Einzelkinder sind überbehütet

Es stimmt, dass Mütter, die immer nur ein Kind wollten, ihrem Baby mehr Zuwendung schenken als solche, die weitere Kinder planen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Eltern ihre Kinder überbehüten und ihnen alles abnehmen. Studien besagen gar, dass Einzelkinder, die viel Aufmerksamkeit bekamen, im Erwachsenenalter besonders selbständig sind.

3. Einzelkinder sind Besserwisser

Ist ein Kind hauptsächlich von Erwachsenen umgeben, übernimmt es deren Sprache – was auf manche besserwisserisch und altklug wirkt. Positiv formuliert könnte man sie auch als eloquent bezeichnen. Doch ihr Vokabular wird sich dem der Gleichaltrigen anpassen, sobald sie die Kita, den Kindergarten oder die Schule besuchen. 

4. Einzelkinder haben wenige Freunde

Eine abenteuerliche Behauptung, die von mehreren Wissenschaftlern widerlegt wurde. Einzelkinder sind nicht einsamer als Geschwisterkinder und haben durchschnittlich genau gleich viele Freundinnen und Freunde. Zudem sind sie genauso sozial wie ihre Altersgenossen und besitzen gleich viel Feingefühl.

5. Einzelkinder können nicht teilen

Nun, zumindest daheim müssen sie das schlicht nicht tun. Es gibt schliesslich kein Geschwister, das ihnen das Plüschtier und die Bauklötze streitig machen will. Dass sie nicht teilen können, heisst das aber nicht. Sie müssen es bloss lernen. Und bei einigen Einzelkindern geschieht das eben etwas später. Etwas dann, wenn sie in die Kita oder den Kindergarten kommen. 

6. Einzelkinder müssen immer im Mittelpunkt stehen

Zumindest zuhause tun sie das automatisch. Da es keine Geschwister gibt, die mit ihnen um die Aufmerksamkeit der Eltern buhlen, ist ihnen diese gewiss. Das kann laut Fachpersonen zu schwachen Nebenwirkungen führen: Gemäss dem Magazin der Universität Zürich haben manche Einzelkinder tatsächlich Mühe mit Situationen, in denen sie nicht im Mittelpunkt stehen. Dies jedoch meist nicht in einem Ausmass, das von anderen als störend empfunden wird.

7. Einzelkinder sind unangepasst

Das soll so sein, weil sie sich nicht gegen Geschwister wehren mussten und daheim nicht gelernt haben, sich in eine Gruppe einzufügen und eigene Bedürfnisse hinten anzustellen. Nur: Bloss weil keine Geschwister da sind, heisst das nicht, dass sich Einzelkinder nicht in Gruppen einfügen müssen. Im Gegenteil. Sie müssen sich ihre Spielgefährten aktiv suchen und sind sehr darauf bedacht, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Freundschaften zu pflegen.

8. Einzelkinder sind nicht konfliktfähig

Dieses Vorurteil ist eines der wenigen, das tatsächlich einen wahren Kern hat. Gemäss dem Magazin der Universität Zürich sind Einzelkinder weniger konfliktgewandt als solche, die mit Geschwistern aufwachsen. Ihnen fehle es am täglichen Austeilen und Einstecken, das im Alltag von Geschwisterkindern Gang und Gäbe ist. 

Wenig bis nichts Wahres dran

Es zeigt sich also: An den gängigen Klischees und Vorurteilen über Einzelkinder ist wenig bis nichts dran. Im Grunde auch kein Wunder: Sie sind nämlich mehr als 120 Jahre alt – und wie diverse Studien belegen, längst überholt. 

Die Vorurteile basieren auf Aussagen der US-Psychologen G. Stanley Hall und E. W. Bohannon. Sie behaupteten, Einzelkinder seien überbehütet, eigenbrötlerisch und altklug. Ob sie das damals waren, sei dahin gestellt. Sicher waren Einzelkinder damals aber noch etwas Aussergewöhnliches. Die Norm-Familie bestand aus Vater, Mutter und sieben bis acht Kindern. Kitas und Kindergärten, in denen Einzelkinder Freundschaften schliessen konnten, gab es natürlich noch nicht. Seither hat sich nicht nur das Betreuungsangebot für Kinder gewandelt, sondern auch die Familiengrösse: Rund 20 Prozent aller Kinder wachsen als Einzelkind auf. Und die sind genau wie ihre Altersgenossen mit Geschwistern mal lieb und lustig, mal wütend und aufmüpfig.

Von fei am 20. April 2022 - 07:09 Uhr
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