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Seit seiner Wahl zum Mister Schweiz im Jahr 2005 hat sich im Leben von Renzo Blumenthal einiges verändert. Eines ist jedoch geblieben: sein Bauernhof in Vella. Beim Besuch zeigt der bald 50-Jährige seine preisgekrönte Kuh Berna, blickt auf die letzten 20 Jahre zurück und spricht über seinen Zukunftswunsch. Lea Huber
Nach Trennung von der Mutter seiner Kinder

Renzo Blumenthal: «Manchmal fühle ich mich schon einsam»

Nach dunklen Zeiten sieht der einstige Mister Schweiz wieder Licht. Das Ehe-Aus vor zwei Jahren setzte dem vierfachen Vater hart zu. Er ist heute gelassener, dankbarer – und lässt die Dinge auf sich zukommen, statt hehre Ziele zu verfolgen.

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Zufrieden nuckelt das Kälbchen an der Kälberschoppenflasche in Renzo Blumenthals Hand. Eben noch vollführte das Jungtier übermütig Bocksprünge in der mit frischem Stroh ausgestreuten Box und sorgte so für ein glückliches Lächeln im Gesicht des 49-Jährigen. Das Junge ist eines von 23 Kälbern, die der Landwirt aufzieht. Derzeit stehen 110 Rinder im Stall des Ex-Mister-Schweiz. Und seit Kurzem springen auch zwei Zwerggeissen um Renzos Bauernhof in Vella GR herum – doch dazu später mehr.

<p>Beglückend: Nach der Trennung hätten ihm seine Tiere Halt gegeben, sagt Renzo. Aktuell zieht er 23 Kälber bei sich auf.</p>

Beglückend: Nach der Trennung hätten ihm seine Tiere Halt gegeben, sagt Renzo. Aktuell zieht er 23 Kälber bei sich auf.

Fabienne Bühler

«Die Tiere haben mir Kraft gegeben weiterzumachen», sagt Renzo nachdenklich. Es ist genau zwei Jahren her, dass der einst schönste Schweizer und seine Ehefrau Ladina (42) im Januar 2024 mit dem gemeinsamen Statement überraschten, sich zu trennen. Nicht nur das Ehe-Aus nach 16 Jahren machte Blumenthal schwer zu schaffen. Sohn Moreno (17) blieb zwar beim Vater, aber die Töchter Lena-Priscilla (14), Naemi (12) und Grace (8) verliessen mit ihrer Mutter das Zuhause im Bündner Bergdorf – und das setzte ihm heftig zu.

<p>Ein Bild aus glücklichen Tagen: Renzo mit Ladina und den Kindern Moreno, Lena-Priscilla, Naemi und Grace.</p>

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Renzo mit Ladina und den Kindern Moreno, Lena-Priscilla, Naemi und Grace.

Fabienne Bühler

Zum Schmerz über den Verlust seiner Liebsten gesellte sich neben Wut, Zorn und Groll auch die Verzweiflung, als Ehemann versagt zu haben – ganz zu schweigen von der Scham, im 500-Seelen-Dorf, wo jeder jeden kennt, zum Gespött zu werden.

Aber nicht nur die Tiere, für die der Landwirt – ganz egal, wie es ihm morgens ging – sorgen musste, gaben ihm in den vergangenen Monaten Halt. Auch Vater Ursin (76), Mutter Carmen (72) und seine Brüder Marco, Hugo und Corsin waren ihm in dieser schweren Zeit eine Stütze.

<p>Landwirt: Seit er den elterlichen Hof übernahm, vergrösserte er ihn von 40 auf 65 Hektaren. Im Stall hat er heute 110 Rindviecher stehen.</p>

Landwirt: Seit er den elterlichen Hof übernahm, vergrösserte er ihn von 40 auf 65 Hektaren. Im Stall hat er heute 110 Rindviecher stehen.

Fabienne Bühler

Renzo Blumenthal, Sie haben dunkle Zeiten hinter sich, scheinen aber Ihre Lebensfreude wiedergefunden zu haben.

Ja, ich fühle mich gut so weit. Natürlich ist mein Leben anders als vor der Trennung. Ich brauchte Zeit, um damit zurechtzukommen, musste ganz neu anfangen. Aber das Leben geht weiter.

Sind Sie und Ladina geschieden?

Nein, die Scheidung ist noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich möchte ich sagen, dass wir es gut miteinander haben, allein unserer Kinder wegen. Die anfänglich angespannte Situation hat sich beruhigt und für uns eingependelt.

Sie sehen Ihre Kinder regelmässig an den Wochenenden?

Das ist unterschiedlich, Ladina und ich sprechen uns jeweils ab. Moreno, der ja bei mir lebt, macht die Lehre auswärts und ist öfter bei mir, zumal er alle zwei Wochen einen freien Tag hat. Lena-Priscilla, die bald 15 wird, sehe ich ebenfalls jede Woche, wenn ich sie zum Judo bringe und abhole.

Wie berührt es Sie, dass Ihr Sohn in Ihre Fussstapfen tritt?

Moreno war schon früh mit im Stall, ist mit den Tieren aufgewachsen und sah mir bei der Arbeit zu. Offenbar wurde so in ihm die Liebe zum Beruf geweckt. Er macht jetzt seine Lehre zum Landwirt, und das freut mich schon sehr.

Fünf Jahre nach seiner Wahl zum Mister Schweiz übernahm Renzo Blumenthal 2010 in der vierten Generation den Hof von Vater Ursin. Mit der Landwirtschaft begonnen hatte sein Urgrossvater. Seit 15 Jahren führt Renzo den Betrieb, erweiterte ihn von rund 40 auf 65 Hektaren und hat heute 110 Stück Rindvieh im Stall stehen. Sein grösster Stolz: Berna, 700 Kilo schwer, gerade trächtig mit ihrem vierten Kalb.

Dass Berna wie Renzo ein Star ist, bezeugen viele Auszeichnungen. 2024 wurde die fünfjährige Kuh im österreichischen Imst sogar Braunvieh-Europameisterin. Unter 180 Tieren aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz setzte sie sich durch und gewann den ersten Platz in der Kategorie «schönstes Euter». Freude bereiten Renzo auch die eingangs erwähnten Zwerggeissen – ein Geburtstagsgeschenk für Lena-Priscilla.

Wenn die Kinder Sie besuchen, ist dann jeweils ein besonderes Programm angesagt?

Ja, jetzt im Winter gehen wir Skifahren, Schlitteln oder Schlittschuhlaufen – im Sommer grillieren wir, gehen baden, wandern auf unser Maiensäss oder gehen auch mal Minigolf spielen.

Und wie ist es für Sie, wenn Ihre Kinder sonntagabends wieder wegmüssen?

Das Abschiednehmen fällt mir jedes Mal sehr schwer. Noch mehr zu schaffen macht mir allerdings, nicht miterleben zu können, wie sie gross werden.

Wie meinen Sie das?

Ich bin quasi nur noch ein Wochenendpapi, der Gute-Laune-Vater und Spassvogel, aber nicht mehr der Erzieher. Ich frage mich manchmal schon: Was bin ich eigentlich? Nichts. Einfach nichts. Dabei brauchen die Kinder auch ihren Vater, davon bin ich fest überzeugt.

Haben Sie sich, um die Trennung und alles, was damit einhergeht, zu verarbeiten, auch professionelle Hilfe, etwa bei einem Psychologen, geholt?

Das nicht. Aber ich habe mich mit Bekannten und Freunden ausgetauscht, die Ähnliches zu verarbeiten hatten. Grundsätzlich muss man selbst bereit sein, vorwärtszuschauen und wieder Positivität in seinem Leben zuzulassen. Dazu musste ich an mir selbst schaffen. Wenn du meinst, du könntest als Wrack zu einer Therapeutin oder einem Therapeuten, um danach wieder als reparierter Hero herauszukommen, täuschst du dich selbst. Ich habe dazugelernt und meine Devise lautet: Geduld bringt Rosen – und Zeit heilt alle Wunden.

<p>Unternehmer: Sein Blumenthaler Käse ist auch im Hofladen nach wie vor ein Renner.</p>

Unternehmer: Sein Blumenthaler Käse ist auch im Hofladen nach wie vor ein Renner.

Fabienne Bühler

Immer Vollgas geben, lautete die Devise von Renzo Blumenthal. Berühmt werden wollte er und wurde es auch, als er vor 20 Jahren die Mister-Schweiz-Wahl gewann. Er heiratete seine Jugendliebe Ladina, bekam mit ihr einen Sohn, drei Töchter, baute ein Haus für die Familie, vergrösserte den Hof. «Ich war viel am Schaffen.» Ob er deswegen zu wenig Zeit für seine Liebsten hatte? «Ich war immer für meine Familie da!»

Fakt ist, dass sich Renzo stets als Macher sah. Er setzte sich Ziele, verfolgte diese konsequent. «Ich habe alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe.» Doch der bald 50-Jährige hat sich verändert. Strukturiert und bodenständig sei er nach wie vor, doch die Trennung sei ein schmerzhafter Einschnitt in sein Leben gewesen. «Ich weiss nicht, was mich mehr verändert hat – diese Erfahrung oder das Wissen, fast alles im Leben erreicht zu haben.» Jetzt zählt für ihn nur eines: vorwärtszublicken. Weder müsse er sich selbst noch anderen etwas beweisen. Er sei gelassener geworden, spüre weder Wut noch Unzufriedenheit, sondern einfach nur extreme Ruhe in sich.

Mit fast 50 wieder Single. Was geht da in Ihnen vor?

(Lacht.) Also ich bin keine 20 mehr und werde nun sicherlich nicht in irgendwelchen Dancings auftauchen. Die Zeiten sind vorbei. Das brauche ich nicht!

Sie sagten mal: «Ich bin gern allein, aber nicht gern einsam.»

Als Steinbock habe ich keine Probleme damit, etwas alleine zu unternehmen oder mich mit mir selbst zu beschäftigen. Jetzt, in der neuen Situation ohne meine Familie, fühle ich mich ab und zu durchaus einsam, was nicht so schön ist. Ich hatte ursprünglich eine andere Vorstellung von meiner beziehungsweise unserer Zukunft. Daran, dass nun alles anders ist, muss ich mich erst noch gewöhnen und anpassen. Aber aufgeben ist für mich keine Option.

<p>Hausmann: «Ich stehe, nicht erst seit ich alleine lebe, am Herd und an der Waschmaschine», betont der Ex-Mister-Schweiz.</p>

Hausmann: «Ich stehe, nicht erst seit ich alleine lebe, am Herd und an der Waschmaschine», betont der Ex-Mister-Schweiz.

Fabienne Bühler

Sehen Sie eine Chance, dass Sie und Ladina irgendwann doch wieder zusammenkommen?

Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Ich sagte ihr: Wenn du einmal fortgehst von zu Hause, gehst du für immer fort.

Sie selbst haben nie erwogen, Vella zu verlassen und irgendwo komplett neu anzufangen?

Das war nie ein Thema: Mein Zuhause hier bleibt mein Zuhause! Hätte ich den Hof nicht, sähe es anders aus. Da würde mich wohl nichts halten.

Ihr grösster Wunsch?

Ich hätte gern meine Kinder den ganzen Tag um mich herum.

René Haerig, Ringier
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Von René Haenig vor 18 Stunden