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Auf Schulbesuch in Schafisheim AG

So denken Fünftklässler über Corona

Sie haben die Nase voll! Die Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse in Schafisheim AG erzählen, wie es ihnen geht, was sie an Corona nervt und was sie zu Hause so alles mitbekommen.

Jugend und Corona, 5. Schulklasse in Schafisheim AG, SI 05/2022

Weg damit! Kira, Valentina, Remo und Diego (v. l.) hoffen, dass wir das Coronavirus bald los sind.

Kurt Reichenbach

«Mein Mami hats erwischt, sie hatte 40 Grad Fieber», sagt Josia, (11), «aber mein Papi isst so scharf, dass es alle Viren abtötet.» Er schmunzelt. In dieser Klasse hat jedes Kind eine Geschichte zu Corona zu erzählen. 

Wir sind in Schafisheim AG, nicht weit von Lenzburg. Das gelbe Schulhaus liegt neben einem Pferdehof. In der Pause warten eine lange Rutschbahn und dichter Morgennebel auf die Schüler. Sie gehen bei Frau Zehnder in die fünfte Klasse – und leben seit zwei Jahren mit Corona. «Sind es nicht schon drei?», fragt Laya (11). «Es fühlt sich an, als würde es nie enden», sagt Katarina, (11). 

Jugend und Corona, 5. Schulklasse in Schafisheim AG, SI 05/2022

Die Schülerinnen fragen sich: «Wohin führt uns der Weg?» Und: «Wie lange geht das noch?»

Kurt Reichenbach
Diese Corona-Fragen beschäftigen die Kinder

Seit dem Ende der Weihnachtsferien beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler auch im Unterricht mit Corona. Die erste Aufgabe war: «Welche Fragen kommen euch bei dem Thema in den Sinn? Schreibt sie in eine grosse Sprechblase.» Die zweite Aufgabe: «Wer ähnliche Fragen hat, tut sich zu einer Gruppe zusammen. Gemeinsam gestaltet ihr ein grosses Plakat. Infos und Bilder sucht ihr im Internet oder in Zeitungen.»

Gesagt, getan! Beim Besuch der «Schweizer Illustrierten» präsentieren die Kinder ihre Plakate. Zu dritt oder zu viert kommen sie in einen Nebenraum, während die anderen im Schulzimmer mit Frau Zehnder weiterarbeiten. «Wohin führt der Weg?», steht auf den Plakaten. «Wie reagiert die Wirtschaft auf die Coronakrise?» Oder schlicht: «Doofer Covid-19.»

Jugend und Corona, 5. Schulklasse in Schafisheim AG, SI 05/2022

Dario, Lea und Noemi (v. l.) freuen sich auf das Ende der Maskenpflicht. 

Kurt Reichenbach

Die meisten der Schülerinnen und Schüler waren schon mal in Quarantäne, haben ein Familienmitglied, das Corona hatte, oder sind selbst daran erkrankt. «Zum Glück bin ich genesen», sagt Amy (10), «jetzt darf ich wieder an die Basketball-Matches gehen.» Josia fand die Zeit in der Quarantäne gar nicht mal so schlimm. «Ich habe TV geschaut, Ufzgi gemacht und durfte raus in den Garten.» Dass manche Eltern jetzt viel häufiger von zu Hause aus arbeiten, scheint keines der Kinder zu stören. Und unter sich würden sie eigentlich auch gar nicht so oft über das Thema reden.

Jugend und Corona, 5. Schulklasse in Schafisheim AG, SI 05/2022

«Der Mensch liegt da wie ein Auto, dessen Motor überbrückt werden muss»: Aussagen darüber, was die Kinder bewegt.

Kurt Reichenbach
Corona ist omnipräsent

Und was nervt euch an Corona? «Wenn die Jugi ausfällt.» – «Wenn im Radio und in den Nachrichten immer nur über dieses Thema geredet wird.» – «Wenn sich bei der Maske so kleine Fäden lösen und die ganze Zeit an der Nase kitzeln.»

Bei zwei Jungs aus der Klasse wird auch zu Hause oft über Corona geredet. Jonatans Vater ist Oberarzt im Kantonsspital Aarau. «Er arbeitet im Moment viel.» Manchmal gebe es daheim Diskussionen über dieses Thema, denn für seinen Vater ist die Situation nicht immer einfach. Jonatan: «Ich finde es ungerecht, dass Operationen verschoben werden müssen, weil es viele Coronapatienten hat.» Der Elfjährige ist einer von wenigen, die geimpft sind. «Ich durfte aber immer abmachen, mit wem ich wollte.»

Jugend und Corona, 5. Schulklasse in Schafisheim AG, SI 05/2022

Beim Plakat von Lisa, Luc und Jonatan (v. l.) geht es um das Gesundheitssystem.

Kurt Reichenbach

Die Eltern von Luc sind doppelt betroffen. Sein Vater hat als Flight-Attendant weniger Arbeit. Seine Mutter als Intensivpflegefachfrau im Spital dagegen mehr. «Früher hat sie 40 Prozent gearbeitet, dann 70 Prozent und jetzt 50.» Sie wünsche sich «bessere Arbeitsbedingungen», sagt Luc (11). «Das heisst, dass sie zum Beispiel mehr Zeit für die Patienten hat.» Viele ihrer Arbeitskolleginnen hätten gekündigt. «Sie möged nümme.»

Angst macht Corona den Kindern kaum

Macht euch Corona Angst? Das verneinen die meisten Kinder ganz klar. Diejenigen, die schon krank waren, haben es gut überstanden, und auch ihre Eltern und Geschwister kamen bisher ohne Probleme durch. «Aber ich habe Angst um meine Grosseltern», sagt Lisa (11). «Ich auch», stimmen andere zu. 

Jugend und Corona, 5. Schulklasse in Schafisheim AG, SI 05/2022

«F**k off, Corona»:  Die Kinder suchten selbstständig nach Bildern zum Thema – auch nach Coronacomics.

Kurt Reichenbach

Es ist zehn vor zwölf – Mittagspause. Beim Zusammenpacken werfen die Kinder noch ein paar letzte neugierige Blicke auf den Besuch. Als das Zimmer leer ist, sagt Klassenlehrerin Andrea Zehnder (45): «Wir befinden uns in einer einzigartigen Situation. Es ist normal, dass einzelne Kinder Sorgen oder Probleme haben. Aber dass grad alle Kinder gleichzeitig von einem Thema so betroffen sind, ist in meiner Zeit noch nicht vorgekommen.»

Jugend und Corona, 5. Schulklasse in Schafisheim AG, SI 05/2022

Die Schüler von Andrea Zehnder verbringen schon fast einen Fünftel ihres Lebens mit Corona.

Kurt Reichenbach
Ein Ende - aus Kindersicht in weiter Ferne

Wichtig sei deshalb, abzuwägen und mit gutem Beispiel voranzugehen, sagt Zehnder. «Klar sind die Kinder von den Masken manchmal genervt – ich ja auch. Aber Masken sind immer noch besser als Fernunterricht!» Deshalb zähle das gute Beispiel: «Wie gut die Kinder durch diese Phase kommen, steht und fällt damit, was wir Erwachsene ihnen vorleben», sagt Zehnder, die selbst zwei Kinder hat, 11 und 13 Jahre alt.

Wann ist Corona vorbei? Diese Frage hatten wir den Buben und Mädchen der fünften Klasse während unseres Schulbesuchs in Schafisheim auch noch gestellt. «Ich hoffe, dass es bald einfach zu einer normalen Grippe wird», sagte Amy. «Wir können nicht wirklich wissen, wann es vorbei ist», sagt Noemi. Sie hat zusätzlich zum Plakat noch ein Bild gezeichnet. Es zeigt eine lange Strasse, die zwischen Häusern endet. Corona, die Sackgasse? «Nein, der Weg geht immer weiter», sagt Noemi. 

Von Lynn Scheurer am 4. Februar 2022 - 17:55 Uhr