1. Home
  2. Family
  3. Familien-Geschichten
  4. Soziale Medien als Infoquellen: So lernen Kinder und Jugendliche, Fake News zu erkennen

Soziale Medien als Infoquellen

So lernen Kinder und Jugendliche, Fake News zu erkennen

Gerade in Zeiten von Corona fluten Fake News das Internet. Vor allem auf Social-Media-Plattformen werden auch Kinder und Jugendliche mit ihnen konfrontiert. Die Pro Juventute gibt Tipps, wie Eltern sie für Falschmeldungen sensibilisieren und die Medienkompetenz fördern können.

Kinder, Social Media, Fake News

Gemäss der James-Studie aus dem Jahr 2020 nutzen 84% der Schweizer Jugendlichen Social Media als Infoquelle.

Getty Images

Im Internet und besonders in den Sozialen Medien geistern unzählige Falschmeldungen herum. Um zu erkennen, ob eine News den Tatsachen entspricht, oder eben ein Fake ist, braucht es ein geschultes Auge – was Kinder und Jugendliche oft noch nicht haben. Für sie ist es eine grosse Herausforderung, den Wahrheitsgehalt eines Textes, Videos oder Bildes zu erkennen.

«Genauso, wie ein Kind erst das Lesen lernen muss, muss es auch Strategien zum Beurteilen von Medieninhalten erlernen», sagt Lulzana Musliu, Verantwortliche Öffentlichkeitsarbeit bei der Pro Juventute. Da gemäss der James-Studie 84 Prozent der Jugendlichen Social Media als Informationsquelle nutzen und kaum Inhalte von etablierten Medienportalen konsumieren, ist es umso wichtiger, dass ihnen ein kritischer Blick beigebracht wird und sie zwischen Meinungen und Fakten unterscheiden können.

Mehr für dich
 
 
 
 

50 Prozent der Jugendlichen, die für die James-Studie befragt wurden, gaben an, verschiedene Portale zu konsultieren, wenn ihnen eine News nicht seriös erscheint. «26 Prozent sagten aber auch, dass sie sich bloss auf ihr Bauchgefühl verlassen», so Musliu. Besonders anfällig, Fake News Glauben zu schenken, seien vor allem die Jugendlichen, die im Grunde wenig Interesse am Weltgeschehen zeigen. Auch das Elternhaus spiele eine grosse Rolle: «Haben die Eltern einen reflektierten Umgang mit Medien und konsumieren sie selbst seriöse Inhalte, werden sie seltener das Problem haben, dass ihr Kind auf Fake News anspringt.»

Algorithmen beeinflussen die Meinungsbildung

Trotzdem bleibt es für Kinder und Jugendliche – genauso wie für manchen Erwachsenen – schwierig, nicht in den Strudel von Falschmeldungen zu geraten. Grund dafür sind unter anderem die Algorithmen, die sozialen Netzwerken zugrunde liegen. Sie entscheiden darüber, was einem Nutzer angezeigt wird und was nicht – und haben entsprechend einen grossen Einfluss auf die Wahrnehmung und Meinungsbildung. Je stärker sich ein Nutzer für ein Thema interessiert, desto mehr solcher Meldungen werden ihm angezeigt. Im besten Fall sind das Tanz-Videos und Schmink-Tutorials, im schlechtesten schockierende Verschwörungstheorien. «Wer also mit einen Fake-News-Beitrag interagiert, bekommt immer mehr ähnliche Meldungen», erklärt Lulzana Musliu. 

Dass Kinder und Jugendliche direkt über einschlägige Fake-News-Portale zu diesen Inhalten gelangen, ist laut der Pro Juventute eher selten. Häufiger geschieht dies über Influencer, die via Youtube, TikTok oder Instagram Falschmeldungen verbreiten. «Ein prominentes Beispiel ist etwa die Fake News, dass die Corona-Impfung unfruchtbar macht», sagt Musliu. Diese sei von vielen Influencern geteilt worden und habe sich bei Jugendlichen trotz klarer Widerlegung durch die Wissenschaft hartnäckig gehalten. 

Doch was können Eltern tun, um ihre Kinder auf Fake News zu sensibilisieren? «Ganz wichtig ist, dass man ihnen sagt, dass nicht alles der Wahrheit entspricht, das im Internet steht», sagt Lulzana Musliu. Man soll ihnen erklären, warum das so ist, wie man Meinungen und Fakten unterscheidet und wie man überhaupt zu Fakten kommt. Ständig zu kontrollieren, welche Medieninhalte die Kinder und Jugendlichen konsumieren, hält sie für keine gute Idee: «Kontrolle führt zu Vertrauensverlust.» Besser sei es, das Vertrauensverhältnis zu fördern und einen offenen Umgang zu pflegen.

Weitere Tipps der Pro Juventute für Eltern
  • Sucht gemeinsam nach Fake News und diskutiert darüber.
  • Nutzt eure Vorbildfunktion: Bleibt wachsam und kritisch.
  • Erklärt, welche Absichten hinter Fake News stecken und wie sie sich verbreiten.
  • Macht gemeinsam einen Fakten- und Quellen-Check.
Was sind Fake News überhaupt?

Das sind falsche Nachrichten, die gezielt gestreut werden – häufig über soziale Netzwerke. Auf den ersten Blick erscheinen sie wie ein klassischer News-Beitrag. Die Verfasserinnen und Verfasser wollen mit ihnen jedoch die öffentliche Meinung manipulieren und gezielt Angst und Unsicherheit hervorrufen. Dahinter können politische, wirtschaftliche, ideologische oder persönliche Gründe stehen.

So erkennt ihr Fake-News
  • Quellen-Check: Überprüft, woher die Infos stammen. Wer hat den Beitrag geschrieben? Ist er neutral oder will jemand eine Message verbreiten? Wo und in welchem Rahmen wurde die Nachricht publiziert? Gibt es die erwähnten Personen und Institutionen tatsächlich?
  • Fakten-Check: Kontrolliert, ob die News aktuell ist, ob auch andere bekannte und seriöse Kanäle darüber berichten und was man sonst zum Thema findet.
  • Zielgruppen-Check: Wer soll mit der Meldung erreicht werden, wie viel Werbung ist auf der Website ersichtlich und wofür wird geworben?
  • URL-Check: Wie sieht die «www-Adresse» aus? Fake News erscheinen oft auf Webseiten, deren URL ähnlich lautet, wie die einer seriösen Unternehmung.
  • Gestaltung: Oft verraten Schreibfehler und viele Ausrufezeichen eine Fake News.
Von fei am 6. Februar 2022 - 08:09 Uhr
Mehr für dich