Im Februar wurde Andrew Mountbatten-Windsor (66) vorübergehend verhaftet – es war ein weiterer Tiefpunkt in der Affäre rund um seine Verbindung mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66). Und wohl das endgültige Ende der royalen Karriere von Ex-Prinz Andrew. Wirklich? Im Hintergrund spielt er weiterhin eine tragende Rolle. Denn: Andrew Mountbatten-Windsor bleibt an achter Stelle der britischen Thronfolge. Und gleich fünf Personen vor ihm sind noch minderjährig. Zumindest als Regent ist sein Weg an die Spitze des Königshauses also gar nicht einmal so weit.

König Charles (2.v.l.) und seine vier nächsten Nachfolger Prinz William (4.v.l.), Prinz George (3.v.r.), Prinzessin Charlotte (r.) und Prinz Louis (Mitte) – wobei George, Charlotte und Louis noch minderjährig sind und einen Regenten oder eine Regentin bräuchten.
Getty ImagesAndrew könnte zum Regenten für Prinz George werden
Es sind Szenarien, die man sich kaum ausmalen möchte. Und trotzdem: Schon jetzt könnte sich René Haenig vorstellen, dass König Charles (77) zugunsten seines Sohnes Prinz William (43) frühzeitig auf den Thron verzichtet, wie der Royal-Experte der Schweizer Illustrierten im Podcast «RoyaTea» sagt. Dann wäre Prinz George (12) mit gerade einmal zwölf Jahren an erster Stelle der Thronfolge. Was, wenn nun Prinz William etwas passiert?
Tatsächlich ist Grossbritannien schon seit Jahrzehnten auf genau diesen Fall vorbereitet. Die Grundlage ist das «Regentschaftsgesetz» aus dem Jahr 1937. Dieses besagt, dass wenn ein König oder eine Königin minderjährig ist, ein Regent oder eine Regentin bis zur Volljährigkeit übernimmt. Regent oder Regentin wird, wer in der Thronfolge als Nächster oder Nächste zur Krone berechtigt ist, und ...
- ... britischer Staatsangehöriger ist,
- volljährig ist,
- in Grossbritannien wohnt.
Die nächste volljährige Person in der Thronfolge nach Prinz William ist aktuell Prinz Harry (41). Dieser wohnt jedoch in den USA. Dann folgt bereits Andrew Mountbatten-Windsor. Eine Regentschaft, die von der britischen Bevölkerung kaum gutgeheissen würde. Spätestens dann würden sich wohl selbst die grössten Monarchie-Fans gegen das Königshaus stellen. Und damit auch die zukünftige Rolle von Prinz George in Gefahr bringen.
Die Thronfolge kann nur vom Parlament geändert werden
Vielen dürfte nur schon die Möglichkeit, dass Andrew Mountbatten-Windsor weiterhin Regent werden kann, Unbehagen bereiten – und die Zweifel an der britischen Monarchie weiter verstärken. Die Auswege aus dieser Situation sind begrenzt. Einerseits könnte Ex-Prinz Andrew beim Eintritt dieses Falles selbst auf die Regentschaft verzichten. Will man sich nicht auf seinen freiwilligen Verzicht verlassen, bleibt nur noch der Ausschluss aus der Thronfolge.
Gemäss einer unter anderem von «SRF» zitierten Umfrage sind 82 Prozent der Britinnen und Briten genau für diesen Schritt. Ganz so einfach ist das aber nicht. Nicht einmal Andrew selbst kann sich aus der Thronfolge ausschliessen – diese Möglichkeit sieht das Gesetz schlicht nicht vor.
Der einzige Weg führt über das britische Parlament. Dieses müsste ein Gesetz erlassen, das Andrew Mountbatten-Windsor explizit aus der Thronfolge ausschliesst. So geschehen beispielsweise im Jahr 1936, als König Edward abdankte, um seine Liebe Wallis Simpson zu heiraten. Ein Thronverzicht, der erst durch das Parlament Gültigkeit erhielt.
Tatsächlich prüft die britische Regierung aktuell ein solches Gesetz, wie «SRF» berichtet. Australien hat bereits Zustimmung signalisiert – denn auch alle Commonwealth-Staaten müssen eine Thronfolge-Änderung bestätigen. Das Gesetz könnte zur Anwendung kommen, würde Ex-Prinz Andrew schuldig gesprochen. Und wäre alles andere als Symbolpolitik. Denn auch vom achten Platz der Thronfolge ist man schnell an der Spitze, wenn das Schicksal schlecht mitspielt.
