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Colette Degrandi von Tox Info Suisse

Eine Ärztin erklärt, wann Vergiftungen bei Kindern gefährlich sind

Was tun, wenn das Kind zu viel Hustensirup trinkt? Und wie verhalten wir uns, wenn es einen Schluck Putzmittel trinkt? Und bei welchen Vergiftungsanzeichen müssen wir möglichst rasch reagieren? Wir haben bei Frau Dr. med. Colette Degrandi von Tox Info Suisse nachgefragt.

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Kind am Putschrank

Wann immer möglich, sollen Putzmittel und Medikamente weggeschlossen werden.

Getty Images/Image Source

Frau Degrandi, aus welchen Gründen rufen die meisten Eltern von kleinen Kindern bei Ihnen an?
Ganz typisch sind Fragen zu Putzmitteln, Bastelsachen, Pflanzen und Medikamenten. Kleine Kinder sind sehr schnell darin, mal einen Schluck von einem Putzmittel zu trinken. Oder auch mal die eigene Hustensaftflasche anzusetzen. Auch in Sachen Pflanzen haben wir öfters verunsicherte Eltern am Telefon, die wissen wollen, wie sie sich verhalten sollen, wenn das Kind vielleicht sogar en einer giftigen Pflanze geleckt hat. Regelmässig passiert es auch, dass sich Kinder an den Medikamenten ihrer Eltern vergreifen und wir dann besorgte Eltern am Telefon haben.

Was raten Sie in diesen Fällen?
Das kommt natürlich sehr darauf an. Oft können wir Entwarnung geben. Putzmittel, die man in den gängigen Läden bekommt, sind meist ungefährlich. Kinder merken ja auch schnell, dass das Mittel nicht gut schmeckt und hören dann auf weiter zu trinken. Wenn es wirklich mal etwas zu viel davon getrunken hat, kann es sein, dass es zu Bauchweh, Übelkeit und Erbrechen kommt. Das ist in den meisten Fällen zwar mühsam, aber nicht gefährlich. Sehr selten kann es passieren, dass es zu Schaumbildung im Magen kommt, welcher, im schlimmsten Fall, in die Lunge gelangt. In diesem Fall gehört das Kind natürlich sofort in ärztliche Behandlung. Um das zu vermeiden, kann möglichst rasch nach der Einnahme ein Entschäumer verabreicht werden.

Und was, wenn das Kind Leim oder Seife erwischt hat?
Natürlich bedarf jeder Anruf eine gründliche Abklärung und wird je nach Substanz und Menge eingeordnet. Grundsätzlich gilt aber auch hier: Was im normalen Handel erhältlich ist, ist in den meisten Fällen bei nicht riesigen Mengen nicht schlimm. 

Kinder und Vergiftung

Wenn Kinder Herz-Kreislauf-Medikamente erwischen, kanns gefährlich werden.

Getty Images/fStop

Sie haben zuvor Medikamente erwähnt. Kindern wird sehr oft Algifor-Sirup verabreicht. Was passiert, wenn das Kind zum Beispiel davon selber ein, zwei Schlücke trinkt?
Bei Algifor handelt es sich um den Wirkstoff Ibuprofen. Es ist nicht schlimm, wenn dieser mal etwas überdosiert wird. Das Kind wird nicht einmal viel davon merken. Dasselbe gilt auch, wenn es mal ein Ibuprofen von Erwachsenen verschluckt. Der Körper baut den Stoff ohne grössere Probleme ab.

Wie sieht es mit Paracetamol aus, das zum Beispiel im Dafalgan-Sirup für Kinder enthalten ist?
Paracetamol kann ab einer gewissen Menge zu Leberschäden führen. Deswegen raten wir Eltern, ihr Kind ins Spital zu bringen, falls möglicherweise eine kritische Menge eingenommen wurde. Man muss aber keine Ambulanz aufbieten. Man hat rund acht Stunden Zeit, um beim Arzt vorstellig zu werden. Dieser kann mit dem richtigen Mittel dafür sorgen, dass die Leber keine Schäden nimmt.

Gibt es Medikamente, bei denen ganz besonders viel Vorsicht geboten ist?
Ja, lebensbedrohliche Symptome können bei Herz-Kreislaufmedikamenten und gewissen Schmerz- oder Beruhigungsmitteln auftreten. Solche stehen oft zum Beispiel bei Grosseltern rum. Natürlich kommt es auch hier darauf an, um welches Medikament es genau geht und wie viel das Kind erwischt hat. Je nach Situation aber ist es natürlich ratsam, möglichst schnell das Spital aufzusuchen, oder sogar die 144 aufzubieten. Im grossen Ganzen aber kann man sagen, dass wir zum Glück sehr wenig Todesfälle haben in der Schweiz.

Mit welchen Anliegen melden sich Eltern von Teenagern an Sie?
Hier kommen vermehrt Fragen zu Drogen rein. Auch da muss man von Fall zu Fall situativ entscheiden. Oft ist das Problem, dass wir nicht wissen, was alles in den Substanzen drin ist, die die Teenager eingenommen haben. Wir schauen zusammen die Symptome an und entscheiden, ob eine ärztliche Überwachung notwendig ist.

Mit welchen Fragen werden Sie bei Teenagern auch öfters konfrontiert?
Leider sind Suizidversuche immer wieder ein Thema. Hier wissen wir, dass Kinder vor allem die Medikamente nehmen, die daheim rumliegen.

Was raten Sie Eltern, damit es schon gar nicht zu potentiellen Vergiftungen kommt?
Medikamente und giftige Pflanzen sowie aggressive Putzmittel gehören keinesfalls in Kinderhände. Hier ist es gut, wenn man diese Dinge mit einem Schlüssel wegsperrt. Kleinere Sachen wie Seifen gehören zum normalen Leben dazu. Hier finde ich es ratsam, diese als quasi Lehrmittel zu sehen und dem Kind zu erklären, warum es nicht davon essen/trinken soll. Falls es aber doch mal passiert, kann man ruhig bleiben und darauf vertrauen, dass es das Kind kein zweites Mal machen wird. Es weiss ja jetzt, dass es, um beim Beispiel der Seife zu bleiben, nicht schmeckt.

Hat euer Kind etwas verschluckt, das giftig sein könnte? Hier wird euch geholfen!

Von Maja Zivadinovic am 20. Dezember 2022 - 07:00 Uhr