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Eltern sein ist nicht leicht

Überforderte Neu-Mütter brauchen ihren Partner

Der gesetzliche Mutterschaftsurlaub in der Schweiz beträgt nur 14 Wochen. Vätern steht gar nichts zu. Family-Redaktorin Edita Dizdar war nach der Geburt ihres ersten Kindes überfordert und froh, dass ihr Partner sich dank Ferien einen Monat lang um sie und das Baby kümmern konnte.

Young father with his newborn baby daughter in his arms

Junge Eltern brauchen Zeit, sich an ihre neue Rolle zu gewöhnen. In der Schweiz ist ihnen dies nur bedingt vergönnt.

Getty Images

Trotz Studien, welche die Nachhaltigkeit einer familienfreundlichen Politik für Wirtschaft und Staat belegen, sind frische Eltern in der Schweiz mit dem kurzen Mutterschafts- und dem inexistenten Vaterschaftsurlaub per Gesetz schlecht gestellt, verglichen mit Eltern in anderen europäischen Ländern.

Nur einzelne Arbeitgeber gewähren Mamas und Papas mehr Zeit, sich an die neue Rolle zu gewöhnen. Volvo Schweiz hat diesbezüglich mit dem neu eingeführten Elternurlaub von sechs Monaten (zu beziehen von beiden Elternteilen innerhalb der ersten drei Lebensjahre des Kindes, oder drei Jahre nach Adoption) für euphorische Schlagzeilen gesorgt.

Ein Schritt in die richtige Richtung. Denn unsere Serie mit Erfahrungsberichten zum Mutterschaftsurlaub zeigt, dass dieser in der Schweiz dringend weiter entwickelt werden muss. Einerseits, was die Dauer angeht, andererseits aber auch dahingehend, dass Väter mit einbezogen werden. Family-Redaktorin Edita Dizdar zum Beispiel, war in den ersten Wochen nach der Geburt darauf angewiesen, dass ihr Partner Ferien bezog.

So hat Edita Dizdar den Mutterschaftsurlaub erlebt

Nach der Geburt meines ersten Kindes 2014 war ich mindestens einen Monat lang im Überlebensmodus. Ich kann es nicht anders sagen – Mutter zu werden hat meine Welt gewaltig durchgeschüttelt. An die ersten Wochen kann ich mich kaum mehr erinnern, es war ein Dauer-Dämmerzustand mit sehr vielen Tiefs und gleichzeitig wunderbaren Hochs, Augenringen, Stillproblemen und unerwarteten körperlichen Veränderungen.      

Dass mein Freund am Anfang unseres Elternabenteuers einen Monat Ferien genommen hat, war meine Rettung. Er hat gekocht, gewickelt, die Laune aufrechterhalten – und noch viel mehr. Ich weiss nicht, wie ich es ohne ihn geschafft hätte.  

«Dass mein Freund einen Monat Ferien genommen hat, war meine Rettung.»

Edita Dizdar

Die 16 Wochen Mutterschaftsurlaub waren zwar nicht genug, um mich in die neue Rolle einzufinden, aber länger hätte ich nicht zu Hause bleiben wollen. Ich liebte es, wieder zu arbeiten. Endlich! Gespräche mit Erwachsenen! Über Erwachsenendinge! Tagsüber war ich daheim mit Baby, abends in der Redaktion. Zwar anstrengend, aber jede Müdigkeit wert.

Meine zweite Babypause dauerte fünf Monate und verlief viel entspannter. Ich konnte die Neugeborenen-Phase tatsächlich geniessen. Ein «Urlaub» war es trotzdem nicht. So ein Baby weint, erbricht, hat Bauchweh und macht gerne die Nächte durch. Diesmal war all das aber keine Überraschung mehr. Wenn man doch nur das zweite Kind zuerst bekommen könnte.

Unsere Serie zum Mutterschaftsurlaub in der Schweiz

Mütter aus der SI-Family-Redaktion erzählen, wie sie den Mutterschaftsurlaub wahrgenommen haben. Familienbloggerin Sandra Casalini in ihrem Erfahrungsbericht erklärt, wieso der Mutterschaftsurlaub mit Ferien nichts zu tun hat. Und den Wunsch geäussert, dass Väter und Mütter die ersten Monate als Familie nicht auf völlig verschiedenen Planeten verbringen müssen sollten.

Morgen geht die Serie weiter mit dem Erlebnisbericht von Nina Siegrist, Zwillingsmama und, als stellvertretende Chefredaktorin bei der Schweizer Illustrierten, auch Karrierefrau.

Von Sylvie Kempa und Edita Dizdar am 4. August 2019