1. Home
  2. Family
  3. Familien-Geschichten
  4. Zirkus Monti: Familie Muntwyler auf Tour mit 'Bric Brac'
Hinter den Kulissen beim Circus Monti

Wie Familie Muntwyler den Circus Monti zum Leben erweckt

Bei der Zirkusfamilie Muntwyler hat das Leben abseits der Manege seinen ganz eigenen Zauber. Hinter den Kulissen des Circus Monti zeigt sich, wer das Rampenlicht am meisten liebt – und warum das Bühnenbild dieses Jahr bewusst nicht perfekt ist.

Artikel teilen

<p>V.l.: Tobias, Johannes, Mario, Armelle und Nicola Muntwyler bilden zusammen die Zirkusfamilie, die hinter dem Circus Monti wirkt und ihn seit Jahren prägt.</p>

V.l.: Tobias, Johannes, Mario, Armelle und Nicola Muntwyler bilden zusammen die Zirkusfamilie, die hinter dem Circus Monti wirkt und ihn seit Jahren prägt.

Geri Born

In hohem Bogen fliegt ein leeres Wasserglas durch die Luft. «Fang!», ruft Mario Muntwyler (29) seinem Vater Johannes zu und lacht. Es ist Grillabend bei der Zirkusfamilie Muntwyler in Wohlen AG. Auf dem Tisch stehen Salate, Chips und mariniertes Fleisch. Die drei Brüder – Tobias, Mario und Nicola – wechseln sich beim Rüsten ab, während Vater Johannes das Feuer bewacht. Johannes’ Lebenspartnerin, Armelle Fouqueray (58) ruft nach Besteck.

<p>Beim Grillabend wird gelacht, auf­getischt – und mit Gläsern jongliert. «Ein paar wenige sind schon kaputt ­gegangen», sagt Mario (l.) und grinst.</p>

Beim Grillabend wird gelacht, aufgetischt – und mit Gläsern jongliert. «Ein paar wenige sind schon kaputt gegangen», sagt Mario (l.) und grinst.

Geri Born

Ein eingespieltes Team sind die Muntwylers – nicht nur beim Grillieren. Seit Anfang August ist die Monti-Familie wieder unterwegs: Vier Monate lang tourt der Zirkus mit dem neuen Programm «Bric Brac» durch die Deutschschweiz – eine Inszenierung rund um ein altes Brockenhaus.

<p>Grillabend bei den Muntwylers: Wie im Zirkus sind auch zu Hause die Rollen klar verteilt. Johannes bringt den Grill zum Laufen.</p>

Grillabend bei den Muntwylers: Wie im Zirkus sind auch zu Hause die Rollen klar verteilt. Johannes bringt den Grill zum Laufen.

Geri Born

Dieses Jahr steht niemand aus der Familie Muntwyler selbst in der Manege. 2024 feierte Johannes Muntwyler noch gemeinsam mit seinen Söhnen Tobias und Mario ein kleines Comeback mit der «Tellerchallenge», bei der sich Vater und Söhne im Jonglieren mit Porzellantellern duellierten. Dieses Jahr hingegen ziehen alle im Hintergrund die Fäden.

Jeder hat seine Verantwortung. Das sei essenziell, sagt Johannes Muntwyler (61): «Wir verbringen so viel Zeit miteinander. Da ist es wichtig, dass jeder seinen Bereich hat. So kommt man sich nicht in die Quere und zieht trotzdem am selben Strang.»

Nicola Muntwyler (23) ist der Jüngste der Familie – und Chef der Werkstatt. «Es ist immer viel los», sagt er. «Auch wenn alles geplant ist, kommt oft etwas dazwischen, dann wird halt noch kurz vor der Vorstellung geflickt.» Als gelernter Zimmermann kümmert er sich um Umbauten, Bühnenbild und Infrastruktur.

<p>In der Werkstatt legt Nicola letzte Handgriffe am Bühnenbild an: «Da das Thema Brockenhaus ist, muss es nicht perfekt aussehen.»</p>

In der Werkstatt legt Nicola letzte Handgriffe am Bühnenbild an: «Da das Thema Brockenhaus ist, muss es nicht perfekt aussehen.»

Geri Born

Zur Manege hatte Nicola nie denselben Draht wie seine Brüder: «Ich bin da etwas zurückhaltender.» Das liege auch daran, dass er bis zum elften Lebensjahr bei seiner Mutter – der Ex-Frau von Johannes – aufgewachsen und weniger stark im Zirkusalltag eingebunden gewesen sei.

Ganz anders sein Bruder Mario: Das Rampenlicht liegt ihm. «Von uns Brüdern trete ich am liebsten auf», sagt er. Statt Kunststücke zeigt er auf dieser Tournee Organisationstalent, unterstützt das Ensemble hinter den Kulissen und betreut Finanzen sowie IT.

<p>Büro auf Rädern: Mario Muntwyler steuert Finanzen, Administration und Co. direkt aus dem Wagen.</p>

Büro auf Rädern: Mario Muntwyler steuert Finanzen, Administration und Co. direkt aus dem Wagen.

Geri Born

Ganz verzichten auf die Bühne will er aber nicht: Ab November tritt er beim Zehn-Jahr-Jubiläum von Monti’s Variété auf – dem hauseigenen Format für Artistik, Musik und Kulinarik in ihrer Eventlocation in Wohlen. Für die nächste Tour tüftelt er zudem bereits an einer neuen Jongliernummer.

Der älteste der drei Brüder, Tobias Muntwyler (32) war während Jahren als Diabolospieler in der Manege tätig. Inzwischen richtet er seinen Fokus mehr auf den technischen Bereich. Er sorgt dafür, dass der Zirkus reisen kann. «Damit der Zauber entsteht, muss im Hintergrund alles wie ein Uhrwerk funktionieren.»

<p>Tobias widmet sich dem technischen Bereich und der Zeltvermietung. Vor Ort hilft er am Steuer des Baggers beim Zeltaufbau.</p>

Tobias widmet sich dem technischen Bereich und der Zeltvermietung. Vor Ort hilft er am Steuer des Baggers beim Zeltaufbau.

Geri Born


Ein bisschen Chaos, viel Struktur

Wenn es nach den Muntwylers geht, muss nicht immer alles durchgeplant sein. «Wir funktionieren viel über Spontaneität», sagt Armelle Fouqueray, Ensemble-Casterin. Dank ihrer langjährigen Erfahrung als Zirkusartistin spürt sie schnell, wenn jemand im Team ein offenes Ohr braucht, und stellt mit sicherem Bauchgefühl Jahr für Jahr das Ensemble zusammen. «Man merkt einfach, ob jemand zum Monti passt.»

Johannes Muntwyler organisiert Platzbewilligungen, begrüsst das Publikum und hält die Administration am Laufen. Wenn Zeit bleibt, hilft er in der Werkstatt oder sitzt mit einem Kaffee in der Hand beim Team. «Ich liebe das Leben auf dem Platz. Die Stimmung, das spontane Zusammensein – das macht es aus.»

Auch Tobias schätzt das: «Wir sind eine gesellige Familie, brunchen zusammen, machen Skiferien oder sitzen einfach vor dem Wohnwagen und schauen, wer dazustösst.»
 

Aufgewachsen in der Manege

Vier Monate im Jahr lebt die Zirkusfamilie auf Rädern. «Das Wohnwagenleben hat etwas Romantisches», sagt Armelle. «Man ist näher bei den Menschen. Es ist wie ein kleines Dorf, das durch die Schweiz zieht», so Johannes. Schon seine Eltern, Hildegard und Guido Muntwyler, waren von diesem Lebensgefühl fasziniert. 1985 gründeten sie den Zirkus und benannten ihn nach Guidos Spitznamen «Monti».

Doch wie ist es, im Zirkus gross zu werden, so wie Tobias, Mario und Nicola? «Wir kennen nichts anderes», sagt Mario. «Meine ersten Kindheitserinnerungen sind Lastwagenfahrten und Auftritte in der Manege.» Die Manege war ihr Spielplatz und wurde später zur Berufung. «Zirkus ist eine Lebensschule», sagt Tobias. «Man lernt Verantwortung, Improvisation und wie man als Team funktioniert.»

Klassische Sommerferien oder einem Sportverein beitreten? Fehlanzeige. «Aber wir haben das nie richtig vermisst», meint Tobias. «Wenn du weisst, dass du bald wieder auf Tour gehst, überwiegt die Freude.»

Der Applaus am Ende einer Vorstellung sei nicht der alleinige Grund, dass man das alles mache – aber er sei ein Geschenk. «Du bekommst sofort Feedback», sagt Tobias, «das motiviert.» Mario fügt an: «Wenn du weisst, dass du Menschen mit dem, was du tust, für zwei Stunden aus dem Alltag holst – dann hat alles Sinn.»

Von Vanessa Nyfeler am 22. August 2025 - 18:00 Uhr