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Romina weiss Rat

Angst vor der Impf-Entscheidung muss nicht sein

Eltern müssen viele Entscheidungen treffen. Dazu gehört auch die Frage: Sollen wir unser Kind impfen oder nicht? Familienexpertin Romina Brunner erklärt, wie sie das Thema in ihrer Familie behandelte.

soll ich mein Kind gegen Masern impfen

Die Frage, ob sie ihre Kinder impfen lassen oder nicht, macht viele Eltern unsicher.

Getty Images
Romina Brunner, SI Online Familien Bloggerin, bei sich zu Hause in Birchwil ZH, am 09.11.2018, Foto Lucian Hunziker
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Meine Tochter wird zwei Wochen alt. Bereits stehen erste Impfungen an. Doch jetzt habe ich gelesen, dass das Impfen zu schlimmen Schäden führen kann. Ich bin total verunsichert. Was soll ich tun, ich finde die Entscheidung sehr schwierig. — Elisa 

Liebe Elisa

Ich verstehe, dass dich die Frage, ob du dein Kind impfen lassen sollst oder nicht, umtreibt. Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt und führt wohl die meisten Eltern kurzzeitig ins Dilemma.

Man findet sich zwischen den Argumenten der Impfkritiker und denen der Schulmedizin wieder und plötzlich reden alle auf einen ein: Befürworter und Gegner. Freunde, Bekannte, Nachbarn, Ärzte und Apotheker ... alle haben eine Meinung. Und am Ende bist du vor allem eines: verunsichert!

Eltern können die Entscheidung nicht delegieren

Das Schlimme: Die Entscheidung kann dir niemand abnehmen. Die Eltern alleine sind für ihr Tun oder Nicht-tun verantwortlich und tragen — zusammen mit ihren Kindern — die Konsequenzen. Genau das macht den Entscheid so ungemütlich. Die Vorstellung, dass du schuld bist, wenn deinem Kind was passiert, ist unerträglich. Elternpaare, die sich in dieser Frage uneins sind, habes zusätzlich schwer.

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Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

Besuch beim Osteopathen sorgte für Verunsicherung

Ich war genauso verunsichert wie du, liebe Elisa. Verwirrt hat mich ein Besuch beim Osteopathen, als unsere Tochter vier Wochen alt war. Der Therapeut selbst hatte seine Älteste erst im Alter von einem Jahr impfen lassen, den Kleinen impfte er gar nicht mehr. Auf meine Frage, was er an meiner Stelle tun würde. sagte er: «Ich würde die Impfung so lange wie möglich herausschieben, da sich das kindliche Immunsystem langsam entwickelt und erst gegen Ende des ersten Lebensjahres teilweise ausgereift ist. Dein Mädchen ist aber kräftig und fit, sie würde die Impfung vertragen, falls du dich anders entscheiden solltest.»

Das Gespräch hat mich klar beeinflusst, doch ich fühlte mich nicht bevormundet. Und gerade weil unser Osteopath mich nicht beeinflussen wollte, brachte er mich ins Grübeln.

Angst vor der Impf-Entscheidung

Aus Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, machten wir ich erst mal gar nichts. Unser Kinderarzt, ein aufgeschlossener junger Mann, ist zwar klar für das Impfen, überliess uns aber die Entscheidung. Auch da fühlte ich mich nicht bevormundet und verschaffte mir Zeit, indem ich den Impftermin verschob.

Deutlicher waren die Meinungen in unserem Umfeld. Meine ehemalige Nachbarin, eine Apothekerin, fand die Aussagen des Osteopathen «fahrlässig». «Hat der Mann schon mal ein an Masern erkranktes Kind leiden sehen? Möchte er tatsächlich diese Schmerzen seinen Kindern antun?», sagte sie. Auch alle meine Freunde haben ihre Kinder impfen lassen. Wir schwankten tagelang hin und her.

Die Suche nach Impf-Opfern blieb erfolglos

Der Zufall wollte es, dass ich kurz darauf für eine Zeitung einen Schwerpunkt-Artikel zum Thema Impfen schreiben durfte. Dafür befasste ich mich intensiv mit dem Thema. Ich sprach mit der höchsten Kinderärztin der Schweiz und dem Chefbeamten der Eidgenössischen Gesundheitsbehörde. Ich besuchte auch einen Vortag von einem umstrittenen Arzt und Impfgegner. Ich hörte mir über Tage verschiede Meinungen an und fand die Argumente der Gegner genauso überzeugend wie die er Befürworter. Ich wollte mir ganz sicher sein, schliesslich ging es bei meinem Interesse nicht nur um den Artikel, sondern auch um unser Kind.

Ich konfrontierte die Befürworter mehrmals mit den Argumenten der Gegner. Stutzig machte mich aber: Ich fand kein Impf-Opfer, mit dem ich reden konnte. Alle Impfkritiker, sprachen von Komplikationen, von Schäden, von Opfern, von Folgen, von der Pharma-Mafia und so weiter, doch kein einziger war in der Lage, mir einen Kontakt zu einem Impfopfer zu vermitteln, auch nicht auf anonymer Basis.! Es blieb alles beim Hörensagen. Selbst der erwähnte umstrittene Arzt konnte mir keinen Kontakt vermitteln.

«Unser Entscheid war auch solidarisch. Wenn alle Eltern ihre Kinder nicht mehr impfen, dann sind wir wieder an dem Punkt, an dem wir vor der Einführung der Impfungen waren.»

Eine Freundin im Gespräch mit Romina Brunner

Gleichzeitig bestätigte mir die oberste Kinderärztin der Schweiz, Heidi Zinggeler Fuhrer, dass sie noch kein einziges Impf-Opfer in ihrer Praxis behandelt habe.

In meiner Verwirrung habe ich alle meine Freundinnen nach ihrer Meinung gefragt. Das Spannende: Allen ging es gleich, alle waren erst verunsichert, doch alle haben am Ende ihre Kinder trotzdem geimpft. Eine Freundin sagte zu mir: «Romina, unser Entscheid war auch solidarisch. Wenn nämlich nun plötzlich alle Eltern ihre Kinder nicht mehr impfen, dann sind wir wieder an dem Punkt, an dem wir vor der Einführung der Impfungen waren. Wollen wir das tatsächlich? Somit ist es doch auch solidarisch, sich für das Impfen zu entscheiden.»

Für meinen Mann und mich war das überzeugend. Am Ende impften wir unsere Grosse im Alter von sieben Monaten kurz vor der Kita-Eingewöhnung. 

Liebe Elisa, ich rate dir, dich zu informieren. Das bist du dir und deinen Kindern schuldig. Aber entscheiden musst du dich selbst.

Eventuell helfen dir diese beiden Buchtipps weiter: «Impfen, das Geschäft mit der Angst» von Dr. med G. Buchwald und «Impfen Pro und Contra» von Martin Hirte.

Herzlichst,
Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 39, hilft, Ordnung zu schaffen. Regelmässig berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 13.02.2020
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